frau momos minimalismus https://fraumomosminimalismus.ch Sun, 22 Dec 2019 08:14:07 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=4.9.13 https://fraumomosminimalismus.ch/wp-content/uploads/2015/03/BeFunky_null_2.jpg-54f341b5v1_site_icon-32x32.png frau momos minimalismus https://fraumomosminimalismus.ch 32 32 Loslassen https://fraumomosminimalismus.ch/loslassen/ https://fraumomosminimalismus.ch/loslassen/#respond Sun, 22 Dec 2019 08:13:43 +0000 https://fraumomosminimalismus.ch/?p=4102 Weiterlesen ]]> Liebe Leserin, lieber Leser

Es ist Zeit, dieses Blog samt der Frau Momo und ihren Minimalismus loszulassen.

Wenn ich einen Blog darüber führe, wie es sich als feinfühliger Mensch in dieser Welt lebt, dann ist das eine Festschreibung. Oder anders ausgedrückt: Es ist eine Geschichte, die ich mir immer wieder erneut erzähle. Ich komme aus der Nummer „Hochsensibler Mensch versus reizvolle Welt“ nicht raus, wenn ich sie mit jedem Beitrag aufs Neue konstruiere. Mein Verstand bereitet sich auf die Schwierigkeiten vor, die ich als hochsensibler Mensch in dieser Welt erfahre. Und erschafft sie damit immer wieder aufs Neue.

Mit den Begriffen wie Frau Momo und Minimalismus ergeht es mir ähnlich – es ist die Frage, welche Geschichte ich mit ihnen verbinde, welche Bilder und Gefühlszustände mit ihnen assoziiert und ob diese hilfreich und dienlich für mein Leben sind.

Ich merke, das ich andere, neue Erfahrungen machen und damit ein anderes Sein erleben möchte.

Dieses Blog geht Ende des Jahres vom Netz.

Ich danke für die tolle Zeit!

Barbara

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Adieu Problemtrance! Oder auch: Das Ding mit den Zielen https://fraumomosminimalismus.ch/adieu-problemtrance-oder-auch-das-ding-mit-den-zielen/ https://fraumomosminimalismus.ch/adieu-problemtrance-oder-auch-das-ding-mit-den-zielen/#respond Sat, 16 Nov 2019 09:22:37 +0000 https://fraumomosminimalismus.ch/?p=4076 Weiterlesen ]]> Ich muss gestehen, in einigen Bereichen bin ich in einer Art Problemtrance durch das Leben gerannt. Ich konnte Probleme unendlich genau und ausführlich beschreiben. Ich analysierte sie quasi zu Tode (hat übrigens nicht funktioniert, sonst wären sie gelöst gewesen). 

Aber als Betriebswirtin hatte ich das schliesslich so gelernt: ich muss das Problemtal genau ergründen, um den Weg hinaus zu finden. Eine anständige Analyse ist das Fundament für fast alles. Deshalb schaute ich in meinem Problemtal gelegentlich unter jeden noch so kleinsten Stein, ob sich dort ein Grund für Problem versteckt haben mag. 

In der letzten Zeit kam ich auf die Idee, es anders zu machen: Den Blick von den Steinen lösen, mir ein Ziel auf den Horizont zu setzen und loszugehen. Das alles in dem Vertrauen, dass ich auf meinem Weg alles erfahren werde, was ich zum Verändern brauche. 

Das funktioniert hervorragend, weil viele Ziele häufig eine Spiegelung von Problemen sind. Sie verkörpern die andere Seite der Medaille – sozusagen die Schokoladenseite von Problemen. Ziele haben die „Hin-zu“-Magie, während Probleme oft von „Weg-von“-Panik geprägt sind. 

Beim Verfolgen eines Ziels komme ich mit allen in Berührung, was mich abhält, es zu erreichen. Der Weg erspart mir die Analyse (aber nicht die Arbeit an mir selbst). 

Doch wie viele Menschen hatte ich zunächst gemischte Gefühle zum Thema Ziele. Oder ehrlich gesagt: Ich hatte eine Zeit lang eine regelrechte Allergie auf Ziele. Vor allem war ich genervt vom (Selbst-) Optimierungswahn unserer Zeit, ich hatte das Denken in Soll-Ist-Vergleichen satt.

Zugleich wusste ich: Meine innere Haltung zu Zielen beeinflusst in einem nicht unerheblichen Masse meinen Weg. Es ist kontraproduktiv, sich ein Ziel zu setzen und im Hintergrund eine Art „Anti-Ziel-Programm“ laufen zu haben. 

