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Gelesen: „Praktische Selbst-Empathie“ von Gerlinde Fritsch

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Das Buch von Praktische Selbst-Empathie – Herausfinden, was man fühlt und braucht – Gewaltfrei mit sich selbst umgehen ist 2008 im Jungfermann Verlag erschienen, umfasst 154 Seiten (= ungefähr fingerdick), ist broschiert und kostet ca. 18.00 Euro.

Der von Gerlinde Fritsch beschriebene Ansatz zur Selbst-Empathie basiert auf dem Konzept der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall Rosenberg.

Gewaltfrei mit sich selbst umgehen, das heisst hier vor allem, die eigenen Gefühle und Bedürfnisse nicht (länger) zu ignorieren und wirksame Wege zu finden, seine Bedürfnisse zu erfüllen.

Dazu werden zunächst die vier Schritte der Gewaltfreien Kommunikation dargestellt:

  1. Beschreibung der auslösenden Situation: Was ist passiert? Welche Beobachtung habe ich gemacht?
  2. Welche Gefühle löst das Geschehen in mir aus?
  3. Auf welche Bedürfnisse weisen diese Gefühle hin?
  4. Welche Strategien und welche Bitten an Mitmenschen gibt es, um in ein bedürfnisorientiertes Handeln zu kommen?

Diese einzelnen Schritte werden schliesslich zu einem Selbst-Empathie-Prozess zusammengefügt. Schwerpunkt des Buches liegt dabei auf der differenzierteren Wahrnehmung und des sprachlich präzisen Ausdrucks von Gefühlen und Bedürfnissen sowie einer ausführlichen Strategien-Ideenbörse.

Das Buch besticht durch klare Definitionen, viele Aufzählungen, praktische Beispiele und optische Hervorhebungen. Es gibt verhältnismässig wenig Fliesstext. Liebhaber von Bleiwüsten kommen definitiv nicht auf ihre Kosten. Der Inhalt wird strukturiert wiedergegeben, die Sprache ist verständlich.

Gerade durch diese kompakte Darstellung des Inhalts und durch den grosszügigen Gebrauch von Listen, Tabellen und Abläufen wird ein mitunter recht technisch anmutender Ablauf der Selbst-Empathie vermittelt. Das, was für mich die „Seele von Empathieprozessen“ ausmacht, das Zulassen, Wahrnehmen und (im positivsten Sinne) Aus-Halten von unangenehmen Gefühlen sowie das Spüren von Bedüfnissen, finde ich in diesem Buch nur ansatzweise wieder.

Selbst-Empathie ist in meinem Verständnis in allererste Linie eine innere Haltung, eine bestimmte Beziehungsqualität mir selbst gegenüber. Es ist die Frage, ob ich mir selbst frei Selbstverurteilung und mit echter Offenheit sowie Neugier zuhören kann.

Ich bin mir unsicher, ob die in diesem Buch gemachten Ausführungen reichen, um diese Qualität von Selbstverbundenheit zu ermöglichen. Deshalb eignet sich das Buch aus meiner Sicht besonders für Menschen, die bereits Erfahrung mit den Empathieprozessen der Gewaltfreien Kommunikation haben und diese in Eigenregie vertiefen/anwenden wollen. Hier können die zahlreichen Listen, Tabellen und Aufzählungen zu Pseudo-Gefühlen, Gefühlen, Bedürfnissen, Strategien und vielem mehr, ein solides und einfach handhabbares Nachschlagewerk bilden.

2 Kommentare

  1. Danke für’s Vorstellens des Buches 🙂
    Selbstempathie zu stärken auf Grundlage der gewaltfreien Kommunikation, klingt für mich zwar im ersten Moment sehr gut, aber schade, dass es doch recht mechanisch bleibt.

    • Selbstempathie mittels GFK ist sehr bereichernd! Und alles andere als ein mechanischer Prozess.

      Leider wirkt die GFK mit ihrem Schritte-Modell und den Gefühls- sowie Bedürfnislisten auf andere Menschen zunächst holprig und sperrig. Das höre ich immer wieder und leider gibt es auch immer wieder Trainer, die die GFK als Schritte-Modell unterrichten. Ich glaube, es ist wichtig zunächst ein Gespür für die GFK zu bekommen. Das klappt am besten über ein Seminar oder auch über andere Bücher, die eher die Intention der GFK in den Mittelpunkt stellen. Wenn man dann quasi begriffen hat, worum es eigentlich geht, können Listen und Abläufe eine wertvolle Unterstützung sein.

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