frau momos minimalismus

Feinfühliges, Hochsensibles und Minimalistisches

Missverständnisse über den Minimalismus I

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Missverständnis 1:

Minimalismus heisst, nur 100 Dinge zu besitzen

Die Annahme, dass minimalistisch lebende Menschen so wenig wie möglich besitzen, führt in aller Regelmässigkeit zur Diskussion des berühmten 100-Dinge-Limits.

Ich treffe hin und wieder Menschen, die meinen, Minimalisten sollten nicht mehr als 100 Dinge besitzen. Wer sich vor ihnen als Ü100-Minimalistin outet, läuft Gefahr, der Unglaubwürdigkeit beschuldigt zu werden.

Journalisten sind erfahrungsgemäss besonders heiss auf 100-Dinge-Haushalte und Home-Storys über Minimalisten – das verspricht schön viele Bilder mit wenig drauf.

Keines der noch folgenden Missverständnisse über den Minimalismus bringt so kuriose und zugleich ernsthaft diskutierte Detailfragen wie dieses hervor:

Sind ein Paar Socken ein Ding oder zwei Dinge? Ist der Schnürsenkel ein Extra-Ding oder wird er unter „Schuh“ subsummiert? Und die orthopädische Einlegesohle? Eindeutig ein extra zu zählendes Ding – oder nicht? 

Wer in Minimalismus-Foren stolz seine autofreie 100-Dinge-Liste präsentiert, aber den Wagen seines Partners mitbenutzt, der wird des Schummelns bezichtigt. Denn ein Auto, das man nutzt, schlägt mit zahlreichen zu zählenden Dingen zu Buche wie Warndreieck, Verbandskasten, Parkscheibe, Antibeschlag-Scheibenschwamm und dergleichen. 

Wie wenig zielführend – zielführend im Sinne eines einfachen, nachhaltigen und bewussten Lebens – solche Zählungen (und manchmal Haarspaltereien) sind, ist offensichtlich.

100 Dinge sind keine Messlatte für Minimalismus

Es geht nicht darum, den 100-Dinge-Minimalisten ihre Ambitionen abspenstig zu machen. Im Gegenteil: Es braucht Menschen mit Experimentierfreude und Engagement, die vorleben, dass es mit 100 Dingen gehen kann. Die das „normale“ Leben mit hunderten von Dingen kritisch hinterfragen und sich auf die Suche nach lebbaren Alternativen inmitten unserer Konsumgesellschaft machen.

Problematisch ist es, wenn die 100 Dinge zur Minimalismus-Messlatte erkoren werden und die Diskussion um das Erreichen dieser Messlatte unverhältnismässig wird. Es ist möglich, mit mehr als 100 Dingen an Besitz einen glaubwürdigen & authentischen minimalistischen Lebensstil zu verfolgen.

Der minimalistische Lebensstil

Minimalismus ist ein konsumkritischer Weg. Minimalisten hinterfragen ihr Verhalten hinsichtlich Konsum und Besitz auf Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit. Dabei haben sie neben dem eigenen Wohlergehen auch das der Umwelt im Blick.

Minimalismus – bezogen auf Dinge – heisst, sich kritisch mit dem auseinander zu setzen,

  • was sich an Besitz angehäuft hat;
  • was Besitz kostet (z.B. an Stauraum, an Zeit und Geld zum Reinigen/Warten, an visuellen Überreizungen);
  • was von einem Besitz wirklich in Gebrauch ist und Nutzen bringt;
  • was von einem Besitz wirklich das Leben bereichert;
  • was ein Mensch braucht, um ein gutes Leben zu führen – und welche Rolle der Konsum von Dingen dabei spielt;
  • was die Nachfrage und der Konsum von Dingen für die Umwelt bewirkt und
  • welche Alternativen es zu Konsum von Dingen gibt.

Eine ehrliche Auseinandersetzung mit diesen Fragen kann, muss aber nicht zum 100-Dinge-Minmalismus führen.

Welche Missverständnisse über den Minimalismus begegnen dir auf deinem Weg?

Bildnachweis: Pexels

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