Interessanterweise machen dies viele Menschen: Sich Ziele zu setzen, obwohl sie Zielen gegenüber ambivalent eingestellt sind. Das ist wie Bücherlesen, obwohl man das Lesen nicht mag. Das verbraucht viel Energie. 

Das Ding ist weiterhin, dass ich mit einem Ziel sofort auch das „Nicht-Ziel“ auf den Plan rufe. Und diese Dualität kann sich ganz schön aufheizen. Dann wird aus einem Ziel eine einsame Klippe, auf der ich entweder in Siegerpose stehe oder gescheitert herunter falle – mit wenig Grauzone dazwischen.

Besser ist es, auf den Wellen dieser Polarität surfen zu lernen und den Raum dazwischen zu erkunden. Wie beim Wellenreiten, bei dem die dynamische Form der Welle genutzt wird, um sich fortzubewegen.

Wenn ich nur schon meine ambivalenten Gefühle hinsichtlich dem Thema Ziele respektiere und sie als Ausgangsbasis anerkenne, verlieren sie einen Teil ihrer Aufladung. Von diesem Punkt der Akzeptanz aus ist es dann fast einfach, mein Bewusstsein in Richtung auf das zu erweitern, was ich für mich für möglich und wünschenswert halte. Ohne mich zu verheddern und ohne enge Klippenspringer-Szenarien aufzumachen. 

Auf Twitter teilte jemand neulich: „Eigentlich ist annehmen und loslassen dasselbe.“

Das kann ich hundertprozentig unterschreiben.

P.S. Und falls das mit dem Annehmen bei dir nicht klappt, habe ich hier etwas zum Loslassen geschrieben.

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Sontan-Verjüngung https://fraumomosminimalismus.ch/sontan-verjuengung/ https://fraumomosminimalismus.ch/sontan-verjuengung/#comments Sat, 26 Oct 2019 17:04:40 +0000 https://fraumomosminimalismus.ch/?p=4063 Weiterlesen ]]> Es ist kalt, nass, ich habe meine Handschuhe Zuhause vergessen und meine Augen anscheinend auch, denn ich renne mal wieder blindlings in so eine „New-Age-Gastro-Geschichte“ hinein. Eine weitere unbeabsichtigte Folge der Serie „Die Systemgastronomie & Ich“.

Meine Finger sind klamm und mein Tag in Zürich noch lang – ich brauche einen warmen Kaffee! Gleich in der Nähe meines nächsten Termins gibt es so ein undefinierbares Mittelding zwischen Café und Restaurant, das mir schon ein paar Mal aufgefallen ist.

Heute nun ist es soweit, ich betrete den Laden und … ja! … da ist ja auch schon die Theke. Diesmal nehme ich sie direkt in Angriff und denke lächelnd an meine letzte Begegnung mit der Systemgastronomie, als ich mich zuerst an einen Tisch setzte und vergeblich auf die Bedienung wartete. Souverän wie Frau von Welt bestelle ich einen Cappuccino und bezahle.

Die Frau hinter dem Tresen gibt mir mit einer selbstverständlichen Geste ein rechteckiges Plastikdings in die Hand. Irritiert schaue ich das Plastikdingens an. „Was ist das?“ frage ich. Sichtlich genervt klärt mich die Frau auf, dass es sich um einen elektronischen Funkmelder handelt, der aufleuchten wird, sobald mein Cappuccino fertig ist. Sie wendet sich demonstrativ der Kaffeemaschine zu.

So abgefertigt stehe ich vor der Theke – mit diesem Funkmelder in der Hand. Ich schaue nach links, ich schaue nach rechts. Ich drehe mich um, schaue in den Raum. Ich bin weit und breit die einzige Kundin. Ich stehe also alleine mit diesem Plastikdinges in der Hand vor dem Tresen und fühle mich vera*****.

Ich suche mir einen Sitzplatz, lege meine Jacke ab und gehe wieder zur Theke. Die Frau will mir den fertigen Cappuccino reichen, ohne dass das Plastikdingens leuchtet!

Haha, da hat sie aber die Rechnung ohne mein inneres Trotzkind gemacht! Wenn ich schon die einzige Kundin im Laden bin und erstmalig in meinem Leben einen elektronischen Funkmelder in der Hand habe, der mir so höflich und serviceorientiert überreicht wurde, dann soll er gefälligst auch leuchten!

Ich schaue sie fragend-provozierend an, hebe den Funkmelder. Ihr Gesicht verdunkelt sich, sie macht eine Bewegung – und das Ding leuchtet. Ich reiche es ihr und bekomme im Gegenzug meinen Cappuccino.

