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Meine Erfahrungen mit Alphatraining

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Entspannungsexperimente

Januar 2015: Dank einem Buch von Thomas Hohensee entdecke ich, dass ich durch eine einfache Atemtechnik die Entspannungsreaktion auslösen kann. Ich schreibe darüber diesen Artikel und übe wie eine Weltmeisterin: Während Busfahrten, in der S-Bahn, beim Wandern, Zuhause auf dem Sofa, sogar unter der Dusche – ich finde es immer wieder faszinierend, wie ich bewusst und willkürlich die Entspannungsreaktion auslösen kann. Gerne bringe ich mich damit auch zum „Wegdruseln“, wie ich es nenne, in jenem angenehmen, bilderintensiven Zustand zwischen Schlaf und Wachsein.

Also schnappe ich mir das nächste Buch von Thomas Hohensee: „Entspannt wie ein Buddha“. Bereits das erste Kapitel hat es ganz schön in sich. Thomas Hohensee beschreibt dort die Zusammenhänge zischen Aufmerksamkeit, Fokussierung und Stress und beruft sich dabei auf den Biofeedback-Forscher Les Fehmi: „Les Fehmi hat heraus gefunden, dass es zu einer Belastung von Körper und Geist wird, wenn wir in übertriebener und dadurch gestresster Weise konzentriert sind.“¹

Ich bin wie elektrisiert. Denn in übertriebener Weise konzentriert, das kenne ich gut. Auf der einen Seite war meine Konzentrationsfähigkeit von je her ein klarer Pluspunkt. Ich kann mich über sehr lange Zeit in hochkomplexe Sachverhalte vertiefen und alles super sauber fein und höchst detailliert aufbereiten.

Aber das geht mit recht viel Anstrengung einher, ich reagiere vor allem gereizt auf Unterbrechungen aller Art und werde (zum Leidwesen meiner Umwelt) ziemlich unfreundlich & unwirsch. Stärken von mir, wie z.B. Empathie oder Geduld, kippen ins Gegenteil.

Und jetzt lerne ich, warum das so ist: „Die Art der Aufmerksamkeit spielt eine entscheidende Rolle dabei, ob sich Körper und Geist auf Stress einstellen oder nicht“.¹ Eine fokussierte Aufmerksamkeit ist punktuell durchaus nützlich und sinnvoll – aber eben nicht als Dauerzustand.

Alpha-Wellen

Der Biofeedback-Wissenschaftler Les Fehmi bemerkt in seinen Forschungsarbeiten, dass das Gehirn während einer offenen, weiten Form von Aufmerksamkeit Alpha-Wellen produziert. Alpha-Wellen stehen für eine entspannte Form der Wachheit. Es ist ein ruhiger und zugleich kreativer Zustand, in dem der Körper nichts besseres zu tun, als noch und nöcher Wohlfühlhormone zu produzieren. Also nix wie hin!

Les Fehmi entdeckt ausserdem, dass man diese offene oder weite Form von Aufmerksamkeit erzielt, indem man seine Aufmerksamkeit auf Räume lenkt. Wie das genau geht, steht in seinem Buch, das eine Übungs-CD enthält und auf Deutsch satte 159 Euro kostet. Das ist mir dann doch zuviel. Und Englisch ist nicht so meins.

„Sie können auch selbstständig üben, indem Sie Ihre Aufmerksamkeit auf bestimmte Räume lenken“ schreibt Thomas Hohensee. Und weiter: „Nehmen sie dabei die Frage «Kann ich mir den Raum zwischen meinen Augen vorstellen?» als Ausgangspunkt.“¹

Hm. Ich probiere und übe so ein wenig herum, bin mir aber unsicher, ob ich es „richtig“ mache. Ab und an stelle ich mir Räume in meinem Körper vor … aber ich bekomme kein Gespür für die ganze Geschichte und so landet das Projekt „Alpha-Wellen-Produktion“ allmählich recht weit unten auf meiner To-Do-Liste unter „Gelegentlich mal im Antiquariat nach dem Buch schauen“. Ich atme stattdessen fleissig weiter.

Alpha-Relaxing

März 2015: Ich bin an einem meiner Lieblingsplätze: Die Bibliothek in Zürich-Oerlikon. Ich schlendere so durch die Regale, als mich ein ausgestelltes Buch anlächelt: „Erholung beginnt im Kopf – Tiefenentspannung durch Alpha-Relaxing“. Ja, aber hallo, was ist denn das? Mit CD! Wow! Schneller war nie ein Medium ausgeliehen.

Mit dem Buch selbst kann ich mich nicht anfreunden. Aber mit der CD schliesse ich schnell eine innige Freundschaft. Die auf ihr enthaltenden Übungen arbeiten ebenfalls mit der Vorstellung von Räumen – diesmal ergänzt um die Vorstellung von Licht: „Lenke deine Aufmerksamkeit auf den Raum in deinen Händen, der mit Licht gefüllt ist“² lautet eine typische Anweisung.

Und das sind meine bisherigen Erfahrungen:

Mühelose Tiefenentspannung

Durch die Übungen gleite ich mühelos und unmerklich in einen tief entspannten, fast meditativen Zustand. Faszinierend ist, dass ich wirklich nichts tue, um diesen zu erreichen, ich folge einfach nur der angenehmen Stimme des Sprechers Matthias Kiel und lenke meine Aufmerksamkeit in einen Körperraum nach dem anderen.

