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Superbuch-Guide für unerschrockene Handschriftliche (Teil III)

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Symbole und Trennstriche

Beispiel Symbole und Trennstriche (Klicken zum Vergrößern)

Voilà, hier nun Teil III der Serie „Superbuch-Guide für unerschrockene Handschriftliche“:

Dem Superbuch eine Struktur geben und sich effektiv Notizen machen

Im Teil I habe ich die beiden grundsätzlichen Prinzipen eines Superbuchs beschrieben („Alles an einem Ort notieren“ und „Das Notierte durcharbeiten und organisieren„). Zudem bin ich der Frage nachgegangen, warum ein Superbuch auch in digitalen Zeiten ein sinnvolles Arbeitstool ist. Im Teil II ging es um die Anschaffungskriterien bei dem Kauf eines neuen Superbuchs.

Heute geht es um die Frage, wie man effektiv Einträge ins Superbuch vornimmt und diese strukturiert.

Um Ihr Notizbuch wirklich zu nutzen, müssen Sie anderen damit auf die Nerven gehen: während einer Mahlzeit, während eines Telefongesprächs, sogar im Bett. Denn Sie müssen sich angewöhnen, jederzeit Notizen zu machen. Selbst an den unpassendsten und ungeeignetsten Orten. Wehe, Sie erwischen einen Gedanken nicht sofort – am nächsten Morgen ist er weg, er hat sich in Luft aufgelöst. (Clif Sanderson)

Das ist eine schöne Überleitung zu der Frage, wie man effektiv Einträge in das Superbuch vornimmt. Denn es ist wirklich so: Wir vergessen Ideen, wenn wir sie nicht festhalten. Was wir anschließend aus unseren Impulsen, Eindrücken, Gedanken machen, ob sie sich realisieren lassen und ob wir sie umsetzen, – das steht dann auf einem ganz anderen Blatt. Aber zunächst gilt es, einfach alles erst einmal festzuhalten.

Zudem bekommen wir so den Kopf frei. „Mein Vorschlag ist, über die Dinge nachzudenken, statt an sie zu denken“ schreibt David Allen, der sich viel mit Selbstorganisation befasst hat. Darauf vertrauen zu können, dass man alles im Superbuch notiert hat – von der jährlichen Inspektion des Autos bis hin zu tollen Formulierungsideen für den neuen Blogbeitrag, das gibt ein unschlagbar gutes Gefühl.

Sich effektiv Notizen machen

Deshalb kommen hier die wichtigsten „Ideenerhaltungs“-Empfehlungen:

Leserlich schreiben. Das mag profan klingen. Doch spätestens wenn man einmal stundenlang über der eigenen Klaue … äh … Schrift brütet, weil man etwas, von dem man denkt dass es wichtig ist, nicht entziffern kann, dann weiß man, dass man komplett an der falschen Stelle gespart hat.

Neue Gedankengänge vollständig erfassen. Dazu können durchaus Symbole, Kürzel, Schlagwörter genutzt werden – wichtig ist, dass der Gedankengang inhaltlich komplett erfasst wird. Je neuer und ungewohnter der Gedankengang, desto vollständiger und ausführlicher die Notiz. Nur so stellen wir sicher, dass wir bei einer späteren Überarbeitung, wenn wir nicht mehr im Kontext der Situation sind, den Impuls gänzlich wieder verstehen.

Mittels Symbolen und Abkürzungen schnell notieren. Symbole und Abkürzungen lassen sich auch gut in den Rand schreiben, sofern man einen nutzt (dazu unten mehr). Wichtig ist, dass man durchgängig mit denselben Zeichen arbeitet.

Dabei geht es um ganz „klassische“ Symbole wie z.B.

  • + für Vorteil und – für Nachteil
  • Briefumschlag für „E-Mail schreiben“
  • Ausrufezeichen für „Wichtig!“
  • Fragezeichen für „Noch zu klären / Noch offen“
  • Haken für „Erledigt“

Bei Abkürzungen macht es natürlich Sinn, gängige Abkürzungen zu nutzen (z.B.; d.h.; ca.; etc.; ff.; s.o.; Mo Di Mi Do Fr Sa So; …).

ABER am meisten macht es Spass, eigene Abkürzungen und Symbole zu entwickeln oder einzusetzen – das gestaltet das Buch lebendig und gibt ihm noch eine individuellere Note. Smileys, Sonne, Gewitterpfeil, Wolken, Schwalben, Blumen, Kreise, Quadrate, Dreiecke, Kreuz, #, @, *, Pfeile, Nikolaushaus, Spirale, Tropfen, eigene Kreationen. Einfach für Wörter oder Begriffe, die man häufig benutzt, eigene Zeichen einsetzen.

