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Kannst du bitte schnell mal eben deinen Wortschatz entrümpeln?

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Minimalismus beginnt im Kopf. Deshalb macht es Sinn, seinen Wortschatz gezielt zu entrümpeln – nämlich um Wörter oder Redewendungen, die stressen, unerwünschte Nebenwirkungen haben und damit nicht das bewirken, was sich viele Menschen vom Minimalismus erhoffen: Mehr Zeit. Mehr Ruhe. Mehr Gelassenheit.

Eine Redewendung, die sich minimalistisch und effizient anhört und doch hitverdächtig oft ein Maximum an Stress und Beziehungsproblemen erzeugt, ist das „Schnell mal eben“.

Warum ist das so?

Worte wirken

Alles, was wir denken oder sagen, also alles, was wir mental machen, hat auch auf der emotionalen wie körperlichen Ebene einen Effekt.

Mit modernen Methoden der Hirnforschung lässt sich klar zeigen: Jedes Wort hinterlässt auf der körperlichen Ebene und damit auch auf der Ebene des Verhaltens und der Stimmung seine Spuren.“ (Maja Storch)

Wie wirkt die Redewendung „Schnell mal eben“? Am besten kannst du das an dir selbst überprüfen, wenn du ein paar typische „Schnell mal eben“ aneinander reihst und spürst, welche Gefühle und körperlichen Reaktionen hervor gerufen werden:

Schnell mal eben einkaufen, schnell mal eben noch in die Apotheke und ein Medikament abholen, schnell mal eben die Schuhe beim Schuster vorbei bringen. Schnell mal eben die E-Mails checken, schnell mal eben eine SMS senden, schnell mal eben etwas googlen. Schnell mal eben aufs Klo gehen, schnell mal eben ein Kuchenstück der Nachbarin vorbei bringen, schnell mal die Kleine vom Kindergarten abholen (und wer Kinder hat, der weiß, dass bei Kindern „schnell mal eben“ ziemlich oft nicht funktioniert). Schnell mal eben bei der Kollegin im Büro vorbei gehen und schnell mal eben etwas vis-à-vis klären, schnell mal eben einen Ausdruck oder eine Kopie machen, schnell mal eben die Post durchsehen.

„Schnell mal eben“ übt Zeitdruck aus – und zwar auf die ausführende Person, ob wir das nun selbst sind, oder die Person, die wir „schnell mal eben“ um etwas bitten. Der „Stress-Modus“ wird gestartet.

Unterschätzung des tatsächlichen Aufwandes

Dieses „Schnell mal eben“ suggeriert, dass wir so gut wie keine Ressourcen benötigen. Es macht sich doch praktisch wie von allein, das ist doch nicht der Rede wert. Doch auch ein „Schnell mal eben“ braucht mindestens Zeit und Aufmerksamkeit, führt deshalb oft zu einer Unterschätzung der benötigten Ressourcen und damit zu einer Unterschätzung des Wertes einer Handlung.

Das ist auch ein Grund dafür, weshalb eine „Du als Profi kennst dich da doch aus, du erledigst das doch aus dem Effeff, kannst du das bitte eben mal machen?“- Frage für zwischenmenschlichen Zündstoff sorgen kann.

Menschen, die den „Kannst du bitte schnell mal eben“-Bitten ihrer Mitmenschen häufig und gelassen nachkommen, werden als belastbar empfunden. Daran sieht man, das alle diese „Schnell-mal-eben“ eine ziemliche Leistung sind.

Oft tauchen die „Schnell mal eben“ nicht auf der To-do-Liste auf, sie sind es nicht wert, es ist ja ein „schnell mal eben“. Manchmal bleibt deshalb nach vielen „Schnell mal eben“ noch viel To-do-Liste übrig, obwohl man die ganze Zeit über tätig war. Das erzeugt ein Gefühl von Unproduktivität und Unzufriedenheit.

Und in all diesen „Schnell mal eben“ sind zudem die weiteren äusseren Umstände, die das Geschehen mitbestimmen, nicht antizipiert: Der Toner, der ausgerechnet jetzt leer ist; die Baustelle auf der Zufahrtstrasse; die Warteschlange in der Apotheke; der Kopierer mit dem Blätterstau; das trotzende Kind; die schnelle Antwort auf die SMS, die zu einer weiteren Antwort verleitet. Ein „Schnell mal eben“ beinhaltet in der Regel keine Pufferzeit, die aber im Alltag oft erforderlich ist. Deshalb ist „schnell mal eben“ auch ziemlich schlechte Planung.

Die Dinge einfach tun – weder betont schnell noch langsam

Manchmal soll es halt einfach mal schnell gehen. Das ist so, dafür mag es dann von Situation zu Situation triftige Gründe geben. Und es geht nun auch nicht darum, sich in einen grundlegenden (ziemlich aussichtslosen) Widerstandskampf gegen das „Schnell mal eben“ zu begeben.