Veränderungen rund um das Thema „Schlaf“

  • Vergesst Baldriantropfen, Schäfchenzählen und die „Heisse 7“. Alpha-Wellen sind ein hervorragendes Einschlafmittel. Wenn ich im Bett liegend merke, dass ich noch Kopfkirmes spiele, lenke ich meine Aufmerksamkeit in Körperräume und schlafe dann recht schnell, oft sogar von jetzt auf gleich, ein.
  • Generell schlafe ich länger und durchlebe die verschiedenen Schlafphasen intensiver und teilweise auch bewusster.
  • Manchmal (eigentlich sehr selten) bekomme bewusst mit, wie ich während der Übung „Die grosse Körperreise“ einschlafe. Ich beobachte mich dann selbst beim Schlafen. Das ist eine eindrückliche Erfahrung, die ich sehr schätze.

Keine Trennung in „Work“ und „Life“

In vielen Büchern zum Thema kommt Entspannung oft nur am Feierabend oder in Freizeit vor – gemäss dem Motto: Arbeit ist wie selbstverständlich Stress und Entspannung hat bitteschön in der Freizeit stattzufinden. Aber die Frage ist, wie wir inmitten des Alltags, also auch während des Arbeitens, mehrheitlich einen Zustand entspannter Wachheit aufrecht erhalten und unser Alphatierchen-Dasein frönen können.

Meine Erfahrung ist: Alpha-Wellen kann man überall produzieren. Zugegeben, es braucht dafür ein wenig Übung, bis man auch in vielen Alltags- und Arbeitssituationen Zugang zu den Körperräumen hat.

Während ich beispielsweise diesen Text schreibe, bin ich in dem Zustand der erweiterten Aufmerksamkeit. Ich höre das Geräusch des Rasenmähers (das heute nur einen Bruchteil der Genervtheit auslöst, die ich sonst verspüre), ich stelle mir den Raum in meinen Füssen vor, erfreue mich immer wieder an der schönen Aussicht aus meinem Fenster, nehme meinen knurrenden Magen wahr und meine Gedanken daran, was ich heute noch vor habe. Meine Schultern und mein Nacken sind entspannt, aber mein Rücken „quengelt“ ein wenig, er möchte bewegt werden. Zugleich bin ich produktiv. Ein schöner Zustand.

 ¹ Zitate aus dem Buch: „Entspannt wie ein Buddha. Die Kunst, über den Dingen zu stehen“ von Thomas Hohensee – Deutscher Taschenbuch Verlag – ISBN: 978-3-423-24836-5
² Zitat aus dem Buch „Erholung beginnt im Kopf – Tiefenentspannung durch Alpha-Relaxing“ von Heinz-Peter Röhr – Patmos Verlag – ISBN: 978-3-8436-0040-8

4 Kommentare

  1. Hallo Barbara,

    ich bin mir nicht sicher, ob ich das beim Lesen richtig verstanden habe: Wenn du dir deine Körperräume vorstellst, hast du dann in Gedanken einen dreidimensionalen, hohlen Körper vor dir, den du wie mit einer Kamera durchfahren kannst? Das funktioniert bei mir nämlich ganz gut.

    Lieber Gruß,
    Philipp

    • Hallo Philipp,

      ja, so in etwa. Ich sehe einen dreidimensionalen, hohlen Raum, in den ich hinein sehe. Es ist wie ein Gefäß.

      Und weil es dich offenbar interessiert – es gibt zwei Typen von Anweisungen:
      1) Lenke deine Aufmerksamkeit in den Raum deines Zeigefingers.
      2) Lenke deine Aufmerksamkeit in den Raum, der deinen Zeigefinger umgibt.

      Auch bei der zweiten Anweisung denkst du den Raum deines Zeigefingers mit, diesmal aber anders.

      So kannst du mit allen Körperteilen verfahren. Du lenkst die Aufmerksamkeit auf den Raum deiner Augen. Nach 20 Sekunden lenkst du deine Aufmerksamkeit auf den Raum, der zwischen deinen Augen liegt. Nach 20 Sekunden lenkst du deine Aufmerksamkeit auf den Raum deiner Nase. Nach weiteren 20 Sekunden lenkst du deine Aufmerksamkeit auf den Raum, der deine Nase umgibt. Und so weiter.

      Lieber Gruß,
      Barbara

  2. Hallo Barbara,

    habe mit Interesse Deinen Bericht gelesen, nachdem ich vor ein paar Tagen mit dem Alpha-Relaxing Training nach der Anleitung von Röhr begonnen habe. Aus Deinen Zeilen lese ich, dass Du das Training auch im Liegen absolvierst. Meine im Buch gelesen zu haben, dass man dies nur im Sitzen soll – wegen Fußkontakt mit dem Boden. Wie ist da Deine Erfahrung, da ich im Liegen mit geführten „Meditationen“ besser zurecht komme.

    Liebe Grüße
    Rainer

    • Hallo Rainer

      Meine Erfahrung ist, dass ich im Sitzen aufmerksamer bin. Ab und an mache ich das Alpha-Training aber dennoch gerne im Liegen, zum Beispiel, wenn ich den Eibdruck habe, dass mein Rücken sich nach einem langen Tag auf dem Büro-Stuhl über das Liegen freut.

      Liebe Grüsse

      Barbara

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