frau momos minimalismus

Adieu Problemtrance! Oder auch: Das Ding mit den Zielen

| Keine Kommentare

Ich muss gestehen, in einigen Bereichen bin ich in einer Art Problemtrance durch das Leben gerannt. Ich konnte Probleme unendlich genau und ausführlich beschreiben. Ich analysierte sie quasi zu Tode (hat übrigens nicht funktioniert, sonst wären sie gelöst gewesen). 

Aber als Betriebswirtin hatte ich das schliesslich so gelernt: ich muss das Problemtal genau ergründen, um den Weg hinaus zu finden. Eine anständige Analyse ist das Fundament für fast alles. Deshalb schaute ich in meinem Problemtal gelegentlich unter jeden noch so kleinsten Stein, ob sich dort ein Grund für Problem versteckt haben mag. 

In der letzten Zeit kam ich auf die Idee, es anders zu machen: Den Blick von den Steinen lösen, mir ein Ziel auf den Horizont zu setzen und loszugehen. Das alles in dem Vertrauen, dass ich auf meinem Weg alles erfahren werde, was ich zum Verändern brauche. 

Das funktioniert hervorragend, weil viele Ziele häufig eine Spiegelung von Problemen sind. Sie verkörpern die andere Seite der Medaille – sozusagen die Schokoladenseite von Problemen. Ziele haben die „Hin-zu“-Magie, während Probleme oft von „Weg-von“-Panik geprägt sind. 

Beim Verfolgen eines Ziels komme ich mit allen in Berührung, was mich abhält, es zu erreichen. Der Weg erspart mir die Analyse (aber nicht die Arbeit an mir selbst). 

Doch wie viele Menschen hatte ich zunächst gemischte Gefühle zum Thema Ziele. Oder ehrlich gesagt: Ich hatte eine Zeit lang eine regelrechte Allergie auf Ziele. Vor allem war ich genervt vom (Selbst-) Optimierungswahn unserer Zeit, ich hatte das Denken in Soll-Ist-Vergleichen satt.

Zugleich wusste ich: Meine innere Haltung zu Zielen beeinflusst in einem nicht unerheblichen Masse meinen Weg. Es ist kontraproduktiv, sich ein Ziel zu setzen und im Hintergrund eine Art „Anti-Ziel-Programm“ laufen zu haben. 

Interessanterweise machen dies viele Menschen: Sich Ziele zu setzen, obwohl sie Zielen gegenüber ambivalent eingestellt sind. Das ist wie Bücherlesen, obwohl man das Lesen nicht mag. Das verbraucht viel Energie. 

Das Ding ist weiterhin, dass ich mit einem Ziel sofort auch das „Nicht-Ziel“ auf den Plan rufe. Und diese Dualität kann sich ganz schön aufheizen. Dann wird aus einem Ziel eine einsame Klippe, auf der ich entweder in Siegerpose stehe oder gescheitert herunter falle – mit wenig Grauzone dazwischen.

Besser ist es, auf den Wellen dieser Polarität surfen zu lernen und den Raum dazwischen zu erkunden. Wie beim Wellenreiten, bei dem die dynamische Form der Welle genutzt wird, um sich fortzubewegen.

Wenn ich nur schon meine ambivalenten Gefühle hinsichtlich dem Thema Ziele respektiere und sie als Ausgangsbasis anerkenne, verlieren sie einen Teil ihrer Aufladung. Von diesem Punkt der Akzeptanz aus ist es dann fast einfach, mein Bewusstsein in Richtung auf das zu erweitern, was ich für mich für möglich und wünschenswert halte. Ohne mich zu verheddern und ohne enge Klippenspringer-Szenarien aufzumachen. 

Auf Twitter teilte jemand neulich: „Eigentlich ist annehmen und loslassen dasselbe.“

Das kann ich hundertprozentig unterschreiben.

P.S. Und falls das mit dem Annehmen bei dir nicht klappt, habe ich hier etwas zum Loslassen geschrieben.

********************************************************

Bildnachweis: Pixabay.com

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.