frau momos minimalismus

Meine Plastikmüll-Krise

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Zitat von http://plasticpollutioncoalition.org

Zitat von http://plasticpollutioncoalition.org

Ein Erfahrungsbericht

Es begann harmlos: Ich stöberte im Netz, lies mich von Minimalismus-Blogs inspirieren und klickte mich von Blogroll zu Blogroll. Schließlich landete ich auf Kein Heim für Plastik und Widerstand ist zweckmäßig. Und so kam das Thema Plastikmüll in mein Leben.

Das Internet als Fundgrube zum Thema Plastik

Der Blogname „Kein Heim für Plastik“ spricht für sich, Familie Krautwaschl berichtet hier über ihr Experiment, plastikfrei zu leben. Maria von „Widerstand ist zweckmäßig“ beteiligt sich an der Challenge „Plastic Free July“ und schreibt über ihre Erfahrungen mit dieser Aktion.

Ich war echt angetan von dem Engagement beider Blogmacher. Da gibt es beispielsweise einen öffentlichen Brief an einen Hersteller von WC-Papier, mit der Anregung, dieses in Papier und nicht in Plastik zu verpacken. Oder haufenweise Anregungen, wie sich Plastik im Haushalt vermeiden lässt. Und nicht zuletzt das Eingeständnis der eigenen Unvollkommenheit, sich abends trotzdem mit einer Tüte Chips zu belohnen.

Ich fragte mich jedoch, warum sich beide Blogmacher so leidenschaftlich für das Thema plastfreie Welt einsetzen. Ich muss gestehen, ich hatte mich zuvor mit dem Thema Plastik nicht wirklich groß beschäftigt. Also begann ich gezielt nach Informationen zu suchen. Und Netz wird man schnell fündig, – wer sucht, wird auf eine Fülle von Informationen stoßen. Deshalb verzichte ich hier auf die Angabe weiterer Informationsquellen.

Plastik – ein für die Mensch, Tier und Natur unverdaulicher Stoff

Hier nur die minimalen Hart-Facts über Plastik, komprimiert und einfach ausgedrückt:

  • Plastik verrottet unendlich langsam (teilweise in bis zu über 400 Jahren). Man kann vereinfacht sagen: Ist Plastik einmal hergestellt und nicht verbrannt, bleibt es auf der Erde.
  • Das Verbrennen von Plastik ist weder effizient noch gesundheitsförderlich.
  • Das Recycling von Plastik ist aufwändig und teuer.
  • Plastik gelangt über Mikroplastik zunehmend in unsere Nahrungsmittelkette, die Folgen dieses „Plastikgenusses“ sind noch nicht abzusehen.
  • Einige Plastikbestandteile bzw. Plastikarten sind gesundheitsschädlich.
  • Insbesondere Einwegverpackungen verursachen immense Mengen an Plastikmüll, ein großer Teil davon landet in den Weltmeeren und richtet dort unsäglichen, irreparablen Schaden an.

Mein alltäglicher Plastikwahnsinn

Ich stand vom Schreibtisch auf und machte meine Badezimmertür auf. Und betrachtete schockiert meine Plastikwelt: Shampoo, Pflegespülung, Duschgel, Peeling-Duschgel, Zahnpasta, Zahnbürsten, Zungenreiniger, Mundwasser, Einmal-Rasierer, Bodylotion, Nagelbürste, Kamm, Haarclips, Fön, Creme-Tiegel, Make-up, Puder, Mascara, Handcreme, Lipstick, Tampons, Binden in Plastikverpackung …. und diese Aufzählung ist nicht vollständig!

Ich ging weiter in meine Küche. PET-Flaschen, Tiefkühlboxen, Tupperware, Magarineverpackungen, Käseverpackungen, Nudelverpackungen, Frischhaltefolie, Mülltüten, Salatdressing in Plastikflaschen, sogar in Plastik eingepacktes Gemüse, Dosenöffner, Kaffeefilter, Blisterverpackungen …. und auch diese Aufzählung ist nicht vollständig.

