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#Konsumauszeit – Woche 2

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Der November scheint der Monat zu sein, in dem ich lang gehegte Vorhaben endlich umsetze – vielleicht angestupst durch die Konsumauszeit?

Erstmals gehe ich zum Philosophie-Treff in meiner Stadt. Der Referent baut eine (aus meiner Sicht ziemlich gewagte) Brücke von der Psychoanalyse zum Rebirthing. Zumindest ruft er damit eine höchst interessante und lebhafte Diskussion über das Wesen der Seele hervor. Und was mich fasziniert: In der Pause schaut NIEMAND auf sein Smartphone! Gewünscht wird ein Obolus von 5 Franken in die Kasse des Philosophie-Clubs. Gern geschehen – und das verbuche ich nicht unter „Konsum“.

Ich habe meine Dachboden endlich angepackt – das heisst, ich habe mit dem Entrümpeln begonnen. Ich tauche ein in Ordner, Rechnungen, Kontoauszüge, Aufbewahrungsfristen. Ein mühsamer Prozess – ich fasse jedes Blatt einzeln an und entscheide, was damit geschieht.

Ich sortiere einen Ordner mit Dokumenten aus dem Jahr 2007 aus und bin erstaunt, wie viele Ereignisse ich vergessen habe. Ich hatte beispielsweise eine ziemlich langwierige & unerfreuliche Auseinandersetzung mit einem DSL- und Mobilfunkanbieter – an die ich mich überhaupt nicht erinnere! Mein selektives Gedächtnis gibt mir zu denken.

Und sonst noch in Sachen Konsum?

Ich bin zu einem Fondue-Essen eingeladen und besorge ein Gastgeschenk. Da ich keine besonders große DIY-Heldin bin und leider nicht auf eine Batterie von selbstgemachte Marmeladen im Keller zurückgreifen kann, besorge ich ein Glas feine „Kompfi“ – wie man hier sagt. Mir ist es wichtig, kein „Ding“ zu schenken, sondern etwas zum Verbrauchen.

Dann bekomme ich ein Buch so wärmstens empfohlen, dass ich am liebsten stante pede in den nächsten Laden laufen würde, um es zu kaufen/zu bestellen. Ich muss gestehen – lediglich aus Zeitgründen tu ich es nicht. Und erst ein paar Stunden später, wieder daheim, denke ich an die Konsumauszeit! Puh – ich bin erstaunt, wie hoch meine Bereitschaft ist, einem Kaufimpuls sofort zu folgen. Und werde nun erst einmal schauen, ob ich das Buch in meiner Bibliothek finde.

Noch ein paar Gedanken …

Den Abschluss bildet heute ein Zitat von Frau Ding Dong aus ihrem sehr lesenswerten Beitrag „Gedankenkreisel zur Konsumauszeit„:

Ich will nix mehr übers Ausmisten lesen, ich will wissen, was das mit euch macht.

Das ist mir aus der Seele gesprochen. Und wenn ich mich frage, was die Konsumauszeit mit mir macht, dann fällt mir auf, dass ich mich sehr lebendig fühle. Ich finde diese Form der Auseinandersetzung mit mir selbst und Themen wie Konsum – Geld – Nachhaltigkeit – Sinn – Identität/Selbstbewusstsein zutiefst bereichernd.

Was mir zu denken gibt und mich innerlich bewegt ist der „Pretending-to-be-poor“-Vorwurf, der mancherorts gegenüber Minimalisten erhoben wird, die freiwillig auf Konsum verzichten. Manchmal scheint es, als ob sich eine Kluft auftut zwischen sogenannten Luxus-Minimalisten und Muss-Minimalisten – also zwischen diejenigen, die freiwillig auf Konsum verzichten und diejenigen, die aufgrund eines knappen Budgets ihren Konsum stark einschränken müssen. Alleine diese Auseinandersetzung bestätigt, wie identitätsstiftend und komplex das Thema Konsum und Konsumverzicht ist.

Das war’s von mir

Eure Barbara

3 Kommentare

  1. Hallo!

    Was mir daran gefällt: Konsumauszeit macht kreativ und lenkt die Gedanken in neue Wege.

    Wie kann ich anders als durch Kaufen dazu kommen?

    Oder – welches Bedürfnis steckt wirklich dahinter? Kann ich das vielleicht auch anders befriedigen?

    Weiter viel Erfolg!

    lg
    Maria

    • Liebe Maria

      Ja, du hast vollkommen recht – generell macht kritischer Umgang mit Konsum kreativ und schärft das Bewusstsein für die eigenen „eigentlichen“ Bedürfnisse/Werte. Und stellt einen auch vor herausfordernde soziale Situationen – wer bin ich, wenn ich bei Themen, die sich um „den ganz alltäglichen Konsum“ drehen (Autokauf, Weihnachtsgeschenke) nicht mitreden will/kann und wie gehe ich damit um? Je nach Kontext der Situation thematisiere ich meinen einen konsumkritischen Ansatz, manchmal klinke ich mich aber auch aus.

      Liebe Grüsse, Barbara

  2. Pingback: Warum Minimalismus Armut nicht verhöhnt. - Drei Wochen #Konsumauszeit | Apfelmädchen & sadfsh

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