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Freiräume in stressigen Zeiten finden

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Die Übung, die ich heute vorstelle, ist ein effektives Werkzeug, um inneren Stress zu reduzieren. Sie stammt aus dem Focusing, einer körperorientierten therapeutischen Schule, und heisst „Clearing a Space“. Ich übersetze dies mit „Einen klaren Raum schaffen“.

Mit Hilfe dieser Übung schaffe ich mir einen Raum, in dem ich das Wohlbefinden, das trotz allen Problemen da ist, wahrnehme. Einen Raum, in dem ich mich mit klarem Geist etwas Anderem oder Neuen zuwenden kann – neben einem dicht gedrängten Alltag.

Diesen Raum kreiere ich durch die konkrete Erfahrung, dass ich mehr bin, als das, was ich gerade als energieraubend, ermüdend oder schwierig empfinde.

Die „Clearing a Space“-Übung eignet sich wunderbar für alltägliche Anliegen. Durch sie komme ich beispielsweise nach einem Arbeitstag innerlich zur Ruhe, um mit einem frischen Kopf die Unterlagen des Weiterbildungsstudiengangs zu lesen, den ich belegt habe.

Sie ist aber auch für den Umgang mit grösseren, fast existenziellen Themen geeignet. So belegte die Focusing-Therapeutin Joan Klagsburn mit ihren Forschungen die positive Wirkung dieses Prozesses auf das Wohlbefinden von Frauen, die sich mit einer Brustkrebsdiagnose konfrontiert sehen. (Weitere Informationen dazu hier).

Eindrücklich finde ich ausserdem, wie mir manchmal, nachdem ich die Übung praktiziert habe, wie aus heiterem Himmel Lösungen für Probleme einfallen.

Wie schaffe ich diesen Raum?

Das Grundprinzip von „Clearing a Space“ funktioniert folgendermaßen: Ich nehme eine Art Bestandsaufnahme aller Stressoren vor und lege jeden Stressor dann sanft beiseite.

Ich zähle sozusagen alle Hindernisse, die meinem Wohlbefinden im Wege stehen. Ich benenne jedes einzeln, betrachte es eine kurze Weile freundschaftlich-freundlich und platziere es dann in meiner Vorstellung ausserhalb des Körpers.

Dieser Prozess dauert so lange an, bis ich allem, was ich als stressend empfinde, einen anderen Platz als in meinem Körper gegeben habe. Auf diese Art und Weise schaffe ich einen klaren Raum, um meine Aufmerksamkeit auf etwas Neues oder Anderes zu richten.

Was macht diese Übung so besonders?

1) Entspannung durch Nutzen der Body-Mind-Connection

Wenn ich versuche, zur Entspannung lediglich meine Aufmerksamkeit von meinen Problemen abzuwenden, behält der Körper oft seinen Stress, seine Anspannung oder Aufregung.

Das liegt an der Body-Mind-Connection: Jede Stress- wie auch Entspannungsreaktion hat immer eine physische wie auch psychische Komponente. Soll heissen: Wir reagieren immer mit Körper und Geist. Es geht nicht anders. Ein gestresster Geist hat keinen entspannten Körper im Schlepptau.

Wenn ich nur auf psychischer oder mentaler Ebene versuche, mich durch Ablenkung zu entspannen, kann eine Art aussichtsloser Kampf entstehen. In der Übung „Clearing a Space“ gibt der Körper an, welche Stressoren er trägt und der Geist benennt und bezeugt sie.

2) Entspannung durch Nicht-Lösen des Problems

Klar, das hört sich paradox an. Dazu ist hilfreich zu wissen, dass eine Ergebnisorientierung eine spezifische Form von Stress auslöst. Das unbedingte Lösen-Wollen von Problemen kann deshalb unter Umständen kontraproduktiv sein.

Die Übung „Clearing a Space“ lehrt mich, zu bemerken, was an Stressoren vorhanden ist, ohne sofort an ihnen zu arbeiten oder die mit ihnen verbundenen Probleme lösen zu wollen. Anstatt die Hindernisse zu bewältigen oder zu vermeiden, erfahre und übe ich eine andere Art, mich mit ihnen zu befassen. Ich lasse sie sein und verlege sie freundlich.

Dieser Paradigmenwechsel bringt oft körperliche und psychische Erleichterung, neue Energie und eine neue Perspektive auf Probleme.

3) Entspannen durch Erspüren des Wohlbefindens

Indem ich alle Probleme identifiziere und artikuliere, die meine Stressbelastung ausmachen und diese identifizierten Stressoren metaphorisch „in sicherer Entfernung“ platziere, erfahre ich, wie es sich anfühlen würde, wenn all diese Hindernisse beseitigt würden.

So bin ich indirekter Weise dazu angehalten, meinen optimalen inneren Zustand für Wohlbefinden zu erhalten. Es geht um das innere Erspüren, wie sich dieser Raum des Wohlbefindens anfühlt.

Wie geht diese Übung?

Bist du neugierig geworden?

Hier findest du ein PDF mit Anleitung für die Übung „Clearing A Space“.

Ich freue mich auf ein Feedback von dir, welche Erfahrungen du mit der Übung gemacht hast.

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