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Meditation: Loslassen in Aktion

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Die Gedanken-Mischpoke einfach weiterziehen lassen

Ich setze mich jeden Morgen auf meinen Allerwertesten und meditiere zwanzig Minuten lang. Komme, was da wolle. Einmal kam in der letzten Zeit eine Darmgrippe dazwischen, ansonsten bin ich konsequent und ich freue mich auf meine tägliche Meditationspraxis. Am interessantesten finde ich, dass ich mir jedes Mal vornehme, ausschließlich im gegenwärtigen Augenblick zu sein … und mir das nicht gelingt. 

Das ist immer wieder verblüffend: Ich beschließe, vollkommen präsent zu sein und nichts anderes zu tun, als zu beobachten, und ertappe ich mich irgendwann dabei, dass ich anscheinend klammheimlich von diesem Beobachter-Posten heruntergeklettert und in einem Gedankenstrudel aufgegangen bin. 

Ich packe mich also am Schlafittchen, wie ich gerade innerlich zig To-Do-Listen für mein nächstes Projekt schreibe. Oder mich über meine Nachbarin aufrege, die sich häufig mit derart viel Parfum überschüttet, dass jeder Lush-Laden ein wohlriechender Himmel dagegen ist. 

Erstaunlich ist dann, wie schwer es mir mitunter fällt, all diese Gedanken wieder ziehen zu lassen. Sie kommen mir ungeheuer bedeutend vor. Ich habe Schiss, ich könne einen von diesen ultrawichtigen Gedanken vergessen, wenn ich ihn jetzt nicht emsig weiterdenke. (Nur fürs Protokoll: Ist noch nicht passiert). 

Ein spannendes Spiel: Gelingt es mir, eine Gedankenfamilie, die an meiner Haustür klingelt, vor meiner Tür stehen zu lassen? Bleibe ich am Spion stehen und kann ich beobachten, wie sie wieder abzieht? Oder öffne ich unbewusst die Tür und lasse sie in meine Wohnung tapsen?

Manchmal habe ich Pech, und es ist ausgerechnet eine olle Angst-Mischpoke, die ich in meine heiligen Hallen lasse. Die rülpst und furzt mir dann mein Wohnzimmer mit miesen Gedanken in puncto Altersarmut (Krebs / Klimaveränderung / …) zu. Aber wie das mit der lieben Familie nun mal so ist: Je mehr inneren Widerstand ich leiste, desto tiefer sinkt sie in die Sessel. Da hilft nur: Sich daneben setzen, das Herz öffnen und … beobachten. 

Häufig gelingt es mir während der Meditation jedoch, das Auftauchen einer solchen Gedankenfamilie einfach zu beobachten. Oder sie zu erkennen, während sie einen Fuß in die Tür setzt und ihr dann liebevoll, doch konsequent „Adieu“ zu sagen.  

Während des Tages profitiere ich ungemein von der Kunst, die Dinge vorbei ziehen zu lassen. Es gibt diesen Spruch, sich nicht jeden Schuh anziehen zu müssen, der einem vor die Tür gestellt wird. Ähnlich empfinde ich es mit Gedanken-Familien: Ich muss mich nicht jeder anschliessen, die da gerade um die Ecke kommt. 

Meditation ist für mich Loslassen in Aktion. Sie hilft mir ungemein, Impulsen und Gedanken nicht immer sofort nachzugeben oder sie für bahre Münze zu nehmen.

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Bildnachweis: Eileen Pan / Unsplash.com

2 Kommentare

  1. Liebe Barbara,
    ein wirklich phantastische Beschreibung des Meditationsprozess. Ich bin begeistert. Meditiation ist Aktion im Nichttun. 👍
    Grüsse aus dem Pott in die Schweiz,
    Gabi

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