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Plastikfreies Bad: Mehr als nur das Weglassen von Plastik

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Aleppo-Seife von innen

Aleppo-Seife von innen

Aleppo & Co. bringen frischen Wind ins Bad … und in meinen Kopf

Anfang Juli berichte ich von meiner Plastikmüll-Krise. In den darauffolgenden Tagen suche ich mir den Bereich aus, in dem ich mit der „Step-by-Step-Entplastifizierung“ meines Lebens beginne: Mein Badezimmer.

Ich bin zunächst überzeugt, mir den einfachsten Einstieg in ein plastikreduziertes Leben ausgesucht zu haben. Ehrfurchtsvoll schiele ich auf die Bloggerinnen, in deren Küchen fast kein Plastik mehr vorkommt – denn das plastikfreie Einkaufen von Lebensmitteln stelle ich mir doch als eine ziemliche Herausforderung vor. Ich verschiebe sie deshalb vorsichtshalber auf später. 

Plastikfreies Bad heißt oft: anderes Hygiene- und Pflegekonzept

Anfangs merke ich rasch, dass ich den Plastikverbrauch in meinem Badezimmer schnell und effektiv reduzieren kann. Das beschwingt!

Doch die Körperpflege-Produkte, die ich kaufe, weil sie nicht in Plastik verpackt sind, wie z.B. Seife im Karton, Hautöl und Mundwasser in der Glasflasche, Zahnpasta in der Metalltube, bestehen oft aus anderen Inhaltsstoffen und stellen so mein ganzes bisheriges Pflege- und Hygienekonzept infrage.

Ich merke, dass ich meine bisherigen Produkte nicht einfach so ersetzen kann, dass es nicht nur um die Frage einer plastikfreien Verpackung geht. Ein Produkt ist nicht zu trennen seinen Inhalten, von der Art und Weise seiner Produktion, seiner Verpackung und dem Vertriebsweg. Da bekommt die Worthülse „Ganzheitliches Produktkonzept“ erfahrbaren Inhalt!

Beispiel Aleppo-Seife als Duschgel-Ersatz

Bisher wählte ich Duschgel, das pH-hautneutral und für sensible Haut geeignet ist. So ein Duschgel finde ich aber nur in Plastikflaschen.

Meine Duschgel-Marke wird auch als „Waschstück“ im Karton angeboten. (Schon das Wort ist irgendwie interessant: Waschstück). Bereits sensibilisiert für das Thema studiere ich die Inhaltsstoffe:

 „Disodium Lauryl Sulfosuccinate, Sodium Coco Sulfate Triticum Vulgare (Wheat) Starch, Cetaryl Alcohol, Hydrogenated Palm Glycerides, Lauryl PCA, Glyceryl Stearate, Titanium Dioxide, Aqua, Citric Acid, Parfum, Oryza Sativa Bran Oil, Panthenol, Benzyl Alcohol, Limonene“

Will ich mich wirklich mit etwas waschen, was ich auf Anhieb nicht verstehe?

Ich begebe mich also auf die Suche nach Alternativen. Da ich kein DIY-Mensch bin, scheidet die Eigenproduktion von Duschgel à la bartzwirbelnden Jean Pütz für mich erst einmal aus.

Bleibt die klassische Seife. Ich kaufe auf einen Blogartikel hin Aleppo-Seife:

 „Die Seifen dürfen nur so heißen, wenn sie aus Aleppo (Syrien) kommen, und bestehen fast ausschließlich aus Oliven- und Lorbeeröl. Auf künstliche Zusatzstoffe oder sonstige Chemie wird verzichtet. Die Seifen werden heute immer noch so wie im 8. Jahrhundert nach Familientradition hergestellt, sind rein pflanzlich (vegan), tierversuchsfrei und zu 100% biologisch abbaubar.“ Quelle: http://disposable-society.de/alepposeife/

Aleppo-Seife reinigt basisch, also anders als meine bisherige Pflege. Ich beginne mich zu fragen und zu beobachten: Was heißt eigentlich basische Pflege? Wie fühlt es sich an, wenn ich diese Seife gebrauche? Wie reagiert meine Haut?