Ich sitze am Tisch und mein Eltern-Ich plappert aufgeregt auf mich ein: „Ja, musste das denn sein? Die Frau macht doch auch nur ihren Job, hat bestimmt eine Anweisung, jedem Kunden so ein Ding in die Hand zu drücken.“

Mein Kind-Ich nuckelt zufrieden am Kaffee.

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Und hier geht es zur Spontan-Alterung.

Bildnachweis: Steve Johnson / Unsplash.com

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Gelesen: „Das Experiment Hingabe“ von Michael A. Singer https://fraumomosminimalismus.ch/gelesen-das-experiment-hingabe-von-michael-a-singer/ https://fraumomosminimalismus.ch/gelesen-das-experiment-hingabe-von-michael-a-singer/#respond Sat, 12 Oct 2019 16:55:34 +0000 https://fraumomosminimalismus.ch/?p=4012 Weiterlesen ]]> Wenn sich Autoren den Aufkleber „New York Times Bestseller“ auf die Brust pappen können, ruft das die Skeptikerin in mir wach. Mainstream trifft selten meinen Geschmack. Doch Michael A. Singers autobiographisches Buch „Das Experiment Hingabe“ bildet da eine Ausnahme. 

Michael „Mickey“ Singer übt sich in Hingabe. In Hingabe an das Leben. Hingabe – das bedeutet für ihn, die persönlichen Reaktionen von Mögen und Nicht-Mögen loszulassen. Er folgt dem, was das Leben jenseits von persönlichen Vorlieben und Abneigungen von ihm abverlangt. 

Vom Einsiedler zum Generaldirektor und zurück

Als Student erkennt Mickey Singer, dass es eine Stimme in seinem Kopf gibt, die ständig redet. Er spürt, welche Unruhe diese urteilende und kommentierende Stimme in ihm entfacht und beschließt irgendwann, ihr nicht mehr zu glauben. Er übt sich in stundenlanger Meditation und ausgedehnten Yoga-Sessions, um diese Stimme zum Schweigen zu bringen. Später wird er in seinem Bestseller „Die Seele will frei sein“ folgendes über diese Stimme schreiben: „Es gibt nichts Wichtigeres auf dem Weg zu wahren Wachstum als die Erkenntnis, dass Sie nicht identisch sind mit der Stimme Ihres Denkens.“

Fortan öffnet sich er sich dem, was das Leben ihm aufträgt – indem er bei seinen Entscheidungen die Stimme geflissentlich ignoriert und das tut, was das Leben von ihm will.

So lebt er als junger Einsiedler in einem Camper in Mexiko, später lehrt er Wirtschaftswissenschaften an einem Community College in Florida. Er fängt an, Häuser zu bauen und gründet sein Bauunternehmen „Built with love“. Fast nebenbei ruft er den „Tempel of the Universe“ ins Leben, eine spirituelle Gemeinschaft.

Die Programmierung der Software „Medical Manager“ lässt ihn schließlich bis zum Vizepräsidenten eines börsennotierten Milliardenunternehmen aufsteigen. Es folgt eine Anklage durch die Regierung, ausgelöst durch einen böswilligen Mitarbeiter, der ein Lügenkonstrukt erstellt. Mickey Singer und ein grosser Apparat von Anwälten sind jahrelang mit der Vorbereitung des Prozesses beschäftigt. Schliesslich wird die Anklage zurück gezogen, die Unbescholtenheit Singers bescheinigt.

Heute lebt Mickey Singer zurückgezogen in den Wäldern Floridas.

Ein Leben jenseits von persönlichen Vorlieben

Das alles passierte, weil es das Leben so wollte – so sieht es Singer. Er verfolgte bei seinen Entscheidungen, die er traf, nur ein einziges Ziel: Sich selbst loszuwerden. Denn darum geht es in dem Buch von „Das Experiment Hingabe“: alle persönlichen Vorstellungen, wie das Leben zu sein hat, loszulassen.

Vieles von dem, was sich in seinem Leben ereignet hat, hat Mickey Singer nicht gewollt. Genauer gesagt: die Stimme in seinem Kopf hat es nicht gewollt. Sie hat sich in entscheidenen Situationen häufig widerwillig, ängstlich, schwach und unsicher gezeigt. Singer stellte sich der Situation durch beständiges Loslassen.

Singer pflegt das Image des liebenswerten Hippies

Das Buch ist flüssig geschrieben und gut zu lesen. Es ist mit all seinen Cliffhangern an den Kapitelenden zutiefst amerikanisch und füttert dieses „Ich-muss-unbedingt-wissen-wie-es-weitergeht“-Ding.

