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Wie deine „Ich bin“ dich mit durch die Krise tragen

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In Krisenzeiten hörst du vielleicht oft Sätze wie diese: „Tu dir mal etwas Gutes“ oder „Lenke dich ein wenig ab, mach dir nicht so ein Kopf.“ oder „Aber es gibt doch auch Positives, sieh das doch mal“.

Das ist, wenn man gefühlt zentnerschwere ungelöste Dinge mit sich herum trägt, leicht gesagt. Mir fällt es schwer, das nicht sofort als stereotypen Ratschlag zu handhaben, den ein Außenstehender mal eben so locker von sich gibt, der kurz seinen grossen Zeh in mein Drama tunkt und dann weiter zieht.

Und dennoch: es steckt Wahrheit sowie Hilfreiches dahinter. Diesen Wahrheitsgehalt möchte ich mit dir heute etwas genauer anschauen und dich dazu inspirieren, dich tatsächlich gerade in Krisenzeiten konsequent auf bestimmte Aspekte deiner Persönlichkeit zu fokussieren. Fernab von oberflächigen Ratschlägen, die gerade Dickhäuter gerne von sich geben.

Krise: Wenn der Boden brüchig ist

Krisen können durch klar benennbare, einschneidende Ereignisse ausgelöst werden. Unfall, Trennung, Horror-Diagnosen, Verlust eines geliebten Menschen, Erkrankung eines nahestehenden Menschen.

Manchmal lässt sich aber auch gar nicht genau festmachen, warum sich die Situation so entwickelt hat und plötzlich eskaliert. Viele kleine, manchmal für Außenstehende kaum nachzuempfindende Ereignisse sind zusammengekommen. Schleichend hat sich da etwas zusammengebraut. Irgendwann ist es einfach zu viel geworden.

Dann ist sie mit einem Mal da, die Krise. Gedanken, die stundenlang Karussell fahren; am liebsten natürlich nachts. Häufchen voller vollgeheulter Taschentücher säumen den Boden. Tante Klaras Geschirr hat den Wutausbruch nicht überlebt. Nichtigste nicht gelingende Kleinigkeiten, die dein Selbstwertgefühl binnen Millisekunden in Trümmer legen.

Krise ist der Ort, an dem deine gewohnten Bewältigungsstrategien nicht mehr ausreichen oder nicht mehr funktionieren.

Deshalb auch dieses Überforderungsgefühl. Wenn du merkst, dass du mit dem vertrauten und altbekannten Strategien nicht weiter kommst, verunsichert dies zutiefst. Vieles scheint in Frage gestellt – die eigenen Werte, die Lebensweise, frühere Entscheidungen. Habe ich etwas falsch gemacht? Hätte ich nicht früher / lauter / eher / vehementer / mehr / weniger / deutlicher …. ? Wie soll ich diesen riesigen Berg, der vor mir steht, nur bewältigen?

Wichtig ist, an diesem Punkt festzuhalten: Krise hat immer mit Verunsicherung und mit dem Gefühl von Unfähigkeit zu tun. Das kennzeichnet sie quasi. Genau deshalb ist es ja so „krisig“. Übersetzt heißt Krise: Ich weiß gerade überhaupt nicht weiter.

Meist ist es sinnvoll, sich Unterstützung zu holen – in welcher Form auch immer.

Und es gibt noch etwas, was du tun kannst: Dich auf deine gut funktionierenden ICH BIN konzentrieren, auf deine Identitäten.

Denn manchmal braucht es etwas Zeit, bis du wieder festen Boden unter den Füssen spürst. Bis es soweit ist, kannst du dich durch deine ICH BIN etwas tragen lassen.

„Zuerst erschaffen wir unsere Gewohnheiten, dann erschaffen sie uns“

Dieses Zitat von John Dryden beschreibt, wie regelmässiges Tun identitätsstiftend wirkt. Identität ist hier, in diesem Beitrag, in einem etwas „saloppen“ oder auch hemdsärmeligen Zusammenhang gemeint, fernab exakter, wissenschaftlich fundierter Definitionen. Es geht um all die Beschäftigungen und Rollen, die zu Aussagen führen wie:

Ich bin …

  • Yogini
  • Amateur-Fotografin
  • Katzen-Liebhaberin

Okay, das liest sich strunz langweilig. Geht auch so:

Ich bin …

  • Lesewahnverfallene
  • die mit dem Zeichenstift tanzt
  • Wollreste zur Weltverbesserung Verarbeitende
  • Landei
  • Expertin für Frauenkrimis
  • Manga-Comic-süchtig
  • Musikpuristin
  • Textzauberin
  • Esspertin
  • Jogging-Junkie
  • Urban-Sketchnoter
  • Hundeflüsterin
  • leidenschaftliche Kochbloggerin

Es geht in diesem Beitrag um jene ICH BIN, die ein gutes Gefühl in deinem Bauch auslösen. Die den Lächel-Effekt rund um deine Augen aktivieren, wenn du von ihnen sprichst. Die ein „Oh ja, da will ich hin“-Feeling in dir wecken.

Diese Art von Identitäten entstehen unter anderem durch Gewohnheiten, durch das regelmässige Tun. Denn wenn du jeden Tag 15 Minuten meditierst, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass du dich als Meditierende bezeichnest, viel höher, als wenn du dich hin und wieder mal für eine Stunde hinsetzt.

