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Missverständnisse über den Minimalismus II

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Missverständnis 2:

Minimalisten werfen in Entrümplungs-Aktionen Dinge weg, die sie im Nachhinein wieder neu anschaffen

Ich bin immer recht sprachlos, wenn Minimalisten eine solche Kurzsichtigkeit unterstellt wird. Als ob Minimalisten ihre Gehirnzellen ebenfalls im Rahmen einer Entrümplungs-Aktion in ein großes, schwarzes Loch auf Nimmerwiedersehen entsorgen täten.

Diesem Missverständnis liegen die Annahmen zugrunde,

  • dass der Minimalismus eine übertrieben asketische Phase im Leben darstellt, nach deren Abschluss kräftig konsumiert wird und
  • dass in Entrümplungs-Aktionen das Kind mit dem Bade ausgeschüttet wird. Sprich: Es werden Dinge weggegeben, die zu einem späteren Zeitpunkt doch gebraucht und deshalb wieder besorgt werden.

Klar, – so ist das mit dem Minimalismus natürlich nicht gemeint.

Minimalismus als verantwortungsvoller Lebensstil

Entrümpeln setzt Endorphine frei. Das weiß jeder, der sich mal erfolgreich ans Ausmisten gemacht hat. Minimalistisch zu leben heißt allerdings nicht, sich dem Rausch der befreienden Wirkung von Entrümplungen kopf- und planlos hinzugeben.

Minimalismus ist ein konsumkritischer Weg. Viele Minimalisten sind ambitioniert, verantwortungsvoller mit sich selbst und der Umwelt umzugehen, indem sie ihr Leben und das der Umwelt von überflüssigen Dingen freihalten. Sie übernehmen Verantwortung für die Dinge, die sie umgeben und zukünftig umgeben werden.

Dazu ist Weitblick vonnöten, das versteht sich von selbst. Keiner trennt sich im Sommer von seinem Wintermantel, weil er ihn gerade nicht braucht.

Minimalistische Entrümplungs-Prinzipien

Mit den folgenden Prinzipen beugt man einem Entrümplungsrausch mit anschliessendem Konsum-Kater vor:

1) Ich behalte, was ich ge-brauche

Wenn ich beispielsweise den Toaster regelmäßig im Gebrauch habe, dann gibt es keinen Grund, ihn zu entsorgen.

Klar kann man sich Gedanken machen, ob ein Toaster unbedingt notwendig ist. Ich würde ihn aber nicht weggeben, wenn ich ihn tatsächlich in Gebrauch habe. Denn dann birgt er einen Nutzen – und sei es „nur“ das Glücksgefühl, allmorgendlich in eine krosse, frische Toastscheibe zu beißen.

2) Ich entsorge nichts Funktionstüchtiges, um es anschließend durch eine ökologisch korrektere Variante zu ersetzen

Ich nutze beispielsweise Tupperware. Dieses Plastik-Zeugs würde ich mir heute nicht noch einmal schenken lassen. Doch die Tupperware zu entsorgen, um mir anschließend Boxen aus Edelstahl zu kaufen, – das kommt nicht in Frage.

Ausnahmen mag es bei Dingen geben, die aufgrund von Material oder Abnutzungserscheinungen eine Umwelt- und Gesundheitsgefährdung darstellen.

3) Ich lasse nichts weg, um es durch etwas Unökologisches zu ersetzen

All sein Geschirr wegzugeben, um fortan von Einweggeschirr zu essen – das ist nicht im Sinne der minimalistischen Sache. Und auch nicht, auf die wieder befüllbare Wasserflasche zu verzichten und unterwegs teures Plastikflaschen-Wasser zu kaufen – nur weil man nicht so viel mit sich herum schleppen will.

Hier kommst du zu Missverständnis Nr. 1: Minimalismus heißt, nur 100 Dinge zu besitzen.

Bildnachweis: Pexels

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