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Entspannter Einkaufen – Teil 1: Das Einkaufen zu einem Event umgestalten

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Wie geht es dir mit dem Einkaufen im Supermarkt? Freust du dich auf den wöchentlichen Lebensmitteleinkauf? Oder stellt er eher einen unangenehmen Hindernisparcours dar, den es zu bewältigen gilt? 

Vielleicht findest du dich in der folgenden Beschreibung wieder: 

Ein kaum zu überblickendes Warenangebot mit Sonderangeboten, Rabattaktionen und Ausschusswaren, die dein Auge und deine Entscheidungsfähigkeit strapazieren. Deine Distanzzone wird im Getümmel gefühlt alle zwei Sekunden überschritten. Mittendrin noch Lageristen mit Hubwagen, leere, auf den Boden liegende Kartons und Kunden, die sich unterhaltend die Gänge blockieren. 

Piepsende Scannerkassen, Lautsprecherdurchsagen und im Hintergrund dudelnde Musik, die deinen Ohren alles abverlangen. Riesige Einkaufswagen, über die du dich beim Packen der Waren auf das Kassenband kaum noch herüber lehnen kannst. Die gezielt den Eindruck auslösen, du hättest etwas vergessen oder nicht hinreichend eingekauft. Die Einpackfläche nach der Kasse ist dagegen unverschämt klein, wenn es sie überhaupt noch gibt. Und die Kassiererin scannt die Produkte in einem so irren Tempo, dass du mit dem Einpacken kaum hinterher kommst.

Ohne Frage: Ein normaler Supermarkt kann selbst in den Zeiten, in denen er nicht gerammelt voll ist, ein einziger Spießrutenlauf für feinfühlige Menschen sein. Deshalb gilt vielen von ihnen das Einkaufen als eine stressige Pflichtaufgabe, durch die sie halt irgendwie durch müssen. 

Der Durchschnittsbürger soll ganze zwei Jahre seines Lebens im Supermarkt verbringen. Wie du diese zwei Jahre Lebenszeit anders gestalten kannst, darum geht es in diesem zweiteiligen Beitrag, in dem ich zwei unterschiedliche Ansätze vorstelle.

Der erste Teil handelt davon, wie du das Einkaufen von einer lästigen Muss-Aufgabe in eine Aktivität transformierst, die angenehmer für dich ist.

Das Einkaufen zu einem schönen Erlebnis umgestalten  

Das braucht – um das vorweg zu nehmen – mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Neu-Organisation deiner Einkaufsgewohnheiten, mehr Planung und eine geduldige Phase des Ausprobierens. Es dauert eine Weile, bis sich neue, für dich stimmige Routinen etabliert haben.

Doch rechne die Lebenszeit dagegen, die dich das Einkaufen an Nerven kostet. In der Regel ist es mit der reinen Einkaufszeit nicht getan. Wahrscheinlich bist du bereits genervt, wenn du im Vorfeld ans Einkaufen denkst und wahrscheinlich musst dich im Nachhinein auch noch herunter fahren. Die Brutto-Nervzeit ist höher als die Netto-Nervzeit. 

1) Wie macht dir das Einkaufen Freude? 

Überlege dir in einem ersten Schritt Orte, an denen das Einkaufen schöner für dich ist. Welche Alternativen hast du zu einem üblichen Supermarkt? Es gibt beispielsweise Bio-Läden, Hof-Läden, Unverpacktläden, Lebensmittelkooperativen und Wochenmärkte.    

Wo würdest du also gerne einkaufen? Welche Einkaufsorte erfüllen dich mit mehr Sinn – vielleicht weil sie nachhaltiger oder regionaler sind? Wo gibt es Menschen und Aktivitäten, die dich erfreuen und die du mit dem Einkaufen koppeln könntest? Hat der Unverpacktladen vielleicht ein kleines Bistro, in dem du einen Tee trinken und an der Pinnwand stöbern könntest? Gibt es auf dem Wochenmarkt einen Stand, der dich besonders anzieht und der Lebensmittel bietet, bei denen dir das Wasser im Munde zusammen läuft? Gibt es an einem anderen Einkaufsort etwas, was dich anzieht – eine Bibliothek, ein Café, eine Freundin, die du gerne triffst, einen Park, einen tollen Spielplatz für die Kinder, eine Aussicht, einen schönen Spazierweg? 

Gewiss bieten alternative Einkaufsorte ebenfalls eine Menge an Reizen. Doch die Qualität dieser Reize ist eine andere. Zudem bist du innerlich in einem viel entspannteren Modus, wenn du etwas tust, was du magst und wo es dich hinzieht. Dann ist deine Fähigkeit, mit reizintensiven Situationen umzugehen, höher. 

Für manche Menschen ist der schönste Einkaufsort das eigene Zuhause. Wenn du nicht aus dem Haus gehen magst, dann sind für dich Lieferdienste, Bio-Kisten oder Gemüse-Abos eine Alternative.