Mickey Singer stellt sich selbst als einen sympathischen, etwas arglosen Hippie-Zausel dar, der mit seiner langen Haarmähne und schlackernden Bluejeans irgendwie in dieses Businesswelt hinein gestolpert ist, – obwohl er doch eigentlich nur meditieren wollte. Einzig mit der vorübergehenden Aufnahme von Amrit Desai in den Temple of the Universe begeht er einen eher unpopulären Akt. (Amrit Desai, ein Yogameister, musste seine eigene Gemeinde verlassen, da er des sexuellen Übergriffes auf ehemalige Schülerinnen angeklagt war. Er fand für drei Jahre Aufnahme im Temple of the Universe).

Inhaltlich wiederholt Singer sich oft. Sätze wie dieser kommen zuhauf vor: „Ich blieb eine Person, deren spiritueller Pfand darin bestand, sich dem Fluss des Lebens hinzugeben und mit Herz und Seele an dem zu arbeiten, was das Leben mir auftrug.“

Aufgrund der zugrundeliegenden Fragestellung „Glaube ich der Stimme in meinem Kopf oder nicht?“ und den beschriebenen Lebenserfahrungen ein aufschlussreiches und interessantes Buch.

Leseempfehlung

Das Buch ist geeignet für alle, die …

  • … das Loslassen vertiefen möchten.
  • … aussergewöhnliche Lebensläufe & Autobiografien interessant finden.

Und wenn du noch mehr übers Loslassen erfahren möchtest: Hier klicken.

 

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Bildnachweis: Jeremy Thomas via unsplash

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Meditation: Loslassen in Aktion https://fraumomosminimalismus.ch/meditation-loslassen-in-aktion/ https://fraumomosminimalismus.ch/meditation-loslassen-in-aktion/#comments Sun, 11 Aug 2019 13:12:01 +0000 https://fraumomosminimalismus.ch/?p=3923 Weiterlesen ]]> Die Gedanken-Mischpoke einfach weiterziehen lassen

Ich setze mich jeden Morgen auf meinen Allerwertesten und meditiere zwanzig Minuten lang. Komme, was da wolle. Einmal kam in der letzten Zeit eine Darmgrippe dazwischen, ansonsten bin ich konsequent und ich freue mich auf meine tägliche Meditationspraxis. Am interessantesten finde ich, dass ich mir jedes Mal vornehme, ausschließlich im gegenwärtigen Augenblick zu sein … und mir das nicht gelingt. 

Das ist immer wieder verblüffend: Ich beschließe, vollkommen präsent zu sein und nichts anderes zu tun, als zu beobachten, und ertappe ich mich irgendwann dabei, dass ich anscheinend klammheimlich von diesem Beobachter-Posten heruntergeklettert und in einem Gedankenstrudel aufgegangen bin. 

Ich packe mich also am Schlafittchen, wie ich gerade innerlich zig To-Do-Listen für mein nächstes Projekt schreibe. Oder mich über meine Nachbarin aufrege, die sich häufig mit derart viel Parfum überschüttet, dass jeder Lush-Laden ein wohlriechender Himmel dagegen ist. 

Erstaunlich ist dann, wie schwer es mir mitunter fällt, all diese Gedanken wieder ziehen zu lassen. Sie kommen mir ungeheuer bedeutend vor. Ich habe Schiss, ich könne einen von diesen ultrawichtigen Gedanken vergessen, wenn ich ihn jetzt nicht emsig weiterdenke. (Nur fürs Protokoll: Ist noch nicht passiert). 

Ein spannendes Spiel: Gelingt es mir, eine Gedankenfamilie, die an meiner Haustür klingelt, vor meiner Tür stehen zu lassen? Bleibe ich am Spion stehen und kann ich beobachten, wie sie wieder abzieht? Oder öffne ich unbewusst die Tür und lasse sie in meine Wohnung tapsen?

Manchmal habe ich Pech, und es ist ausgerechnet eine olle Angst-Mischpoke, die ich in meine heiligen Hallen lasse. Die rülpst und furzt mir dann mein Wohnzimmer mit miesen Gedanken in puncto Altersarmut (Krebs / Klimaveränderung / …) zu. Aber wie das mit der lieben Familie nun mal so ist: Je mehr inneren Widerstand ich leiste, desto tiefer sinkt sie in die Sessel. Da hilft nur: Sich daneben setzen, das Herz öffnen und … beobachten. 