Durchaus sinnvoll aber ist es, das „Schnell mal eben“ auf ein vernünftiges Maß zurück zu schrumpfen, es bewusst & gezielt einzusetzen und den inneren Zeitdruck keinen Dauerzustand werden zu lassen. Und auch achtsam zu prüfen, ob ich meinen Zeitdruck in Form einer „Kannst du bitte schnell mal eben“-Bitte an meine Mitmenschen weitergebe.

Meine Anregung lautet deshalb:

„Schnell mal eben“ weitestgehend aus dem Wortschatz entrümpeln. Die Redewendung einfach weg lassen, man kommt nämlich ohne weiteres ohne sie aus. Dafür die Dinge in der Zeit planen und tun, die sie benötigen:

Einkaufen gehen, Medikamente in der Apotheke abholen, die Schuhe zum Schuster bringen. Die E-Mails checken, die SMS schreiben, etwas googlen. Aufs Klo gehen, der Nachbarin das Kuchenstück bringen und die Kleine von der Kita abholen. Bei der Arbeitskollegin vorbei gehen und etwas vis-à-vis klären, einen Ausdruck machen und dann die Post durchsehen.   

Das ist übrigens ein typisches Beispiel von „weniger ist mehr“: Weniger „Schnell mal eben“ ist beinhaltet mehr Zeit (weil man sich innerlich die Zeit nimmt, die man braucht), mehr Ruhe und mehr Gelassenheit. Als Sahnehäubchen gibt es noch mehr Effizienz oben drauf, weil es sich in diesem Modus leichter und reibungsloser arbeitet.

Die Inspiration zu diesem Blogpost erhielt ich durch das Buch „Die Manana-Kompetenz“ von Gunter Frank und Maja Storch.

16 Kommentare

  1. Hallo!

    Wie recht Du doch hast!

    Ich finde, schnell mal eben, nimmt dem, was getan werden soll, auch den Wert.

    lg
    Maria

  2. Danke für diesen tollen Text!!

    Das habe ich schon oft erlebt/gefühlt – danke, dass du es so schön in Worte gefasst hast!

  3. Hallo,

    schöner Text.

    Austauschen z.B. mit= Ich habe keine Zeit für Eile 😉

    Herzlichst Hope

  4. Hallo Ihr drei … Maria, Lisa und Hope

    Danke für Eure Kommentare, freue mich, dass ihr euch in dem Text wiederfindet. 🙂

    Eure Frau Momo

  5. Hi,
    ich fühle mich direkt ertappt bei diesem Beitrag, ich benutze diese Redewendung selbst viel zu oft und falle auch bei anderen darauf rein. Du hast ja so recht.: „schnell mal eben“ ist im Regelfall Selbstbetrug.
    Da werde ich definitv mal verstärkt darauf achten, dass mir das nicht mehr über die Lippen kommt.
    Liebe Grüße von der Chaoskämpferin

    • Liebe Chaoskämpferin

      Oft ist dieses „Schnell mal eben“ ja eine innere Haltung … etwas, was sich eher mental abspielt. Ich zum Beispiel wollte eben schnell mal eben meine E-Mails checken, weil ich heute noch so viel auf dem Zettel habe. Ich war in diesem „Schnell mal eben“-Modus, ohne es auszusprechen. Was ich damit sagen will: Das „Schnell mal eben“ muss uns gar nicht erst über die Lippen kommen … es reicht vollkommen, wenn wir es denken.

      Die gute Nachricht lautet: Dieses Erkennen und Wahrnehmen, dass man in diesem Modus ist, ist bereits die Hälfte der Miete. Ab diesem Moment hast du die Wahlfreiheit, ob du innerlich einen Gang runter schaltest (klappt bei mir, indem ich auf meine Atmung achte) oder ob es gute Gründe für ein „Schnell mal eben“ gibt.

      Liebe Grüsse von der Frau Momo

      • Hallo Frau Momo,

        gerade deshalb ist es so gut, wenn du ein Bewusstsein dafür weckst! Dankeschön! 🙂

        Solch ein Bewusstsein habe ich mittlerweile bei recht vielen Redewendungen und freue mich jedes Mal, wenn ich sie bewusst vemieden habe. Aber auch, sich beim Aussprechen zu ertappen, ist schon ein guter Schritt, wie ich finde.

        Lieber Gruß,
        Philipp

        • Hallo Philipp

          Jetzt rätsle ich natürlich über die Redewendungen, für die du ein Bewusstsein entwickelt hast. 😉

          Magst du einige verraten?

          Bei mir ist das Wörtchen „MUSS“ immer wieder Thema (z.B. „Ich muss die Überweisungen machen“. Dabei geht es auch hier wunderbar ohne „muss“: „Ich mache die Überweisungen“).

          Liebe Grüsse, die Frau Momo

          • Das sind vor allem Generalisierungen, Relativierungen und Entpersonifizierungen.