Eine weitere Möglichkeit ist das Tauschen. Es gibt tatsächlich Menschen, die gerne einkaufen. In einer Tauschböse/Talentbörse oder im privaten Umfeld kannst du eventuell einen entsprechenden Deal organisieren. Ich kenne eine Frau, die das Einkaufen von einem anderen Menschen erledigen lässt und im Gegenzug die Wäsche macht.

2) Wie bekommst du dein freudiges Einkaufs-Ereignis organisiert? 

Die nächste Frage ist, wie du dich organisieren müsstest, um an einem anderen Ort einkaufen zu gehen (oder einkaufen zu lassen). Hier ist ein Vorausdenken und Ausprobieren bei den folgenden Punkten gefragt:

a) Wege und Transport der Ware

Wie kommst du zu deinem Einkaufsort? Wenn der neue Einkaufsort in etwas weiterer Entfernung liegt: Gibt es eine schöne Strecke mit dem Bus oder Bahn? Wer könnte dich fahren oder mit wem könntest du zusammen fahren?  Viele Berufstätige bilden Fahrgemeinschaften, – wie wäre es mit einer Einkaufsfahrgemeinschaft?

Und was brauchst du, um an einem anderen Ort einkaufen zu können? Ein Unverpacktladen bedingt das Mitbringen eigener Gefäße oder Taschen. Wie kannst du diese transportieren? Wäre die Investition in einen Einkaufswagen/Trolley sinnvoll?

b) Organisation der weiteren Einkäufe

Wie organisierst du dir die Dinge, die es an deinem neuen Einkaufsort eventuell nicht gibt? Die meisten Bio- und Unverpacktläden haben mittlerweile ein recht breites Sortiment, so dass du neben frischen Obst & Gemüse auch alle weiteren Lebensmittel, Hygiene- und Reinigungsartikel sowie Utensilien für den täglichen Haushaltsbedarf erstehen kannst.

Auf einem Markt oder Hofladen sieht das schon anders aus. Im Prinzip gehst du auch hier zur ersten Frage zurück: Was wäre ein schöner Einkaufsort für die noch fehlenden Produkte und wie organisierst du dir diesen? Vielleicht macht ja eine Kombination wöchentlicher Marktbesuch & Lieferservice für die restlichen Lebensmittel Sinn. Oder aber du kannst dir einen Vorratseinkauf-Event gestalten, den du in größeren Abständen durchführst.

c) Wochenplanung und Vorratshaltung 

Grundlage für andere Einkaufsgewohnheiten ist eine funktionierende Planung, die sich möglichst flexibel an deine Bedürfnisse anpasst. Diese Fragen können dir bei der Planung helfen:

  • Welcher Tag ist für dich für einen Wocheneinkauf geeignet? Plane von diesem Tag beginnend, was du kochen/essen möchtest.
  • Gerichte mit leicht verderblichen Lebensmitteln planst du möglichst um den Einkaufstag herum ein.
  • Welche Gemüse- und Obst-Sorten (bzw. welche Gerichte) haben gerade Saison?
  • Auf welche Mahlzeiten hast du Lust?
  • Kannst du Lebensmittel, von denen es wahrscheinlich Reste geben wird, mehrfach einplanen?
  • Wie sieht deine Wochenstruktur aus? Gibt es Tage, an denen Du wenig Zeit zum Kochen haben wirst, weil du anderen Aktivitäten nachgehst? Dann plane hier schnelle Gerichte ein oder koche am Vortag die doppelte Menge eines Gerichts.
  • Tiefkühlgerichte: Bietet es sich an, von einem Gericht mehr zu kochen, um dann Portionen einzufrieren? Oder aber sollte der Tiefkühlschrank geschröpft werden und ein Gericht aus ihm auf dem Tisch landen?
  • Wie sehen deine Vorräte aus? Hast du alles, um ein „Not-Gericht“ zaubern zu können?

Ich bevorzuge die Strategie, ein und dasselbe Gericht an mehreren Tagen hintereinander zu essen. Das lässt meinen Einkaufszettel überschaubar und das Kochen routiniert sein.

 

Ich freue mich, wenn ich dir Anregungen geben konnte, wie du deine Einkäufe supermarktfreier gestalten kannst. Solltest du an normalen Supermärkten aus irgendeinem Grund nicht vorbei kommen, dann hilft dir eventuell ein anderer Ansatz, den ich im zweiten Teil vorstellen werde – es geht um eine Technik, um mit Reizüberflutung umzugehen.

Hörtipp: In der Folge „Wie viel Zeit braucht nachhaltiger Konsum“ des Einfach-Vegan-Podcasts erzählen Stefanie und Carsten, wie der wöchentliche Lebensmitteleinkauf zu einer Vater-Sohn-Unternehmung geworden ist. Da Stefanie und Carsten ausserdem minimalistisch leben, ist diese Folge hörenswert für alle, die generell minimalistischer und nachhaltiger leben wollen. 

 

2 Kommentare

  1. Ui, liebe Frau Momo,
    ganz herzlichen Dank für das Erwähnen der Podcastfolge!! 🙂

    Liebe Grüße
    Stefanie

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