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Entspannter Einkaufen – Teil 2: Selbstregulation

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Der Umgang mit Reizüberflutung während des Einkaufens 

Kämpfst du, wie viele hochsensible Menschen, mit dem Gefühl, dass die Supermarkt-Welt mit all ihren grellen Reizen und rempelnden Mitmenschen gnadenlos auf dich einprasselt? Dass alle Eindrücke ungefragt in dich hinein fallen? Fühlst du dich diesem Vorgang ungeschützt ausgesetzt? 

Wenn du diese Fragen bejahen kannst, wirst du die Übung, die ich in diesem Beitrag beschreibe, vielleicht als nützlich empfinden. Denn sie kann dir helfen, die auf dich einströmenden Eindrücke in einer anderen Weise als bisher zu regulieren.

Reizüberflutung und Körperwahrnehmung

Reizüberflutung heißt, dass du Reize nicht aussortieren kannst. Dein Gehirn kann nicht zwischen einem „wichtigen Reiz“ und einem „unwichtigen Reiz“ unterscheiden. Zudem fallen die Sinneseindrücke einfach in dich hinein. Du hast nicht den Eindruck, dass es eine Distanz zwischen dir und der Welt um dich herum gibt.

Das ist das Wesen von Überflutung.

In diesem Zustand bist du überaktiviert, überreizt und von Gefühlen der Gefahr und Angst dominiert. Das schlägt sich körperlich nieder: Die meisten Menschen sind, wenn sie reizüberflutet sind, mit ihrer Aufmerksamkeit im vorderen/oberen Bereich ihres Körpers. Vor allem im Gesicht, im Kopf, im Nacken und in der Brust. Deshalb tendieren sie dazu, auf all die Reize „anzuspringen“, die präsentiert werden. 

Die Übung: Im Rücken verankert sein 

Übe bei deinem nächsten Supermarkt-Einkauf das Folgende: Gehe mit deiner Aufmerksamkeit in deinen Rücken. Fühle deinen Rücken. Spüre die Partie zwischen deinen Schultern, den mittleren Rücken, dein Kreuz.

Registriere die hintere Länge deines Torsos. Spüre den Raum deines Bauches, in den du hinein atmest. Auch in deinem Brustkorb gibt es Raum, der sich mit dem Atemrhythmus bewegt.

Während du auf diese Art und Weise mit der Wahrnehmung im Rücken verankert bist, schau dich um. Verweile mit einem Teil deiner Aufmerksamkeit im Rücken und betrachte gleichzeitig die Welt um dich herum bewusst.

Mit dieser Haltung tätigst du deinen Einkauf. An jedem Ende eines Ganges oder nach jedem Ablegen eines Artikels in den Einkaufswagen erneuerst du diesen inneren Shift deiner Wahrnehmung.

Souveränität zurück gewinnen

Idee dieser Übung ist, mit deiner Wahrnehmung ein Stück weit nach hinten zu gehen.

Verweile mit deiner inneren Aufmerksamkeit bei deinem Rücken und nehme gleichzeitig deine Umwelt bewusst wahr. Schau, ob du zu einem Gefühl gelangen kannst, das so umschrieben werden kann: Ich bewege mich. Ich schaue. Ich höre. Es gibt einen Raum zwischen mir und den Dingen.

Dies ist das Ziel der Übung: Von einem „Die Welt bewegt sich auf mich zu“ zu einem „Ich bewege mich in dieser Welt“ zu kommen. 

Ein paar Hinweise zu dieser Übung

Wenn du diese Übung praktizierst, erwarte nicht, das die Geräusche schwächer werden oder die Lichter weniger grell. Die Reize sind nach wie vor da. Entscheidend ist, dass du körperlich anders verankert bist, um dieser Situation zu begegnen. Entscheidend ist, dass mit dieser Übung bestimmte Teile deines parasympathsichem Systems aktiviert werden, das dir helfen kann, dich besser zu regulieren.

Dein Nervensystem braucht Zeit, um sich an diese neue Art des Seins zu gewöhnen. Im Stress-Modus greift das Gehirn gerne auf altbekannte Muster zurück und – schwupps – bist du im zusammengezogenen, kopflastigen Stressmodus. Deshalb bleibe geduldig mit dir und übe, übe, übe.

Schreibe dir diese Übung mehrmals auf die Einkaufsliste, damit du während des Einkaufs an sie erinnert wirst.

Du kannst (und das empfehle ich dir wärmstens), diese Übung überall trainieren. Die Aufmerksamkeit auf den Rücken zu lenken, das ist etwas, was du im Prinzip jederzeit machen kannst und was beruhigend wirkt.  

Dieses ist übrigens ein ultimativer Tipp für alle Situationen mit Reizüberflutung.

Meine persönlichen Erfahrungen mit dieser Übung

Als ich die Übung das erste Mal anwendete, war ich ehrlich gesagt enttäuscht. Ich hatte erwartet, dass sich eine Art unsichtbare Watteschicht um mich legen und die Welt abschirmen würde. Doch das war nicht der Fall.

Den Effekt dieser Übung habe ich erst im Nachhinein gespürt – und das ist bis heute so geblieben: Ich habe nach reizintensiven Situationen wesentlich mehr Energie. Sie schlauchen mich bei Weitem nicht mehr so wie früher.

In mir hat sich die Gewissheit entwickelt, mit typischen hochsensiblen *ARGH*-Situationen – hektisches Menschengewusel am Hauptbahnhof, Einkaufen im gerammelt vollen Supermarkt, Essen mit Freunden im lärmigen Restaurant – besser umgehen zu können. Das erweitert meinen Handlungsspielraum enorm und die benötigte Zeit zur Regeneration hat abgenommen.

3 Kommentare

  1. hört sich spannend an, werd’s mal probieren 🙂

  2. Es gibt auch noch andere Dinge. Zum Beispiel niemals Freitagmittag oder Samstags in den Supermarkt gehen. Das macht den Laden zwar nicht weniger bunt, man hat aber nicht so viel Menschen, die oft sichtbar herausgefordert sind und daher einem ständig vor die Füße laufen.

    Ich kaufe außerdem schon lange nicht mehr mit Einkaufswagen ein, sondern mit einer großen Einkaufstasche. Das reduziert das „Übereinkaufen“, weil die Tasche nicht so groß ist wie ein Wagen und weil man ihr Gewicht ständig spürt. Außerdem erinnert das Gewicht auch daran, dass man sich in dem Laden nicht verlieren will, sondern auch wieder raus möchte. 🙂

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