frau momos minimalismus

Was kommt nach dem Tod?

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Bei der Auseinandersetzung mit der Frage, was nach dem Tod kommt, bin ich auf die folgende Anekdote aus dem Zen-Buddhismus aufmerksam geworden: 

„Meister, gibt es ein Leben nach dem Tod?“

„Das weiß ich nicht.“

„Aber bist du denn nicht der Meister?“

„Ja, aber kein toter Meister.“

Diesen Dialog interpretiere ich so: Ich kann die Antwort auf die Frage, was nach dem Tod kommt, nicht wissen, weil mir schlicht und ergreifend die Erfahrung des Todes fehlt.

Ich weiß also nicht, ob nach dem Tod noch etwas kommt. Aber wenn ich gefragt werde, was ich glaube, dann nehme ich eine klare Tendenz in mir wahr: Nach dem Tod kommt nix.

Den Tod stelle ich mir vor wie Schlaf. Ein ewiger Schlaf – ohne zu Träumen und ohne Aufzuwachen. Das Bewusstsein erlischt und damit ist es aus. 

Ohne Frage ist dies eine recht schnörkellose, rationale Einstellung. „Das klingt so hoffungslos“ höre ich öfters. Doch so empfinde ich das nicht. Für mich wird umgekehrt ein Schuh daraus: Als eher hoffnungsmindernd erfahre ich den Trost, der auf ein Leben im Jenseits verweist. Tröstlicher ist es für mich, mich auf das Leben im Jetzt und Hier zu besinnen. Jeden einzelnen Tag auszuleben und auszuschöpfen – im Bewusstsein seiner Begrenzung. 

Nach dem Tod kommt nix – mir ist klar, dass dies eine Annahme ist. Und ich werde, wenn ich mit offenen Augen durch das Leben gehe, genug Bestätigung für diese Annahme finden. Es ist leicht, Beweise für die Stimmigkeit der eigenen Annahmen zu finden – seltsamerweise auch bei dieser großen, existenziellen Frage, die schlussendlich mangels Erfahrung eigentlich niemand beantworten kann. 

Spannend ist es, sich mit Menschen und Konzepten auseinanderzusetzen, die das Gegenteil der eigenen Ansicht vertreten. Deshalb liegt das Buch über Reinkarnation (als Bestandteil der buddhistischen Lehre) schon zum Lesen parat auf meinem Nachtisch. 

Dies ist ein Beitrag zur Februar-Blogaktion vom Totenhemd-Blog: Was kommt nach dem Tod?

4 Kommentare

  1. Wunderbar Liebe Frau Momo. Danke für deine Gedanken und die schöne Anekdote! Gefällt mir sehr.

    Ich bin da ganz bei dir…
    … so mancher Gedanke was nach dem Tod sein könnte: „deine Toten erwarten Dich schon“ löst bei mir eher Panik aus als Glück. Wenn es ein Weiterleben geben sollte dann wäre ich gern bei B. aber nicht bei L. 🙂

    Es ist gut eine eigene Haltung zum Thema zu entwickeln bzw. zu haben.
    Wie ein ewiger Schlaf, klingt gut!
    Herzlicher Gruß. Petra

    • Danke für deinen herzlichen Zeilen, Petra.

      Ich bin ganz bei dir, ich denke auch dass es gut ist, eine Haltung zu den Themen Sterben und Tod zu entwickeln. Deine Idee mit den zwei Minuten Schweigen bei deiner Abdankungsfeier haben mich übrigens inspiriert. Vielleicht kupfere ich mir das bei dir ab und schreibe etwas entsprechendes in meine Anordnungen für den Todesfall.

      Herzlicher Gruss,
      Barbara

  2. Hallo Barbara,

    als Fernstudent katholischer Theologie und langjähriger Messdiener, der viele letzte Wege begleitet hat, teile ich deine Meinung diesbezüglich natürlich nicht.
    Was natürlich nicht heisst das ich deine Einschätzung und wunderbaren Beiträge auf deinem Blog nicht nach wie vor schätze. Allerdings würde ich gerne ein paar Worte zum Thema loswerden.

    Meine bishere Lebenserfahrung lässt mich zu keinem anderen Entschluss kommen als das etwas nach dem Tod kommen muss. Sicherlich lässt sich dies nicht Wissenschaftlich zu 100% belegen, gerade weil hinter diesen Vorhang keiner ohne weiteres einmal gucken kann um dann zu sagen wie es ist. Interessant ist nur das von den Nahtoderlebnissen verschiedener Kulturen ähnliche Äußerungen bestehen. Nun hat jede Religion ihre Vorstellung wie und was dann passiert, aber die Vorstellung einer ewigen Gottesnähe scheint mir persönlich am interessantesten und angenehmsten.

    Die katholische Theologie fasst ihre prophetische Lehre von der Vollendung jedes einzelnen und der ganzen Schöpfung im Fachbereich der Eschatologie (alt griech. für die äußersten Dinge, die letzten Dinge – Lehre) zusammen. Interessant finde ich gerade hier auch wie ähnlich sich die Vorstellung monotoistischer Religionen hierbei sind. Gerade die abrahamistischen Glaubensrichtungen haben sehr ähnliche Vorstellungen von Tod und Auferstehung. Sicherlich wird es bis zu letzt eine Lehre der Theorien sein bis wir es alle am eigenen Leib erfahren werden, aber ich kann es mir einfach nicht anders vorstellen. Das Theam hier allerdings weiter auszuführen würde den Rahmen sprengen.

    Sicherlich ist dies aber ein Interesantes Thema.