            Beispielsweise versuche ich „eigentlich“, „eventuell“, „vielleicht“ und Konjunktive zu vermeiden. Außerdem bin ich bemüht, mehr in der ersten als der dritten Person zu sprechen, weil ich dadurch stärker reflektiere, was ich eigentlich sage. Denn durch den Bezug auf mich, prüfe ich vorm Aussprechen oder Schreiben, ob es für mein Leben denn auch tatsächlich gilt.

            Generalisierungen sind aber ebenso schlimm, weil ich ja nie für jede Situation und alle Menschen sprechen kann.

            Sprache ist ein mächtiges Werkzeug, deshalb bin ich der Meinung , dass etwas Vorsicht im Umgang mit ihr geboten ist.

          • Hallo Frau Momo,
            Hallo Philipp,

            eines der besten Wörter zum Generalisieren ist meiner Meinung nach das „man“. Gerne in Kombination mit „man sollte“ oder „man müsste“ 🙂

            Ich finde es erstaunlich, wie leicht „man“ damit Aussagen trifft, die zwar allgemeingültig wirken, aber oft von einem selbst ausgehen (so wie dieser Satz hier auch von mir auf andere schließt…) 🙂

            Liebe Grüße
            Sven

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  7. Liebe Frau Momo,

    vielen Dank für den erhellenden Artikel. Viel zu oft baue ich dieses „schnell mal eben“ bei mir ein – sehr gerne auch vor Terminen, zu denen ich dann meist (wen wundert’s noch) zu spät komme … was mich nervt.
    Ich musste es gar nicht oft vor mich hin sagen: schon nach dem ersten Mal war der Streß spürbar, nach dem dritten Mal so eklig, dass ich aufgehört habe. Warum nur ist mir das noch nie so deutlich aufgefallen, wie Du es ausgedrückt hast?!?
    Werde es aus meinem Wort- und Gedankenschatz verbannen. (Auch wenn was wirklich eilig ist, kann man es ja anders ausdrücken als mit dieser Streß-Kombination, die nahelegt (schnell), was meist nicht stimmt.)

    Vielen Dank! + liebe Grüße!
    Andrea

    • Liebe Andrea

      Es freut mich, dass du so viel aus dem Artikel für dich ziehen konntest.

      Ich selber bin durch das Buch „Die Mañana-Kompetenz“ darauf aufmerksam geworden. Die Autorin Maja Storch bezeichnet die Worte „Glück“ und „schnell“ als Killer-Worte fürs Wohlbefinden. Sie weist darauf hin, dass jedes Wort eine körperliche Reaktion hervor ruft und rät, sich dessen sehr bewusst zu sein.

      Liebe Grüsse

      Frau Momo

  8. ich hab schnell mal eben deinen artikel gelesen, während ein youtubevideo vorgeladen hat, und ich eigentlich noch was ganz anderes zu tun hab, aber die doofe angewohnheit hab alles aufzuschieben. 😉
    scherz beiseite. aber ist tatsächlich so, dass man vieles sagt, was ja so nicht wirklich stimmt. so wie ich jetzt schon wieder dieses wort „man“ benutzt habe, wobei ich eigentlich „ich“ meinte. und oft hinterher denke, argh, schon wieder verallgemeinernd geredet. ist auf alle fälle ein netter gedanke, den wortschatz zu entrümpeln! und die doofen ungeliebten angewohnheiten gleich mit, am besten. wobei ja so redewendungen auch wieder doofe angewohnheiten sind. 😉

    grüße, tina

  9. Der Beitrag ist zwar schon ein paar Tag alt, dennoch möchte ich ihm zustimmen!
    In den letzten Monaten habe ich angefangen, zu lernen, die Wörter „aber“ und „müssen“ aus meinem Wortschatz zu verbannen. „Aber“ macht mich oder mein Gegenüber wütend, was in der Grundlektüre der GFK bestätigt bekommen habe. Und „müssen“ tu ich nur eines im Leben: sterben. Alles andere ist freiwillig oder eine Konsequenz meiner Entscheidungen, mit denen ich lebe. Nicht mehr und auch nicht weniger.
    Ich danke dir für deinen bereichernden Beitrag.

    LG
    Christin

    • Liebe Christin,

      ja, das Wort ABER erzeugt Widerstand und Ablehnung. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es sich wunderbar durch das Wort UND ersetzen lässt.

      Typischer Dialog: „Ich möchte gerne in den Ferien nach Asien fliegen.“ .. „Aber dafür haben wir kein Geld.“

      Alternativer Dialog: „Ich möchte gerne in den Ferien nach Asien fliegen.“ … „Ich höre deinen Wunsch und würde auch gerne dort Urlaub machen. Und zugleich habe ich Angst, dass wir uns damit finanziell übernehmen.“

      Dies einfach als ein Beispiel. Es ist freilich ein bisschen Übungssache.

      Der Verzicht auf das Wort ABER fördert eine lösungsorientierte Gesprächskultur ungemein.

      LG Barbara

      P.S.: Schau dir mal diesen Beitrag zu den Wörtern MÜSSEN und ABER an.

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