Wer viel mit eigenen Abkürzungen oder Symbolen arbeitet, für den lohnt sich, ein eigenes Verzeichnis darüber anzulegen,- insbesondere wenn die Abkürzungen projektspezifisch sind. Wenn man das Superbuch ein paar Jahre später wieder einmal zur Hand nimmt, wird man dankbar dafür sein.

Vertraute Strukturen schaffen

Super ist die Struktur, die dich optimal stützt, dich nicht beherrscht und die dir fliessendes Arbeiten ermöglicht. Um zu wissen, was am besten für dich arbeitet, ist Ausprobieren angesagt.

Du kannst einfach anfangen, die ersten Einträge zu machen: Zum Beispiel eine To-Do-Liste für den nächsten Tag; Ideen für eine Präsentation zu dem 70. des Grossvaters; ein Stichwort, zu dem man weitere Informationen im Netz suchen will. Was immer du auch notierst, in jedem Fall sind Trennstriche von Vorteil:

Trennstriche

Nach jedem Eintrag einen Strich oder Doppelstrich ziehen oder ihn anders von anderen Einträgen trennen (z.B. mittels „einwolken“, ein Kästchen drum herum ziehen). Es gibt auch Menschen, die ziehen mit dem Lineal eine gerade Linie. Alles geht, der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt – wichtig ist nur, dass man sieht, wo ein Gedankengang/Thema aufhört.

Trennstriche ermöglichen ein zügiges Durcharbeiten des Notierten, da man bereits erledigte Einträge von den noch nicht erledigten Einträgen gut kennzeichenn kann.

Eintrag datieren

Wichtig für das Wiederauffinden von Einträgen oder eine spätere zeitliche Zuordnung ist das Datieren. (Darin bin ich persönlich nicht so gut und habe mich dafür schon so manches Mal verflucht – weil das Datum wirklich ein gutes Kriterium zum Wiederfinden von Informationen ist).

Weitere Möglichkeiten, das Superbuch zu strukturieren:

Einen Rand ziehen

Ein Rand strukturiert des Blatt von vorn herein. Er wird genutzt, um Symbole und andere Orientierung gebende Informationen einzutragen, wie z.B. das Datum, ein Schlagwort, Querverweis oder einen Hacken für „erledigt“.

Wer gerne sowohl mit als auch ohne Rand arbeitet, kann z.B. auf der rechten Seite immer einen Rand ziehen und auf der linken Seite das Blatt leer lassen. Damit könnte man auf der rechten Seite Platz für Geschriebenes lassen und die linke Seite stünde für Zeichnungen, Skizzen, Mindmaps, etc. zur Verfügung.

Die Seiten durchnummerieren und Inhaltsverzeichnis anlegen

Das macht vor allem Sinn, wenn das Superbuch zur strukturierten Informationserfassung genutzt wird und Informationen schnell wiedergefunden werden sollen (z.B. in Meetings).

Vorne, am Anfang des Superbuchs lässt man ein paar Seiten frei für das Inhaltsverzeichnis. Dann fängt man mit der Nummerierung der Seiten an. Man kann die Seitenzahlen oben rechts oder unten rechts setzen – ich finde oben rechts hilfreicher (auf der linken Blattseite analog auf der linken Seite). Nach jedem Eintrag in das Superbuch führt man das Inhaltsverzeichnis nach. (Dies ist natürlich nur etwas für geborene Reinschrift-Typen ;-))

Mit unterschiedlichen Schriftfarben arbeiten / farbliche Codierung von Einträgen vornehmen

Ein weiterer Tipp, um Informationen schneller wieder zu finden: Die Arbeit mit unterschiedlichen Schriftfarben oder farblichen Codieren von Einträgen (mit Leuchtmarker/Buntstift/Filzstift den Eintrag am Rand anstreichen oder ihn schraffieren). Beim Filofax kann man an dieser Stelle mit unterschiedlichen Blattfarben arbeiten. Allerdings muss man dann seine Schriftfarben immer parat haben und an den Wechsel denken.

Schlagworte zuweisen

Wer viele Projekte am laufen hat (mehrere Blogs führt / mehrere Studienfächer hat / verschiedene Blogkategorien füllen will), kann sich eine Art Kurzreferenz für jedes Projekt ausdenken. Das ist gerade bei Ideen, die einem mal so zwischendurch kommen und die man schnell notieren will, extrem hilfreich. Schlagwort – Notitz – Trennstrich. Fertig. Gerade wenn man das Superbuch nach längerer Zeit wieder in die Hand nimmt, ist man dann für ein Schlagwortverzeichnis ziemlich dankbar.