Häufig gelingt es mir während der Meditation jedoch, das Auftauchen einer solchen Gedankenfamilie einfach zu beobachten. Oder sie zu erkennen, während sie einen Fuß in die Tür setzt und ihr dann liebevoll, doch konsequent „Adieu“ zu sagen.  

Während des Tages profitiere ich ungemein von der Kunst, die Dinge vorbei ziehen zu lassen. Es gibt diesen Spruch, sich nicht jeden Schuh anziehen zu müssen, der einem vor die Tür gestellt wird. Ähnlich empfinde ich es mit Gedanken-Familien: Ich muss mich nicht jeder anschliessen, die da gerade um die Ecke kommt. 

Meditation ist für mich Loslassen in Aktion. Sie hilft mir ungemein, Impulsen und Gedanken nicht immer sofort nachzugeben oder sie für bahre Münze zu nehmen.

Möchtest du mehr zum Thema Loslassen erfahren? Klicke hier!

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Alternative zu den Fünf Tibetern: Der „Daily Cat Stretch“ von Thomas Hanna https://fraumomosminimalismus.ch/alternative-zu-den-fuenf-tibetern-der-daily-cat-stretch-von-thomas-hanna/ https://fraumomosminimalismus.ch/alternative-zu-den-fuenf-tibetern-der-daily-cat-stretch-von-thomas-hanna/#respond Sat, 29 Jun 2019 15:08:29 +0000 https://fraumomosminimalismus.ch/?p=3810 Weiterlesen ]]> Sind dir die Fünf Tibeter zu anstrengend oder zu esoterisch? Bist du auf der Suche nach einer minimalistischen Routine, bei der du dich effektiv und auf wohltuende Art und Weise mit den wichtigsten Muskelgruppen deines Körpers auseinandersetzt?

Dann probiere den Daily Cat Stretch aus. Thomas Hanna, der Entwickler des Daily Cat Stretch, verglich diese Übungsserie mit den Streckbewegungen einer Katze, die sich nach dem Aufwachen ausführlich dehnt, um ihre Muskeln zu spüren und zu längen.

Körperübungen nach Hanna Somatics: Ein Reset für Gehirn & Gefühle

Der Daily Cat Stretch ist keine Gymnastik, auch kein Muskel- oder Dehntraining. Das sei zu Anfang klar gesagt. Der Daily Cat Stretch ist viel mehr. Die Übungen verändern das gesamte Muskelsystem. Sie greifen vor allem in die Ansteuerung und in die Kontrolle der Muskeln ein. Und wenn du schon mal einen stressreichen Tag im Büro verbracht hat, dann weißt du, wie schwierig es sein kann, deine angespannte Muskulatur und deine Gefühle abends loszulassen. Der Trick des Daily Cat Stretch: Loslassen über eine Form der Bewegung, die in deinem Gehirn den Reset-Knopf drückt.

Nach Thomas Hanna sind länger anhaltende Muskelverspannungen eine Form von Amnesie. Er nennt das „sensomotorische Amnesie“, weil ein verspannter, schmerzender Muskel nicht mehr willkürlich kontrahiert und entspannt werden kann. Beim Daily Cat Stretch wird der innere Befehl, der bisher zur ständigen unbewussten Anspannung des Muskels geführt hat, verändert. So kann sich der Muskel wieder entspannen und das Gehirn lernt, wie dies funktioniert. Die in den Muskeln eingeschlossenen Gefühle lösen sich.

Mit dem Daily Cat Stretch kommt also so ziemlich alles in Bewegung: Körper, Gehirn und Gefühle. Viel mehr mag ich an dieser Stelle zum theoretischen Background nicht schreiben, – nur noch auf die Literatur hinweisen, in der diese Zusammenhänge beschrieben sind. Dazu gibt es zwei bahnbrechende Bücher, die ich dir ans Herz legen kann:

  • Beweglich sein – ein Leben lang von Thomas Hanna (hier wird der Cat Stretch anhand von Bildern ausführlich dargestellt)
  • Unerklärliche Beschwerden von Helga Pohl

Tipps zum Ausführen des Daily Cat Stretch

Die Übungen des Daily Cat Stretch sehen einfach aus. Sie sind auch einfach. Sie stellen damit Glaubenssätze wie „Nur was schwierig und anstrengend ist, ist effektiv“ in Frage.

Entscheidend ist, die einzelnen Übung achtsam und langsam auszuführen. Es geht nicht im Ansatz darum, wie weit oder schön du dich beispielsweise beugen kannst oder welche Anzahl von Wiederholungen du schaffst.