In meinem Arbeitszimmer: Die Kugelschreiber von BIC (ja, ich gestehe, ich finde, die schreiben mit Abstand am besten!). Das Tipp-Ex-Abrollband, das Gestell meiner Lesebrille, der Bilderrahmen, CD-Hüllen, DVD-Hüllen, mein Laptop-Gestell aus Acryl, Plastikmäppchen, Ordner, Bostiche (Tacker), Locher, Lineal, die Verkleidung des Sideboards.

Meinen Putzschrank habe ich mir gar nicht mehr angesehen.

Plastiktempel Supermarkt

Am nächsten Tag in meinem „Haus- und Hof“-Supermarkt: Ich sah mich um und hatte den Eindruck, man kann es auf eine einfache Formel bringen: Verpackung = mit einer hohen Wahrscheinlichkeit Plastik.

Klar, es gibt auch Waren, die in Glasbehältern und Metalldosen verkauft werden. Doch Gemüse, Obst, Teig- und Brotwaren aller Art, Süßigkeiten, Käse, Fleisch, Wurst, Drogerieartikel, Putzmittel, Schreibwaren …. alles überwiegend in Plastik abgepackt/eingepackt. Und das heißt: Einwegverpackungen!

Es war, als ob ich die Welt noch einmal mit neuen Augen sehen würde. Und ich war geschockt.

Seelig sind die Unwissenden?

Meine erste Reaktion: Todstellreflex und der Versuch, zu verdrängen. Vielleicht vergesse ich ja, was ich gelesen habe. Insbesondere die Information, dass man bei verendeten Walen kiloweise Plastikmüll im Magen gefunden hat.

Zweite Reaktion: Flucht und Abwertung. Der folgende Einblick in meine Gedankenwelt ist nicht sonderbar schmeichelhaft, aber ob schmeichelhaft oder nicht – darum geht es hier ja auch gar nicht. Ich veröffentliche ihn trotzdem, weil sich der eine oder andere vielleicht darin wieder findet.

„Hey, du hast doch schon so viel an der Backe, nun mach’ doch nicht noch eine Baustelle auf! Das ist doch reine Sisyphosarbeit, gegen den Plastikmüll zu kämpfen. Deine geschätzten 20 PET-Flaschen, die du weniger im Jahr kaufen würdest, machen den Schinken nun auch nicht fett. Konzerne wie Nestlé werden wegen dir nicht eine PET-Flasche weniger abfüllen. Überhaupt: so lange die Indien ihren Müll bedenkenlos weiter in die Flüsse werfen, ist eh alles für die Katz’. In China wartet der letzte Bauer in der hintersten Provinz doch nur darauf, alles schön in Plastik eingepackt kaufen zu können. Und was für eine Umstellung das für dich bedeuten würde! Du machst dir nur noch mehr Stress. Du musst dir echt nicht jeden Schuh anziehen, der dir vor die Füße gestellt wird.“

Dritte Reaktion: Nun ja, ich schau jetzt, was ich wie ich step by step umstellen kann. Es ist mein Leben, das ich nach eigenen Maßstäben gestalte und zu diesen Maßstäben gehört ein nachhaltiger Umgang mit allen Ressourcen. Punkt.

Bloggen für ein plastikreduziertes Leben

Und deshalb werde ich hier über die stufenweise Umstellung auf einen plastikreduzierten Haushalt bzw. auf ein plastikreduziertes Leben schreiben. Ich denke, dass es nur um eine maßgebliche Plastikreduktion gehen kann, einen gänzlich plastikfreien Haushalt halte ich für schwer realisierbar.

Plastikprodukte sind in der Regel nicht ästhetisch

Neben all den umwelt- und gesundheitsrelevanten Fakten über Plastik ist mir noch eines in den Sinn gekommen: Plastikfrei einkaufen heißt in der Regel auch, bessere Qualität einzukaufen und langlebigere Produkte (aus Holz, Metall, Glas, Stoff, Ton). Und diese sind in der Regel auch noch etwas für’s Auge, will sagen: ästhetischer. Für mich als stark visuell ausgeprägten Menschen ist dies ein willkommener Nebeneffekt. Es ist halt ein Unterschied, ob man ein Duschgel in Plastikverpackung auf dem Badewannenrand stehen hat oder eine schöne Seifenschale mit handgefertigter Seife.