Identität: Wo du dich gut und sicher fühlst

Dich während einer Krise bewusst auf eine solche gut funktionierenden ICH BIN zu fokussieren, gibt dir aus drei Gründen Kraft:

1 Das Gefühl von Kompetenz & Sicherheit

Du bewegst dich auf einem Terrain, auf dem du dich kompetent und sicher fühlst: Das kann ich; das fühlt sich vertraut an; hier kenne ich mich aus; ich weiss, was ich mache; ich weiß, wie ich es mache; das macht mir Spaß.

Gerade in Krisen, die wie beschrieben durch Gefühle von Unsicherheit und Unfähigkeit gekennzeichnet sind, ist es hilfreich, bewusst mit all dem in Kontakt zu gehen. All diese vertrauten ICH BIN zu spüren. Dich selbst dabei zu erleben, wie du etwas machst, was du kannst und was du willst. Dann werden Begriffe wie Selbstwirksamkeit, Autonomie, Wahrhaftigkeit, Integrität etc. mit wirklichem Er-Leben und konkreter Erfahrung gefüllt.

Für Dünnhäuter, die sich tendenziell leicht verunsichern lassen und denen sich Krisen & Konflikte mit tausenden von fiesen Widerhaken in die Seele bohren, ist dies Gold wert.

Wenn es uns schlecht geht, machen wir oft weniger von dem, was uns gut tut. Das ist an für sich paradox, aber immer wieder zu beobachten. Aber das Neue, das jetzt bewältigt werden will, meistert sich besser von einem Boden aus, der sich vertraut anfühlt. Der Bereich ausserhalb deiner Komfortzone, der nun erobert werden will, braucht die Komfortzone als Basis.

2 Erinnerung an das, was dir wirklich gut tut

Zu den Krisen-Bewältigungs-Ratschlägen anderer (meist extravertierter) Menschen gehören beispielweise auch oft Tipps wie: Geh auf doch Reisen, ein Tapetenwechsel tut dir gut. Oder: Lass uns mal auf den Zwutsch gehen.

Das ist wahrscheinlich von Herzen gut gemeint – wichtig ist, dass du einschätzen kannst, ob dir das wirklich gut tut. Denn als introvertierter und/oder hochsensibler Mensch bringt es vielleicht mehr für dein Seelenheil, einfach Zuhause zu bleiben.

Es geht darum, dich selbst daran zu erinnern, was dir gut tut. Deine „ICH BIN ein blühender Balkonien-Fan“-Identität gibt  dir dann einen Hinweis, was dich stärkt.

  • Wenn du weisst, dass du eine Lerche bist, kannst du gerade in krisenhaften Zeiten dafür sorgen, dass dein Schlafrhythmus deinem Chronotyp entspricht.
  • Wenn du ein Salsa-Fan bist und ein Tanzabend dir so richtig schön den Kopf leerfegt: Hin da! Und zwar regelmässig. Gerade jetzt!
  • Wenn ein früher Zeichennachmittag im Wald oft einen Flow in dir ausgelöste: Schau mal, ob du da wieder anknüpfen kannst.

Die ICH BIN helfen dir, dir selbst gezielt etwas Gutes zu tun. Und nicht in einen wahllosen Aktionismus zu fallen und spontan ein sündhaft teures 10er-Abo für das Luxus-SPA zu kaufen – nur weil andere Menschen vorzugeben, auf diese Art und Weise zu entspannen.

Manchmal macht es auch Sinn, ein altes ICH BIN, das im Trubel des Alltags untergegangen ist, zu reaktivieren.

3 Ablenkung

Ja, der Klassiker. Nicht zu unterschätzen!

Ich bin viele. Die Krise ist eine.

Es ist sinnvoll, sich mehrere freudige ICH BIN-Identitäten zuzulegen und hingebungsvoll zu pflegen. Möglichst in verschiedenen Bereichen. Denn eine Krise kann identitätsübergreifend sein, also mehrere Identitäten betreffen. Das ist beispielsweise der Fall, wenn du einen Unfall hattest und deshalb deine Yoga-Sessions, deine Sauna-Nachmittage mit den Mädels wie auch die geliebten Foto-Spaziergänge in der Natur nicht mehr drin sind.

Verschiedene ICH BIN helfen dir, dass die Krise sich nicht dein gesamtes Dasein frisst und sich keine Nistplätze in Bereichen anlegt, in denen sie nichts zu suchen hat.

In diesem Sinne: Tu dir mal etwas Gutes! Egal, ob gerade in der Krise bist oder nicht.

2 Kommentare

  1. Liebe Frau Momo!
    Ein wunderbar treffender Text, zumindest mich trifft er mitten ins Herz! Und das an dem Tag, an dem ich meine alte Laufidentität wieder zum Leben erweckt habe und mich danach soooo gut gefühlt habe. Als wäre ich in meine zwei Jahre jüngere Silkehaut ohne Meniskusschaden geschlüpft. 😉
    Ich entdecke auch zum ersten Mal Deine Zeichnungen. Die sind ja zauberhaft!!!
    Viele liebe Grüße!
    Silke

    • Liebe Silke,

      so schön, deine Zeilen zu lesen! Wünsche dir eine genussvolle Zeiten mit deiner Laufidentität!

      Liebe Grüsse,

      Barbara

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