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Wie du dir ein dickeres Fell anessen kannst

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Hochsensibilität und Ernährung

Sich nicht mehr vom kleinsten Gegenwind aus dem Sattel heben lassen und nicht mehr in diesem Gefühl feststecken, dass das Leben eine fortwährende emotionale Achterbahnfahrt ist. Das wär’s! Die innere Teflon-Schicht per Fingerschnips aktivieren. Die Dinge lässig an sich abperlen lassen.

Die gute Nachricht: Ein dickeres Fell kannst du dir ein gutes Stück weit anessen. Nicht als omnipotentes Wundermittel – doch als solide Basis für eine gelassene Standfestigkeit im Leben.

Hochsensibilität – eine fast ganz „handfeste“ Sache

Interessant finde ich, dass Hochsensibilität häufig mit der Arbeitsweise des Gehirns und des Nervensystems begründet wird, sich in Folge aber nur wenige Autoren und Blogger, die sich auf dem Gebiet der Hochsensibilität bewegen, mit der Funktionsweise von Gehirn und Nervensystem beschäftigen. Denn wir haben es mit einer handfesten, physischen Sache zu tun: Es geht um Neuronen, Transmitter, Dendriten.

Das Nervensystem inklusive seiner Schaltzentrale, dem Gehirn, ist hochkomplex und unterliegt aufgrund seiner Arbeitsweise einer gewissen Anfälligkeit. Wenn dein Gehirn mit bestimmten Nährstoffen unterversorgt ist, reagierst du dünnhäutig – gleichgültig, ob du Sport treibst, meditierst, eine Therapie machst oder welche Massnahmen du noch ergreifen magst, um deiner Feinfühligkeit einen festeren Boden zu bieten.

Grundlage für dein Wohlbefinden ist ein gut versorgtes Gehirn.

Dein Gehirn ist ein Nimmersatt

Das Organ in unserem Kopf bestimmt alle drei Ebenen des Seins mit: Es reguliert Körperprozesse, produziert und verarbeitet Emotionen und ist für das Denken zuständig. Es ist Tag und Nacht ununterbrochen damit beschäftigt, den Organismus in Ordnung zu halten und das Erlebte zu verarbeiten.

Um diese Glanzleistung zu absolvieren, verbraucht das Gehirn mehr als ein Fünftel des täglichen Energiebedarfs. Trotz seines großen Hungers besitzt es keine großen Speicher für die benötigte Energie. Es kann sich kein Depot für schlechtere Zeiten anlegen. Der Körper muss dem Gehirn on demand die benötigten Nährstoffe zur Verfügung stellen.

Das ist auch der Grund, weshalb Stressphasen, die mit einem erhöhten Nährstoffbedarf einhergehen, den geringen Vorrat an wichtigen Neurotransmittern binnen kürzester Zeit auf bedenkliche Art und Weise auszehren können.

Wie dein Gehirn SOS funkt

Wenn dein Gehirn unterversorgt ist, was tut es, um seinen Hunger kund zu tun? Was ist quasi das Magenknurren des Gehirns?

Zum einen produziert es Grübel-Attacken. Denn ewig die gleichen Gedankenketten zu denken ist energiesparender als nach neuen Lösungen zu suchen.

Zum anderen produziert das hungrige Gehirn „unechte“ oder diffuse Emotionen. Gefühle, die in keinem Kontext zur aktuellen Situation stehen und die nur schwer in Worte zu fassen sind: Eine Unruhe, „nicht in seiner Mitte sein“, Reizbarkeit, generelle Unsicherheit, Aufregung, Überforderung, Verletzlichkeit.

Ernährungstipps für Hochsensible

Tipp 1: Keine Mahlzeiten auslassen

Ganz oben auf der Liste der hochsensiblen Stressverursacher steht die ausgelassene Mahlzeit. Was sich wie eine altbackene Ermahnung von Grossmuttern anhört „Iss regelmässig, mein Kind“ ist ein handfestes Thema für feinfühlige Menschen. Durch regelmässige Mahlzeiten stellst du eine kontinuierliche Nährstoffversorgung deines Gehirns sicher.

