frau momos minimalismus

Unbezahlbar …. und bestärkend

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Die Geschichten, die uns vermeintlich unnütze Gegenstände erzählen

Gibt es einen Gegenstand in meiner Wohnung, der unnütz ist, im Sinne von überflüssig, und der zugleich doch unbezahlbar ist, weil es mir das Herz zerreißen würde, wenn er verlustig ginge?

Nein, den gibt es nicht. Weil, wenn es mir das Herz zerreißen würde, dann kann ich nicht davon sprechen, dass er überflüssig ist.

Die Dinge stehen nicht zufällig da, wo sie sind. Und sie erzählen Geschichten, die mir wichtig sind.

Der Stein in Herzform, den ich am Strand in Griechenland fand. Er ist unnütz in dem Sinne, dass ich ihn nicht gebrauche. Ich trage ihn lediglich in meinem Portemonnaie, sogar in der wenig beachteten Außentasche.

Doch jedes Mal, wenn ich ihn in den Händen halte, erinnert er mich an diesen Stand in Griechenland, an den ich ihn fand. Erinnert er mich an diesen Urlaub, in dem ich mich traute, weit in das Meer hinaus zu schwimmen … um eine Mole herum.

Ich erinnere mich genau an das Gefühl. Denn ich hatte echt Muffensausen. Und bin trotzdem geschwommen. Ich habe meine Angst einfach Angst sein lassen und bin die Strecke hinaus geschwommen, sogar mehrmals kreisend um die Mole herum und dann zurück. Das Gefühl danach war großartig. Ich fühlte mich wie befreit. Mein Herz, mein Brustkorb waren geweitet.

Diese Aktion hat mich gelehrt, dass ich das eine fühlen/denken und gleichzeitig etwas anderes tun kann. Diese Erinnerung ist Gold wert und hilft mir heute im Umgang mit schwierigen Situationen.

Vielleicht nehme ich den Stein eines Tages aus dem Portemonnaie heraus … aber jetzt habe ich ihn lieber drin.

Da ist die kleine Blume aus Holz. Unnütz, denn sie steht nur da, in meinem Bad. Aber auch hier ist es die Geschichte, die sie mir erzählt, die ich liebe.

Wie ich als Studentin in Potsdam in einem Geschäft stehe und eine gefühlte Ewigkeit  brauche, um mich zu entscheiden, ob ich einen Rucksack kaufe. Der Rucksack war wunderschön, knallig orange, stylisch, gut verarbeitet, mit mehreren Fächern und Taschen, gepolsterter Riemen. Ein Traum. Ein teurer Traum. Und mein Studentinnen-Budget war schmal.

Ich schätze heute, dass ich sage und schreibe eine Stunde unentschlossen in diesen Laden stand. Mein damaliger Freund, eigentlich ein Vertreter der langmütigen Gilde, war komplett genervt von meinem hin und her überlegen.

Irgendwann entschloss ich mich zum Kauf. Und weil ich so froh war, endlich einen Entschluss gefasst zu haben, packte ich die kleine Holzblume (für ca. 3 DM) noch oben drauf. Eine Impulshandlung, ein „Mini-Einkaufsrausch“ wenn man so will.

Der Rucksack war eine der besten Kaufentscheidungen, die ich je getroffen habe. Er wurde zu meinem treuen Begleiter, ich verschmolz förmlich mit ihm, ich hatte ihn ständig dabei, er erwies sich als äußerst praktisch und wie gemacht für meine Rucksack-Bedürfnisse. Oft wurde ich auf den Rucksack angesprochen, er gefiel nicht nur mir.

Heute sehe ich die Blume und denke an meine eigene Art und Weise, gute Kaufentscheidungen zu fällen, die vor allem eines braucht: Zeit. Das hat sich immer wieder bestätigt und die Blume macht mir Mut, dazu zu stehen und mir immer wieder diese Zeit zu nehmen. (Und den jeweiligen Partner lasse ich dann sicherheitshalber lieber Zuhause ;-).

Unnütz? Nein, beide Dinge nutzen mir heute. Sie bestärken mich. Natürlich könnte ich ohne sie leben. Aber sie bereichern mein Leben.

Dies ist ein Beitrag zur Blogparade unnütz & unbezahlbar“ von Minima Muse.

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