Richte deine Aufmerksamkeit während der Übungen auf die folgenden Fragen: Welche Muskeln sind an der Bewegung beteiligt? Welche Muskeln werden kontrahiert und welche werden gedehnt? Wann genau beginnt die Kontraktion? Wie fühlt sich das an, wenn der Muskel kontrahiert ist? Und wie fühlt es sich an, wenn er loslässt? Wie fühlt es sich an, wenn der Muskel nicht arbeitet, sondern ruht?

Ich plane für eine Sequenz ca. 15 Minuten ein und praktiziere sie nach dem Aufstehen. Seitdem habe ich mit Morgensteifigkeit nichts mehr am Hut.

Videos zum Daily Cat Stretch

Zum Daily Cat Stretch bzw. zu den einzelnen Übungen von Thomas Hanna gibt es zahlreiche Videos, drei möchte ich hier vorstellen:

Von Helga Pohl (siehe auch die Buch-Tipps weiter oben) stammt ein aktuelles Video zum Cat Stretch in deutscher Sprache. In ihrem YouTube-Kanal findest du außerdem die einzelnen Übungen des Cat Stretch erläutert.

Peter Kanios erklärt in einem zweiteiligen Video den Cat Stretch auf Englisch. Teil 1 und Teil 2. Das Video kommt etwas hemdsärmelig daher, aber ich mag es vor allem, weil Peters „slowly slowly slowly“ mich immer wieder daran erinnert, die Übungen tatsächlich langsam zu machen.

James Knight verbindet Yoga und Hanna Somatics und nennt dies Gentle Somatic Yoga. In diese Yoga-Stunde hat er den Cat Stretch eingebaut (englisch). Er hat außerdem viele Videos zu somatischen Übungen auf seinem YouTube-Kanal.

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Gelesen: „Ich muss nicht alles glauben, was ich denke“ von Serge Marquis https://fraumomosminimalismus.ch/gelesen-ich-muss-nicht-alles-glauben-was-ich-denke-von-serge-marquis/ https://fraumomosminimalismus.ch/gelesen-ich-muss-nicht-alles-glauben-was-ich-denke-von-serge-marquis/#respond Tue, 07 May 2019 12:31:22 +0000 https://fraumomosminimalismus.ch/?p=3750 Weiterlesen ]]> Das Ich kann aus sich nichts Besseres machen. Es kann sich von einem Augenblick zum nächsten verändern, aber es bleibt stets das ich, diese trennende und auf sich selbst bezogene Bewusstseinsaktivität, die hofft, eines Tages etwas zu werden, was sie nicht ist. […] Daher bleibt nur das Endes des Ich.

Dieses Zitat von Jiddu Krishnamurti ist dem Buch Ich muss nicht alles glauben, was ich denke voran gestellt. Der Autor Serge Marquis gibt damit die inhaltliche Richtung vor, denn dieses Buch ist ein flammendes Plädoyer dafür, das emotional aufgeladene Ego, das stets auf der Suche nach etwas Besserem ist, zu erkennen und zurück zu nehmen.

Mein erster Eindruck: Ein handliches Buch. Ich mag es übersichtlich, auch vom Umfang her, dicke Wälzer schrecken mich ab. Das Buch von Serge Marquis ist mit seinen 144 Seiten gut fingerdick. Es ist im Kösel Verlag erschienen und kostet um die 15 Euro. Es enthält dreizehn Kapitel und jedem Kapitel ist ein Zitat voran gestellt. Eines meiner Lieblingszitate: Wenn man nicht Vorwärtskommen will, folgt man am besten einer fixen Idee (Jacques Prévert).

Wenn aus einem Hamster der Zuchtmeister des Leidens wird

Anhand von Alltagssituationen stellt Marquis eingangs dar, wie wir unser Leid erschaffen. Der Klassiker: auf dem WC zu sitzen und nach Erledigung aller Geschäfte festzustellen, dass der/die Vorgänger*in nur die Papprolle hinterlassen hat – ohne Papier. Den inneren Dialog, der losgeht, bezeichnet Marquis als Hamster im Kopf – weil diese Gedankenaktivität alles auf sich ziehen und so schnell rennen kann, das man regelrecht durchdreht: „Das kann sich nicht wahr sein! Warum passiert so etwas immer nur mir? Es ist doch nicht so schwer, eine Klorolle zu wechseln, verdammt noch mal! Dazu muss man doch nicht studiert haben!“ 

Auch wenn ich die Metapher zum Hamster im Hamsterrad nachvollziehen kann, empfand ich diese Wortwahl bis zum Schluss des Buches als nicht passend – wie viele weitere Ausdrücke, die Marquis benutzt: Bestie, seltsames Geschöpf, Grüblerich, Monster, Zuchtmeister des Leidens, hibbeliger Nager, Miststück, Parasit, Blutsauger, lästiges Ungeziefer, Quälgeist, selbsternannter Herrscher der Welt und – last but not least – liebes Ich.