    Liebe Grüße

  3. Hallo Barbara,

    gestern habe ich Deinen Artikel gelesen und heute flattert mir der Newsletter von Dr. Ulrich Strunz in die Mailbox, den ich an dieser Stelle zitieren möchte.

    VG, Frank

    „Was ist Leben?
    Leben ist etwas Unmögliches. Jede lebende Zelle, jedes Bakterium, jeder Mensch widerspricht dem einen, ewig gültigen Gesetz der Natur, dem II Hauptsatz der Thermodynamik. Der da sagt:

    Alle Moleküle des Universum, also auch unsere Körpersubstanz hat die Tendenz: von Ordnung zu Unordnung. Heißt übersetzt: Alles zerfällt. Wartet man lange genug, wird aus jedem Stein Staub.

    Ein Haus zerfällt im Laufe von Jahrhunderten. Zu einem Steinhaufen. Noch nie wurde beobachtet, dass ein Haufen von Steinen sich von selbst zu einem Haus zusammensetzt. Ein großes Stahlkunstwerk wie der Eiffelturm wird nach Jahrhunderten, wird nach Jahrtausenden ein Haufen von Eisenschrott sein. Unausweichlich. Nie wurde beobachtet, dass aus einer riesen Schrotthalde plötzlich ein Eiffelturm entstand. Und der menschliche Körper, kurz nach dem Tod, verfällt. Verwest. Wird wieder zu Erde, zu Asche. Nie wurde beobachtet, dass in einer Grabstätte aus diesen vormals menschlichen Molekülen plötzlich wieder ein menschlicher Körper entstand.

    Der II Hauptsatz der Thermodynamik ist gültig. All überall im Universum. Und da kommt doch plötzlich der eine Begriff „Leben“ und wirft alles über den Haufen.

    Macht all das gesagte ungültig. Lebendige Moleküle widerstehen diesem Gesetz. Zerfallen eben nicht. Sondern ein Knochen bleibt ein Knochen jahrzehntelang. Ein Muskel bleibt ein Muskel jahrzehntelang. Ein Herz bleibt ein Herz jahrzehntelang und zerfällt eben nicht in ein paar Wochen, wie Aas das tut.

    Der Mensch, jede Zelle ist also ein Haufen von Molekülen, dem Gesetz der Natur, der Thermodynamik unterworfen, der dieses Gesetz aber aufhebt. Durch die

    Kraft des Lebens.

    Also durch eine mystische Energie, welche die Moleküle, die sicherlich bestrebt sind, sich aufzulösen, zu zerfallen, immer wieder zur Ordnung ruft. In jeder Sekunde. Sie zusammenhält. Strukturen bewahrt.

    Besonders deutlich in unseren Chromosomen, den Genen. Wie hochstabil die sein müssen trotz Zellteilung und Replikation. Wie hochstabil die Eigenschaften der Mutter auf das Kind übertragen werden müssen. Da darf auch nicht „das kleinste Stäubchen“ abfallen.

    Dieses wunderliche Phänomen hat Erwin Schrödinger, den Physiker, den Nobelpreisträger veranlasst, DAS Büchlein „Was ist Leben“ zu verfassen. Ein Muss für jeden gebildeten Menschen.

    Frag ich Sie: und woher kommt diese mystische Kraft, dieses „Leben“? Aus dem Urknall? Schon damals angelegt zwischen all den Protonen und Photonen und Neutronen und Quarks? Na, dann gäbe es Leben auf dem Mond. Dann gäbe es Leben auf dem Jupiter.

    Gibt´s aber nicht. Wir wissen (bisher) nur von Leben auf der Erde. Betrifft uns. Diese mystische Kraft ist ganz plötzlich in all die Moleküle des Universums eingedrungen und hat den Verfall gestoppt. Hat die Zunahme der Entropie, gültig im ganzen anderen Universum, gestoppt.

    Können Sie mir nach dieser Betrachtung erklären, woher „das Leben“ stammt? Vom Himmel gefallen? Durch den Föhn daher geweht? „Das Leben“, ein Bruch des universell gültigen thermodynamischen Gesetzes, kann nicht durch „Evolution“, also langsam, schleichend entstanden sein. Das war erst nicht da und dann war es da.

    Und woher? Kann ich Ihnen natürlich auch nicht beantworten. Weiß aber, dass jeder ernsthafte Physiker des letzten Jahrhunderts, besonders die Nobelpreisträger, im Alter in der Regel religiös wurde. An einen Schöpfer zu glauben begannen. Wie auch immer man den nennt.

    Eine Ahnung von der Wahrheit der Sicht großer Physiker gibt uns Rilke. Einer der zwei deutschen Dichter. Darf ich?

    „… alles Leben wird gelebt.

    Wer lebt es denn? Sind das die Dinge, die wie eine ungespielte Melodieim Abend wie in einer Harfe stehen?Sind das die Winde, die von Wassern wehn,sind das die Zweige, die sich Zeichen geben,sind das die Blumen, die die Düfte weben,sind das die langen alternden Alleen?Sind das die warmen Tiere, welche gehn,sind das die Vögel, die sich fremd erheben?

    Wer lebt es denn? Lebst du es, Gott, – das Leben?

    Bitte. Bitte bleiben Sie ein paar Minuten in diesen Zeilen. Verstricken Sie sich. Hören Sie das Denken auf, beginnen Sie mit dem Fühlen. Denn Wahrheit… ist ein Gefühl.

    PS: Ich formulier ´s mal so, ganz kurz und knapp: Das Gefühl, das Sie beim Duft einer Blume empfinden, das… soll entstanden sein, schon vorhanden gewesen sein, damals im Urknall? Ruuumps? Erschafft ein Gefühl? Hatte Liebe schon einprogrammiert?“

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