Auch Fehlschläge gehören dazu

Ich probiere weitere Dinge aus, wie zum Beispiel meine Haare mit Aleppo-Seife zu waschen. Völliger Fehlschlag. Meine Haare verseifen aufgrund des extrem kalkhaltigen Wassers, das bei mir aus der Leitung kommt, trotz „Saurer Rinse“, einer Spülung mit Apfelessig zum Abschluss. Ich kehre (vorerst) zu meinem gewohnten Shampoo in Plastikverpackung zurück.

Meine Haut – ich entdecke ein Organ neu

Während diesem ganzen Prozess verändert sich meine Einstellung zu meiner Haut. Mir wird immer bewusster: Die Haut ist ein lebendiges, atmendes Organ, das in aktiver Wechselwirkung mit den Stoffen steht, mit der sie in Berührung kommt. (Dieses Prinzip machen sich ja Nikotin- oder Schmerzpflaster zu eigen.)

Es ist nicht egal, was wir uns unter die Achseln sprühen oder auf die Haut schmieren. Dies alles dringt in den Köper ein, löst chemische Reaktionen aus. Mit Grauen denke ich an die langen, kryptischen Inhaltslisten von Bodylotions in Plastikverpackungen, die ich ebenso wenig verstehe wie die des „Waschstücks“. Aber ich muss sie auch nicht mehr verstehen, sie sind aus meinem Badezimmer verschwunden.

Frau Momos Guide für das plastikfreie Badezimmer

Wer damit liebäugelt, ein plastikfreies Bad zu realisieren:

  • Sei darauf gefasst, dass es vieler deiner gewohnten Körperpflegeprodukte nicht in plastikfrei gibt und du deine Körperhygiene grundsätzlich neu gestalten und erfahren kannst.
  • Deshalb gehe am besten Schritt für Schritt vor, nimm’ dir ein Produkt nach dem anderen vor – vor allem auch, weil die Haut Zeit braucht, um sich an neue Reinigungs- und Pflegeprodukte zu gewöhnen bzw. auf sie zu reagieren.
  • Geduld & Experimentierfreude sind deine Freunde in dieser Umstellungszeit. Wenn etwas nicht klappt, das Projekt nicht einfach in die Tonne treten. Nimm’ es als Information deines Körpers. Und suche, probiere weiter.
  • Das Internet ist eine wahre Fundgrube an Blogs von Menschen, die schon sehr viele plastikfreie Produkte getestet haben und ihr Wissen & ihre Erfahrungen grosszügig teilen. Mach dich schlau und lass dich inspirieren.

13 Kommentare

  1. Liebe Frau Momo,

    vielen Dank für deinen Artikel, der mich an zwei Dinge erinnert hat:

    1. Wie weit sadfsh und ich einerseits schon in Sachen plastikfrei gekommen sind und was für ein langer Weg trotzdem noch vor uns liegt. Gerade bei Shampoo steht zum Beispiel demnächst ein ausgiebiger Test mit Haarseifen bei uns an. Sadfsh nutzt schon länger die Shampoobars von Lush, allerdings sind die Inhaltsstoffe da nicht unbedingt super. Ich bin nach einigem Rumprobieren wieder bei einem Shampoo in Plastikflasche aus dem Naturkosmetikbereich gelandet.
    2. Wir müssen dringend mal auf unserem Blog einen aktualisierten Beitrag zum Plastik im Badezimmer und in der Küche veröffentlichen, denn unser letzter Eintrag zu dem Thema ist schon über ein Jahr alt.

    Liebe Grüße, Svenja/Apfelmädchen

    • Liebes Apfelmädchen

      Freue mich darauf, eure Testberichte in Sachen Haarseife eines Tages zu lesen! Ist ein grosses Thema wie mir scheint.

      Lush löst immer recht zwiespältige Gefühle in mir aus. Ich empfinde Laden & Produkte als zu rosa glitzernd & zu geruchsintensiv. Haben die denn echte Shampoobars, d.h. keine Haar-SEIFE?