Wie gehst du mit dem Thema Plastikmüll um?

Nachtrag am 22.07.2014:

Und so sieht es aus, wenn Menschen in ihrem eigenen Müll leben … und beachtet, wie viel davon Plastikmüll ist! (Danke an Frau Ding Dong, über die ich auf diesen Link aufmerksam geworden bin.)

13 Kommentare

  1. Wenn man genauer darüber nachdenkt, leben wir tatsächlich in einer „World of Plastic“. Wohin das Auge auch blickt, überall findet man Gegenstände aus Plastik. Selbst in freier Natur, da die Essensverpackungen oftmals achtlos aus dem Autofenster geworfen werden, oder der Wald als privater „Sperrmüllplatz“ missbraucht wird. Ich versuche schon seit Jahren, bewusst Plastikmüll im Haushalt zu vermeiden. Leider kann ich immer noch nicht behaupten, ich würde ein völlig plastikfreies Leben führen – aber zumindest habe ich den Konsum schon massiv eingeschränkt. Ich danke dir für deinen motivierenden Blogartikel – da versucht man gleich wieder, neue Strategien zur weiteren Reduktion zu finden! 🙂

    • Hallo Julia

      Ja, wenn man einmal den Blick dafür geschärft hat, wird einem bewusst, wie selbstverständlich Plastik in unser Leben Einzug gehalten hat und sprichwörtlich an jeder Ecke zu finden ist.

      Toll, dass du deinen Plastikkonsum schon massiv einschränken konntest. Magst du über deine „effektivste“ Massnahme in Sachen „Plastikreduktion“ noch etwas schreiben?

      Und ich freue mich, dass mein Blogartikel motivierend auf dich wirkte. Mir kommt da gerade der Hauch eines Zitates in den Sinn, leider bekomme ich es nicht zusammen. Ungefähr so: Jede massive gesellschaftliche Umwälzung ging von einer kleinen Gruppe Idealisten aus … (oder so ähnlich). Also: Dranbleiben! 🙂

      Herzlich

      Barbara

  2. Hallo Barbara,

    wunderbarer Artikel mit ermutigenden Folgen für mich.
    Seit Wochen kämpfe ich mit meiner defekten Salatschleuder – der Deckel hat sich in seine Einzelteile zerlegt, das Plastik ist gebrochen. Da die beiden Unterteile noch einwandfrei waren, wollte ich einfach keine neue kaufen. Nach dem lesen deines Artikels habe ich mir die Einzelteile des Deckels noch mal vorgeknöpft und nun – nach mehreren Versuchen – eine Konstruktion mit Schraube und Muttern gefertigt. Juhu – es funktioniert! Kein Kauf kann so befriedigend sein. Schicke Dir gelegentlich ein Foto meiner Konstruktion.

    Danke für die Anregung und herzlichen Gruß von Sybille

    • Liebe Sybille

      So gut! Ich freue mich für deine Salatschleuder, für dich und darüber, mit meinem Artikel solche ermutigenden Ambitionen hervorgerufen zu haben. Darf ich das Bild deiner Konstruktion hier veröffentlichen?

      Und Mut braucht es! Ich war heute in einem Biomarkt in Bad Säckingen und auch hier: wohin das Auge auch fällt, so viel Plastik! Das ist ein langer Weg, den wir vor uns haben.

      Wir kaufen Zucker und Mehl in Papierpackungen, warum nicht auch Linsen, Hirse, Bohnen, überhaupt Getreide und Hülsenfrüchte? Bei anderen Produkten (Kosmetika) braucht es vielleicht eher alternative Verpackungen (z.B. aus Cellulose). Das sind so Fragen, die mich heute Abend beschäftigen.

