frau momos minimalismus

Quo vadis, maximalistische Minimalistin?

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Wie ich über meinen eigenen Anspruch stolperte, innehielt und mich nun wieder auf den Weg mache …

Wenn Minimalismus maximalistisch wird

Ich arbeite seit längerer Zeit an einem bestimmten Beitrag für diesen Blog, den ich ja „Frau Momos Minimalismus“ getauft habe, mit „Das Leben erleichtern und bereichern“ im Untertitel.

Irgendwann merkte ich, dass ich weder den Beitrag an sich noch meine Arbeit an diesem Beitrag als minimalistisch, erleichternd und bereichernd empfand. Zu ausführlich, zu detailliert, zu umständlich & kompliziert, zu viel Zeit, zu viel Mühe, zu viel Anstrengung. Ganz schön maximalistisch, was ich da veranstaltete.

Ich stolperte sozusagen über meinen eigenen Anspruch. Ich hielt inne. Bis heute habe ich an diesem Beitrag nicht weiter gearbeitet.

Entweder man lebt, oder man ist konsequent (Erich Kästner)

Während es Innehaltens sagte ich mir, dass dies halt die Crux ist, wenn man einen programmatischen Anspruch mit seinem Blog oder gar mit einem Business verbindet. Man kommt vielleicht gar nicht darum herum, dass man seinem eigenen Dämonen begegnet, seiner eigenen Inkonsequenz.

Die Frage ist vielmehr: Wie geht man damit um?

Was macht ein Glücks-Coach, wenn er merkt, dass er auch über eine längere Wegstrecke hinweg nicht so glücklich ist? Was macht ein Sichtbarkeits-Coach, der sich ein paar Tage lang am liebsten die Bettdecke über den Kopf ziehen würde und Schwierigkeiten hat, sich zu zeigen? Was macht der Downgrade-Guru, der mal eben ein luxuriöses Update macht? Was macht ein Vegetarier, der einmal seiner Lust nach einem Chili con Carne nachgibt?

Zeigt man sich damit – und, sofern ein Business dran hängt, auch vor Kunden?

Wenn wir unsere Schattenseiten verdrängen, verdrängen wir auch das Licht (Brené Brown)

Ich bin überzeugt, dass es „richtig & wichtig“ ist, sich als unvollkommenen Menschen zu erkennen zu geben. 

Zum einem wird man seiner eigenen Authentizität gerecht. Zum anderen heizt man nicht noch den „Perfektionismus“-Hype an, der in der Welt so bedenkliche Ausmasse angenommen hat. 

Eine Krise ist ein produktiver Zustand (Max Frisch)

In den letzten Tagen kam eine neue Energie bezüglich des Beitrages in mir zum Leben: Ich spüre die Lust in mir, einen Weg zu finden, wie ich diesen Beitrag auf den Weg bringe und zugleich meinem Anspruch gerecht werde, es einfach einfach zu machen.

Ich bin gespannt, wohin mich dieser Weg führt.

Quo vadis, maximalistische Minimalistin?

Wie geht es dir damit, wenn du merkst, dass du deinem eigenen Anspruch oder Prinzipien nicht gerecht wirst? Magst du das zeigen oder hältst du das lieber geheim?

4 Kommentare

  1. Ein spannendes Thema! Ich habe mich jahrelang damit rumgestresst, möglichst perfekt sein zu wollen. Inzwischen ist mir eine solche Haltung komplett egal. Und den Gedanken, den Minimalismus zu minimalisieren, indem ich Ansprüche mal runter schraube, finde ich sehr faszinierend. Irgendwo habe ich mal gelesen: optimal, nicht maximal. Das finde ich eine gute Orientierung.

    Natürlich passt ein vollgestopftes Zuhause nicht wirklich zu Minimalismus. Aber es ist die Frage, wo die Grenze ist: Wo fange ich an, den nicht-vorhandenen-Dingen bzw. zu reduzierenden Dingen zuviel Aufmerksamkeit zu schenken? Was will ich mit dem Minimalismus eigentlich erreichen? Wozu das Ganze? Und spätestens, wenn Minimalismus zum Selbstzweck wird und Vorteile, wie mehr Zeit, Unabhängigkeit, Freiheit, etc. in den Hintergrund geraten, wird es schräg und unstimmig für mich.

    • Den Minimalismus zu minimalisieren … das lässt meine Gehirnzellen gerade hüpfen … denn minimalisierter Minimalismus ist das Maximalismus oder Mikromalismus?

      Danke für deinen Kommentar, Gabi.

  2. Bisher habe ich Minimalismus immer im Kontext des Materiellen verstanden. Dass es jedoch weitere Bedeutungsebenen gibt, das habe ich jetzt erst durch diesen Beitrag gelernt. Vielen Dank.

    Wie so vieles im Leben ist es nicht leicht, zwischen denjenigen Situationen zu unterscheiden, wo man sich selbst durch eigene Ansprüche im Weg steht, oder wo man über den Standard hinaus geht, was natürlich auch beschwerlich sein kann, aber deswegen nicht negativ zu verstehen ist.

    • Oh, man kann sich in vielen nicht-materiellen Bereichen mit „minimalistischen“ Fragen auseinandersetzen.

      Ein Beispiel von vielen möglichen: Sich fragen „Wo wäre weniger mehr?“ und unter diesem Aspekt seine Beziehungen durchleuchten, das Freizeitverhalten (inkl. Tätigkeiten in Ehrenämtern oder für Organisationen aller Art), seine Art und Weise zu denken und zu arbeiten ….

      Herzlich, die Frau Momo

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