      Übrigens: Mich täte auch ein Blick in euren plastikfreien Putzschrank interessieren. :o)

      Liebe Grüsse, Frau Momo

  2. Ich möchte demnächst ein Solidshampoo ausprobieren, das sind feste Shampoos, aber eben keine Seife. Ich habe mir eins bei der Naturseifen Manufaktur Uckermark (http://www.naturseifen-manufaktur.de/) bestellt.
    Mein Shampoo ist nocht nicht da, kann daher keine Erfahrungswerte nennen… .

    Versuchen Plastikfrei zu leben ist irgendwie wirklich ein Abenteuer! 🙂

    • Hallo Annika

      Danke für diesen Hinweis und die Verlinkung! Wow, die Solidshampoos sehen super ansprechend aus … fast lecker. Würde mich sehr freuen & interessieren, von deinen Erfahrungen zu lesen!

      Und ja, den Plastikverbrauch zu reduzieren ist eine spannende Reise!

      Liebe Grüsse, Frau Momo

      • Annika hat mir nun eine E-Mail mit ihren Erfahrungen zu Solidshampoos zugesendet, die ich mit ihrem Einverständnis hier veröffentliche:

        Liebe Frau Momo,

        ich hatte ja mal einen deiner Plastikfrei-Posts kommentiert und dort auf diese Solidshampoos hingeweisen. Hier folgt mein Erfahrungsbericht, es dauerte etwas: Umzug und so weiter.

        Ich benutze das Aloe-Vera-Solidshampoo der Seifenmanufaktur Uckermark jetzt seit fast 1 1/2 Monaten. Die Shampoos riechen angenehm, aber nicht aufdringlich. Obwohl das Lavendel-Shampoo seinen Duft durch den Postkarton hindurch im Zimmer verbreitet hat. Aber eben angenehm und nicht so aufdringlich wie beispielsweise der Lavendel-Weichspüler meiner ehemaligen Nachbarn (haben sie gewaschen und getrocknet – vorzugsweise im Trockner – stank das ganze Hause nach dem Zeug). Direkt nach dem Waschen fühlen sich die Haare etwas seltsam an, aber sind sie trocken glänzen sie schön. Das Shampoo richtig zu dosieren übe ich noch. Entweder habe ich Schaumberge auf dem Kopf oder keine…. .

        Im großen und ganzen bin ich ganz zu zufrieden mit den Solidshampoos. Allerdings zebröseln das Shampoo bei mir auch leicht bzw. weicht leicht auf. Damit aber kann ich leben, ich würde aber trotzdem noch andere ausprobieren wollen.

        Viele liebe Grüße

        Annika

        Liebe Annika

        Vielen Dank für deinen Bericht!

        Die Erfahrung, dass die Shampoos trocken stärker riechen, als wenn man sie anwendet, habe ich auch mit den Barren von Lush gemacht. Und ja, sie brauchen eine Unterlage/Ablage, bei der sie gut abtropfen können, sonst werden sie bröselig bzw. weichen auf.

        Ich plane mit einer Freundin demnächst einmal eine Gemeinschaftsbestellung bei der Seifenmanufaktur Uckermark … ich bin gespannt!

        Herzlich, die Frau Momo

  3. Ich habe den größten Respekt vor dem Badezimmer! Ich persönlich fand es einfacher alles in der Küche zu verändern als im Bad.

    Habe Deinen Betrag mit einigen eigenen Gedanken bei mir rebloggt https://wwwfundstuecke.wordpress.com/2014/09/06/plastikfreies-bad-mehr-als-nur-das-weglassen-von-plastik/

    Vielen Dank für Deinen tollen Beitrag!

    lg
    Maria

    • Hallo Maria

      Echt?! Die Küche zu „entplastifizieren“ soll einfacher sein als das Badezimmer? So unterschiedlich sind die Wahrnehmungen! Interessant!

      Wenn ich mitbekomme, was ich so an Plastik-Lebensmittelverpackungen aus dem Supermarkt nach Hause schleppe, dann scheint mir die plastikfreie Küche ein viel grösseres Projekt zu sein. We will see … ich werde beizeiten berichten. Nun ist aber erst einmal der Putzschrank dran …

      Ich war übrigens tief beeindruckt von deinem „Abschlussbild“ der plastic free july-challenge! So wenig Müll!