Wer, wie eine hochsensible Freundin von mir, morgens in allerletzter Minute aus dem Bett fällt, ohne Frühstück in den Tag startet, so lange nichts isst, bis sich das Gehirn in Form von Zittrigkeit und Unsicherheit bemerkbar macht, und ihm dann eine Weizen-Zucker-Bombe in Form eines süssen Teilchen zuführt, der muss sich über ein dünnhäutiges Gehirn nicht wundern.

Du kannst nicht unregelmässig schlechte Kohlenhydrate in den Stimmungstank füllen und eine kontinuierlich ruhige Gefühlsfahrt erwarten. Das bringt mich zu dem zweiten Tipp, der sich auch wieder wie ein Klassiker anhört:

Tipp 2: Ausgewogen essen

Dass das Gehirn Kohlenhydrate braucht, ist vielen bekannt. Und auch, dass die Qualität der Kohlenhydrate entscheidend ist. Doch spielen bestimmte Fette und vor allem Eiweisse – für die Bildung von Neurotransmittern – eine Rolle.

Es gibt Menschen, die ernähren sich scheinbar gesund und sind dennoch in gewisser Weise mangelernährt. So wie ich früher. Ich schob mir jeden Mittag einen Salat zwischen die Kiemen, sparte aber mit Fett und Eiweissen.

Mein Tipp: Schreib’ dir einen Tag lang auf, was du isst und rechne aus, zu welchen Anteilen Protein, Fett und Kohlenhydraten sich deine Mahlzeiten zusammensetzen. Einfach um ein Gespür zu erhalten, wie du dich ernährst. Beschäftige dich dann mit Ernährungsempfehlungen und entscheide, was du wie verbessern kannst.

Tipp 3:  Sparsamer Gebrauch von Genussmitteln

Koffein, Alkohol, Nikotin – nicht nur hochsensible Menschen benutzen diese Mittel, um sich besser zu fühlen. Das Problematische: Koffein & Co. schütten viele Botenstoffe aus und ermutigen das Gehirn zu einer Unterregulation, da sie das Gehirn weniger empfindsam für die eigenen Botenstoffe machen. Du fühlst dich zwar für kurze Zeit besser, trainierst dein Gehirn insgesamt aber in Richtung Abhängigkeit.

Wenn du dein Gehirn und dich selbst stärken willst, dann schau, dass diese Genussmittel eher die Ausnahme als die Regel sind.

Ein dickes Fell zu haben heisst gut genährt zu sein

Der Stress einer unregelmässigen, nicht ausgewogenen Ernährung ist unspezifisch – wir sind unausgeglichener, angespannter, aufgeregter, zittriger, nervöser. Dünnhäutig halt. Deshalb tun gerade hochsensible Menschen gut daran, ihr Gehirn in seinem Funktionieren bestmöglich zu unterstützen.

Die oben genannten Tipps sind nicht weltbewegend neu. Zugleich hapert es häufig an einem dieser Punkte, das ist meine Erfahrung im Umgang mit hochsensiblen Menschen.

Wenn du dich tiefer mit diesem Thema auseinandersetzen willst, könnte das Buch „Was die Seele essen will“ von Julia Ross lesenswert für dich sein. Allerdings ist sie eine ausgesprochene Verfechterin von Nahrungsergänzungsmitteln. Wenn dies für dich in Ordnung ist, könnte die Lektüre erhellend für dich sein.

2 Kommentare

  1. Hallo Barbara,

    vielen Dank für diesen Artikel! Er zeigt mir Ernährung noch mal von einer neuen Perspektive, die ich, obwohl ich mich viel mit Ernährung auseinander setze, viel zu oft außen vor lasse.

    Den Begriff “dickes Fell” ist eine tolle Metapher!

    Lieber Gruß,
    Philipp

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