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Gelesen: „Über das Sterben“ von Gian Domenico Borasio

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„Ein eindrucksvolles Miteinander von Einfühlung und unbestechlicher Direktheit, von praktischen Tipps und sanften Sätzen.“

So beschreibt Gabriele von Arnim das Buch. Und ich stimme ihr zu.

Gian Domenico Borasio ist Professor für Palliativmedizin an der Universität Lausanne. Dass er nicht im Elfenbeinturm der Wissenschaft sitzt, stellt er mit diesem Buch unter Beweis.

Borasio schreibt an einer Stelle, Wahrhaftigkeit in der Kommunikation stellt eines der obersten Gebote im Bereich der Palliative Care dar. Er lebt dies vor, indem er warme, aber zugleich klare Schlaglichter auf wesentliche Aspekte wirft, die das Sterben begleiten:

  • Wie verbringen wir voraussichtlich unser Lebensende?
  • Wer begleitet bei unheilbaren Krankheiten und beim Sterben kompetent?
  • Was brauchen Menschen am Lebensende und welches sind die häufigsten Probleme?
  • Wie können wir uns auf das einstellen, was auf uns zukommt?
  • Was heißt aktive/passive Sterbehilfe? Was ist Suizidhilfe?

Das Buch ist flüssig und verständlich geschrieben. Es vermittelt einen Überblick über den heutigen Ansatz einer umfassenden Palliative Care und speziell der Möglichkeiten der Palliativmedizin.

Borasio wird nicht müde, immer wieder darauf hinzuweisen, dass die medizinische Therapie (z. B. Linderung von Schmerzen und Atemnot) lediglich eine Säule der Begleitung von Schwerkranken und Sterbenden darstellt – wobei ohne Frage eine wichtige. Mindestens eine ebenso große Bedeutung mißt er der pflegerischen, psychosozialen und spirituellen Begleitung durch ein interdisziplinäres Team von Pflegenden, Seelsorgern, Ärzten, Freiwilligen, Angehörigen und Freunden sowie Sozialarbeitern bei.

Ich empfehle dieses Buch Menschen, die sich mit ihrer eigenen Endlichkeit auseinandersetzen und/oder einen Angehörigen am Lebensende begleiten. Ihnen liefert dieses Buch eine Einführung ins Palliative Care und punktuell praktikable Hinweise – ob nun zur Erstellung einer Patientenverfügung oder zu der Frage, ob Morphin das Mittel zur Wahl zur Linderung von Atemnot ist (was für alle Beteiligten zu einer wichtigen Frage werden kann).

Das Buch ist – trotz seines ganzheitlichen Ansatzes – pragmatisch orientiert und in einigen Aussagen eher pauschalisierend. Es beinhaltet keine tiefer gehenden oder differenzierten Abhandlungen über bestimmte Aspekte des Sterbens und/oder anderen benachbarten Fragen. Wer dies sucht, wird enttäuscht werden.

Es gibt eine Deutsche wie auch eine Schweizer Ausgabe, da sich die Versorgungssysteme wie auch die Gesetzesgrundlagen beider Länder unterscheiden. Das Taschenbuch ist für unter 10 Euro zu erwerben.

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