      Liebe Grüsse, Frau Momo

  4. Hallo Frau Momo,

    im Bad war’s schwieriger, weil ich da genau meine Produkte finden musste. Und mehrere Versuche hatte. Nach 2 veganen Shampoos und 2 Öko-Seifen, dich ich auslagern musste wegen dem fürchterlichen Duft, fand ich meine 2 passenden Seifen.

    In der Küche waren es 3 Hauruck-Aktionen. Ich hatte einfach nicht viel aus Plastik, weil ich es schon immer hässlich fand. Wenn man dann Dinge aus Edelstahl kauft, geht das nur langsam, weil es auch teuer ist. Einen Messbecher aus Glas hab ich immer noch nicht. Vieles hab ich einfach nicht ersetzt, weil es mir nicht fehlt.

    Liebe Grüße – Tanja

    • Hallo Tanja

      Ja, ich verstehe. Es ist halt ein Prozess, bei dem man auch „Fehlschläge“ hinnehmen und dennoch weitersuchen muss. In diesem bin ich gerade voll drin – in Sachen plastikfreies Shampoo für meine Haare. Werde bald berichten.

      Ich bin gespannt, wie mein Küchenprojekt wird, weiterführende Gedanken wie ich das Ganze angehen werde, habe ich mir noch nicht gemacht.

      Liebe Grüsse, Frau Momo

  5. hallo ihr lieben
    da ihr schon erfahrungen mit plastikfreien leben oder plastikreduziertem leben habt, hoffe ich, ihr könnt mir ein bisschen weiterhelfen mit tipps.
    ich möchte so einiges in unserem haushalt verändern und plastik reduzieren. hab auch gestern das neuerschienene buch „besser leben ohne plastik“ von anneliese bunk gelesen. faszinierend! leider ist es bezüglich einkaufen nur auf deutschland ausgerichtet. habt ihr infos, listen etc. wo man in der schweiz plastikfreien food usw. bekommt.

    liebe grüsse

    franziska

    • Liebe Franziska

      Leider muss ich passen. Soweit ich informiert bin, gibt es keine Unverpackt-Läden in der Schweiz.

      Auf Wasteland Rebel findest du generell viele Tipps zur Müllvermeidung und vielleicht berichtet das Blog darüber, sobald ein solcher Laden in der Schweiz eröffnet.

      Bei Zerowastehome gibt es eine App, die das Auffinden von plastik- und müllreduzierenden Läden erleichtern will. Diese wird gerade überarbeitet.

      Auf Facebook gibt es eine große deutschsprachige Gruppe „Plastikfrei leben Tipps & Tricks“ – vielleicht können Gruppenmitglieder dir weiter helfen.

      Ansonsten fallen mir nur die altbekannten, klassischen Methoden ein: Mit Stofftaschen auf dem Wochenmarkt einkaufen gehen, generell so oft es geht lose Ware kaufen, Wegwerfartikel meiden (z.B. Plastikwasserflaschen), nur noch eine Art Reiniger kaufen (Essigreiniger), Fastfood meiden, etc.

      Und natürlich gibt es noch meine Tabelle: „Das plastikreduzierte Bad“.

      Herzlich,

      Barbara

      • Hallo Barbara

        Vielen Dank für deine ausführliche Antwort und den interessanten Links. Werde mich informieren. Alles Gute für dich

        Grüsse, Franziska

  6. hallo zusammen,

    es stimmt schon, wenn man/frau es ohne plastik will, muss man/frau auf andere produkte umsteigen. das ist ja aber nichts schlimmes. es erfordert nur ein wenig hirn einschalten und umdenken. ich habe gerade auch das ganze haus zum beispiel mit einem selbst gemixten reiniger aus kernseife, soda und orangenöl geputzt, es hat besser geputzt als sonst und ich spare gleich mehrere verschiedene überflüssige in plastik verpackte produkte. so ist es auch im bad. seit ich seife selbst herstelle, brauche ich nicht nur kein duschgel mehr, sondern auch keine gesichtscreme oder bodylotion, weil kalt gerührte seife überfettet ist und die haut gar nicht erst so austrocknet, dass ein eincremeverlangen entsteht. insofern ist es richtig, auf andere sachen umzusteigen, grade weil das am ende noch mehr unnützes plastik spart.

    viele grüße aus der schweiz
    wolfgang

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