Das Ego mit seiner Sucht nach Anerkennung als Grundübel

Jedenfalls geht es um das Ego, um diese Instanz, die ständig urteilt, vergleicht, beschuldigt, kritisiert, bedauert und die Dinge immer wieder erneut durchkaut. Es geht um das Toben oder auch Jammern im Kopf, das entsprechende Hormonschübe in die Blutbahnen kippt und Muskelanspannungen bewirkt. Es geht um dieses Konstrukt „Ich“, das stets alle Scheinwerfer auf sich selbst gerichtet sehen und wahrgenommen werden möchte:

Statt – wie die Menschen in früheren Zeiten – aufzuschrecken, wenn es Anzeichen dafür gibt, dass man gefressen werden könnte, entwickelt das Ego heute panische Angst bei der Aussicht, ihm könnte die Aufmerksamkeit entzogen (oder gar nicht erst geschenkt) werden und es könnte daran zugrunde gehen. 

Weil das Ego Angst hat, seine Droge zu verlieren, schlägt es Alarm. Stress ist die Folge, permanente Alarmbereitschaft. Im Laufe des Buches bringt Serge Marquis es auf die Gleichung: Keine Bedrohung = keine seelische Spannung = kein Stress. Soll sagen: Wenn man sich nicht mehr davon bedroht fühlt, die Anerkennung anderer zu verlieren oder nie zu erhalten, dann hat man keinen Stress. Weil man weiß, dass nur das Ego bedroht ist, nicht die Person.

Sich zurücknehmen

Marquis‘ universeller Ratschlag: Sich zurücknehmen.

„Keine Sorge, Sie werden nicht verschwinden! Sich zurückzunehmen bedeutet nicht, sein Ego abzutöten. Ihr liebes Ich wird Sie nicht verlassen. Sich zurücknehmen bedeutet, den Augenblick zu ermöglichen, in dem Ihnen bewusst wird, dass Ihr Denken ausschliesslich aus ego-verseuchten Worten und Bildern besteht.“

Der entscheidende Moment des „Sich-zurück-nehmens“ ist der Augenblick des Erkennens, vom ich-bezogenem Denken erfüllt zu sein. Das nennt Marquise Erwachen. Erwachen bedeutet, dass das Bewusstsein seine Aufmerksamkeit ununterbrochen auf den Hamster richtet. Es geht darum, den Hamster als Hamster zu erkennen und sich nicht mit ihm zu identifizieren.

Ich-bezogenes Denken versus bewusstes Denken

Damit das mit dem „Sich zurücknehmen“ klappt, ist es notwendig das ich-bezogene Denken von bewussten Denken unterscheiden zu können:

Ego-Denken strebt nach persönlicher Entwicklung, es redet vor allem von „ich“, „mein“ und „mir“, es will sich selbst Größe und Geltung verschaffen. Es flutet sein Gehirn mit Glückshormonen, weil es sich ausmalt, wie es die künftig die Bestsellerlisten anführt, um im nächsten Augenblick in die Talsohle des Jammertals zu stürzen, weil die Nachbarin nicht gegrüsst hat. Zwischen Größenwahn und „Warum passiert das immer mir?!-Depressionen“ liegt ein schmaler Grad und auf beiden Seiten ist das Ego zu finden.

Bewusstes Denken strebt nach nichts, das Bewusstsein ist ungebunden. Es nimmt Sinneswahrnehmungen auf, schenkt Liebe, zeigt Mitgefühl, genießt das Schöne und widmet sich dem, was dem Leben dient. Das bewusste Denken „ermöglicht es, Kunstwerke zu schaffen, Besorgungen zu machen, Reisen zu planen, „Hallo, wie geht’s?“ zu sagen und vor allem bei der Antwort aufmerksam zuzuhören.

Der Trick ist, das ich-bezogene Denken zu erkennen und es im Blick zu haben, ihm keinen Glauben zu schenken und zum bewussten Denken switchen zu können. Marquise stellt Übungen vor, um sich mittels Atem und/oder Meditation zu zentrieren, eine zentrale Voraussetzung für das „Sich zurücknehmen“. Zudem liefert er ausführliche Beispiele und Schritt-für-Schritt-Anleitungen, was er unter „Sich zurücknehmen“ konkret versteht.