Ganze Seiten vergeben resp. frei lassen / Themenseiten anlegen

Und, last but not least: Wenn man Informationen zu einem Projekt sammeln oder eine Liste anfangen will, legt man eine eigene Seite dazu im Superbuch an. Das Funktioniert nach dem Einkaufslisten-Prinzip: Man schreibt Einkaufsliste oben drüber und ergänzt diese Liste immer, wenn einem dazu etwas in den Sinn kommt.

 

Das sind jetzt viele Vorschläge und Möglichkeiten. Und es lohnt sich, sich mit diesen auseinanderzusetzen und zu schauen, was gut für einen arbeitet. Sobald man sich angewöhnt hat, 1. alles zu erfassen und 2. mit einer vertrauten, effizienten Struktur zu arbeiten, wird der nächste Schritt um so einfacher: das Durcharbeiten des Notierten. Darum geht es dann im Teil IV der Serie.

 

11 Kommentare

  1. Hallo!

    Für mich ist es total wichtig, immer das Datum dazu zu schreiben, das erleichtert das Auffinden ganz ungemein.

    Wenn ich einen Termin habe oder einen Vortrag besuche, wo ich etwas notiere, dann schreibe ich auch immer eine Überschrift dazu.

    Ich liebe „superbuch“ Eine tolle Idee, darüber eine Serie zu schreiben!

    lg
    Maria

    • Hallo Maria

      Ja, natürlich, die Überschrift! Das ist für mich irgendwie so selbstverständlich, dass ich ich vergaß, es zu schreiben. Bei Sitzungen, Seminaren, Besprechungen, Listen, … überall kommt eine Überschrift drüber.

      Danke für deine Ergänzung.

      LG Frau Momo

  2. Das mit dem Datum ist eine sehr gute Idee, die ich mir tatsächlich mal angewöhnen sollte. 🙂 Vielen Dank für die Serie! Ich freue mich schon auf Teil IV!

    Lieber Gruß,
    Philipp

  3. Vielen lieben Dank für diese tolle Serie – ich recherchiere bestimmt seid 2 Wochen nach für mich besser passenden Organisationsmethoden, hab auch über Superbuch viel gelesen und dein Beitrag dazu ist echt SuperCool und hat mir so Bock gemacht dass ich heute mein erstes Superbuch angelegt hab 🙂

    • Hallo Tina

      Super, das freut mich total. Nach wie vor … ich kann es gar nicht oft genug schreiben … ist das Superbuch für mich die Selbstorganisationsmethode schlechthin. Vielleicht magst du irgendwann berichten, wie es dir mit deinem Superbuch ergeht.

      Herzlich, Frau Momo

  4. Hallo Frau Momo,

    das ist ein super toller Beitrag, der mir sehr hilft mein erstes Superbuch überhaupt anzulegen. VIELEN DANK😃 Ich bin zwar erst in der zweiten Woche, habe jedoch das Gefühl, dass das System endlich bei mir funktioniert😊

    Nun suche ich wie wild den Link zu Teil VI!???… oder ist der noch in Arbeit?

    Herzliche und erwartungsvolle Grüße
    Pefi

    • Teil IV…. ups😶

    • Liebe Pefi,

      hab‘ Dank für das Nachfragen! Ich habe nun alle Teile der Superbuch-Serie miteinander verlinkt. Es gibt insgesamt vier Teile und Teil IV findest du hier.

      Viel Spass mit deinem Superbuch!

      Herzlich, die Frau Momo

      • Ein ganz ❤️liches Dankeschön dafür🤗 Deine Informationen zum Superbuch sind absolut klasse und sehr sehr hilfreich👍 Und zudem auch noch auf Deutsch😉 Ich freue mich wirklich sehr, dass ich bei meiner umfangreichen Recherche auf deine Seite gestoßen bin😃. Und mir scheint, dass ich hier noch viele andere tolle Tipps entdecken werde☺️ Danke!!!

        Herzliche Grüße
        Pefi

        • Liebe Pefi,

          das freut mich ausserordentlich!!

          Es stimmt, es gibt nicht viel Literatur und auch nur wenig Beiträge über das Führen eines Superbuches. Die Bücher von David Allen („Wie ich die Dinge geregelt kriege“ sowie „So kriege ich alles in den Griff“) kommen den Prinzipen des Superbuches nahe, sowie auch das daraus abgewandelte Prinzip „Zen to Done“ von Loe Babauta.

          Viel Spass beim Stöbern auf meinem Blog!

          Herzlich, Barbara

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