      Herzlich

      Barbara

  3. Das Bild meiner Salatschleuder hier? Warum eigentlich nicht? Nur zu…

    • Voilà, hier ist sie, die mit Schrauben und Muttern reparierte Salatschleuder. Ein gelungenes Beispiel für „Kreativ Reparieren statt phantasielos Wegwerfen“. Danke dir, Sybille 🙂

  4. Hallo Barbara!

    Ich freue mich sehr, dass ich Dich ein bisschen inspirieren konnte und bin schon sehr auf weitere Beiträge von Dir gespannt!

    Besonders schön beschrieben finde ich die Passage „Mein alltäglicher Plastikwahnsinn“ – dieses AHA-Erlebnis hatte ich auch einmal und das hat nicht unwesentlich dazu beigetragen, jetzt wirklich alles anders zu machen.

    Auf einen regen Gedankenaustausch freue ich mich schon,

    lg
    Maria

    • Hallo Maria

      Ja, freue mich auch auf unseren Austausch … der ja auch schon begonnen hat (—> Microfaserreinigungstücher).

      Liebe Grüsse
      Barbara

  5. Oh ja, das Thema Plastik ist in aller Munde und das ist auch gut so! Gerade habe ich in einer Tageszeitung gelesen, dass die Vogelbrutplätze auf Helgoland auch schon wegen Plastik gefährdet sind…
    Uff.
    Es ist echt mies!

    Anfangs ist es wirklich überwältigend, man weiß nicht wo man anfangen soll – aber ich rate: Kurz durchatmen und kleine Schritte machen. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und das nützt uns auch in diesem Fall.

    Wenn du mal ein extrem tolles Vorbild (auch im Sinne von Minimalismus) haben willst: bea Johnson von zerowastehome.blogspot.com

    Ich hab in der Kategorie „müllfrei/ohne Plastik“ auch schon viele Ideen gesammelt.

    Viel Erfolg!

    • Hallo Frau DingDong

      Ich habe schon auf deinem Blog gestöbert und vor allem das DIY-Sprüh-Deo hat es mir angetan. Es wird eines meiner nächsten Massnahmen für ein plastikfreies Badezimmer sein.

      Und ja, ich gebe dir recht: Kleine Schritte, step by step und immer wieder tief durchatmen.

      Herzlich
      Barbara

  6. Erst hatte ich den Plastik-, jetzt den Konsumekel. Plastik lässt sich nach und nach ganz gut reduzieren. Alte Sachen aufbrauchen und sich neue Systeme ausdenken. Macht auch kreativ. Ich kenne auch deine Gedanken, dass ich mich manchmal ärgere, davon überhaupt gelesen zu haben. Weil es ANSTRENGEND ist und kein 2-Minuten-Projekt. Stimmt. Ich freu mich immer über Sachen aus Edelstahl. Die Wohnung ist viel schöner als früher.

    Alles Liebe
    Tanja

    • Liebe Tanja

      Ja, die Wohnung wird viel schöner, das stimmt!

      Zur Zeit erfreue ich mich an meinem Badezimmer, das ohne Plastik und mit handgemachten Seifen, Seifenschalen und Luffaschwämmen einfach viel angenehmer aussieht, eine ganz andere Atmosphäre ausstrahlt. Ich glaube, das Badezimmer ist ein dankbares Einsteiger-Projekt zum „Entplastifizieren“ … und Spass macht es obendrein.

      Liebe Grüsse
      Barbara

  7. Verbraucher sollten beim anstrengenden Umstellen durch Regierungen und Anbieterfirmen unterstützt werden. Nachhaltige Geschäftsmodelle, die plastik- und verpackungsfrei oder mit wiederverwendbarer Verpackung auskommen, sollten gefördert werden. Hier eine Liste von NGO’s , die sich schwerpunktmässig mit Mikroplastik befassen: http://sensiblochamaeleon.blogspot.com/2015/07/mikroplastik.html

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