frau momos minimalismus

Sontan-Verjüngung

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Es ist kalt, nass, ich habe meine Handschuhe Zuhause vergessen und meine Augen anscheinend auch, denn ich renne mal wieder blindlings in so eine „New-Age-Gastro-Geschichte“ hinein. Eine weitere unbeabsichtigte Folge der Serie „Die Systemgastronomie & Ich“.

Meine Finger sind klamm und mein Tag in Zürich noch lang – ich brauche einen warmen Kaffee! Gleich in der Nähe meines nächsten Termins gibt es so ein undefinierbares Mittelding zwischen Café und Restaurant, das mir schon ein paar Mal aufgefallen ist.

Heute nun ist es soweit, ich betrete den Laden und … ja! … da ist ja auch schon die Theke. Diesmal nehme ich sie direkt in Angriff und denke lächelnd an meine letzte Begegnung mit der Systemgastronomie, als ich mich zuerst an einen Tisch setzte und vergeblich auf die Bedienung wartete. Souverän wie Frau von Welt bestelle ich einen Cappuccino und bezahle.

Die Frau hinter dem Tresen gibt mir mit einer selbstverständlichen Geste ein rechteckiges Plastikdings in die Hand. Irritiert schaue ich das Plastikdingens an. „Was ist das?“ frage ich. Sichtlich genervt klärt mich die Frau auf, dass dies ein elektronischer Funkmelder ist, der aufleuchten wird, sobald mein Cappuccino fertig ist. Sie wendet sich demonstrativ der Kaffeemaschine zu.

So abgefertigt stehe ich vor der Theke – mit diesem Plastikdingens in der Hand. Ich schaue nach links, ich schaue nach rechts. Ich drehe mich um, schaue in den Raum. Ich bin weit und breit die einzige Kundin. Ich stehe also alleine mit diesem Plastikdinges in der Hand vor dem Tresen und fühle mich vera*****.

Ich suche mir einen Sitzplatz, lege meine Jacke ab und gehe wieder zur Theke. Die Frau will mir die Tasse reichen, ohne dass das Plastikdingens leuchtet!

Haha, da hat sie aber die Rechnung ohne mein inneres Trotzkind gemacht! Wenn ich schon die einzige Kundin im Laden bin und erstmalig in meinem Leben einen elektronischen Funkmelder in der Hand habe, der mir so höflich und serviceorientiert überreicht wurde, dann soll er gefälligst auch leuchten!

Ich schaue sie fragend-provozierend an, hebe den Funkmelder. Ihr Gesicht verdunkelt sich, sie macht eine Bewegung – und das Ding leuchtet. Ich reiche es ihr und bekomme im Gegenzug meinen Cappuccino.

Ich sitze am Tisch und mein Eltern-Ich plappert aufgeregt auf mich ein: „Ja, musste das denn sein? Die Frau macht doch auch nur ihren Job, hat bestimmt eine Anweisung, jedem Kunden so ein Ding in die Hand zu drücken.“

Mein Kind-Ich nuckelt zufrieden am Kaffee.

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Und hier geht es zur Spontan-Alterung.

Bildnachweis: Steve Johnson / Unsplash.com

2 Kommentare

  1. Ich mag die Serie “Systemgastronomie und ich”! Bitte mehr davon. 😁

    Lieber Gruß aus Berlin
    Philipp

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