Und was ist mit Psychotherapie und Trauma?

Serge Marquise steht der Psychotherapie tendenziell ablehnend gegenüber: Etliche Formen der Psychotherapie mildern das Leiden jedoch nicht im Geringsten. Weshalb ist das so? Kurz gesagt: weil sie darauf abzielen, dass das Ich sich entwickelt, und nicht, dass es sich zurück nimmt. Er kreidet der Psychotherapie an, dass sie manchmal der einzige Ort ist, an dem der Hamster Anerkennung erhält, und damit letztendlich in seinem hoffnungslosen Bemühen bestärkt.

Nach Marquise kann sich auch ein traumarisierter Geist von den Erinnerungen zumindest zeitweise befreien – indem man in eine andere Form der geistigen Aktivität wechselt und den Bewusstseinszustand der Gegenwärtigkeit annimmt. Trauma sind nach seinem Verständnis Aufzeichnungen:

Wenn in einer angespannteren Situation die Gehirnzellen Faustschläge oder sexuelle Gewalt registrieren, wird das kleine Gehirn alles unternehmen, damit solche Misshandlungen sich nicht wiederholen. Das ist eine normale Reaktion. Jede Form von Leben versucht Leid zu vermeiden. Da hilft unter anderem die Erinnerung, indem sie Angenehmes präsent hält und das Leiden ausblendet. Problematisch wird es […], wenn das ichbezogene Denken den Film mit den Faustschlägen und er sexuellen Gewalt ständig wiederholt und dadurch in die Falle der Identifikation tappt. Mit anderen Worten: Aus dem Trauma wird ein traumarisierter Mensch, die Wunde wird zum Ich.

Mein Fazit

Allen, die das Streben nach Selbstverwirklichung, Persönlichkeitsentwicklung und individuellem Erfolg zum Mittelpunkt ihres Lebens gemacht haben, ist dieses Buch ein rechter Dolchstoss mitten ins Ego. Das Lesen kann den Hamster ganz schön in Rage bringen.

Das Buch bewegt sich mit seinen Inhalten um eine Kernfrage des Lebens herum: Das Ich stärken oder es loslassen – die Wahl zwischen diesen beiden Wegen ist die bedeutendste und vordringlichste Entscheidung, die die Menschheit treffen muss. Wenn du dich mit dieser Frage auseinandersetzen möchtest, kann dir dieses Buch dienlich sein.

Gewöhnungsbedürftig fand ich die Sprache, die mich manchmal daran hinderte, wirklich offen für die Inhalte zu sein. Oft empfand ich sie als übertrieben geschwollen und pauschalisierend. Vielleicht liegt dies an der Übersetzung aus dem Französischen, das kann ich nicht beurteilen.

Als hilfreich empfand ich die klare Unterscheidung zwischen bewusstem Denken und ich-bezogenen Denken, wie auch weitere Unterscheidungen, die er fällt: „Erregt sein“ bedeutet beispielsweise nicht „Am Leben sein“. Es gibt eine Menge Menschen, die dies verwechseln; die das aufgeregte Treiben des Egos in all seinen Facetten (Erfolg haben wollen, gesehen werden wollen, unterwegs sein) als Lebendigkeit definieren. Genau so wie häufig „ganz im Augenblick leben“ verwechselt wird mit „alles haben, alles machen, alles sofort“.

Weitere Zitate aus dem Buch

Die Annahme, das Glück beruhe auf individuellem Erfolg, ist eine Illusion, die den Weg zum Glück versperrt.

Sich selbst zurücknehmen bedeutet, wieder die einfachen Dinge des Lebens zu suchen und sie mit ruhigem Gemüt in vollen Zügen auszukosten.

Kompetenz drückt sich darin aus, wie sehr man sich zurück nehmen kann.

Eine Illusion bleibt eine Illusion, selbst wenn sie wächst.

Das Leben hat es nicht nötig, sich einzigartig zu fühlen.

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Alle kursiv gesetzten Wörter sind Zitate aus dem Buch.

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Gelesen: „Hinsetzen loslassen glücklich sein“ von Elisabeth und Sukey Novogratz https://fraumomosminimalismus.ch/gelesen-hinsetzen-loslassen-gluecklich-sein-von-elisabeth-und-sukey-novogratz/ https://fraumomosminimalismus.ch/gelesen-hinsetzen-loslassen-gluecklich-sein-von-elisabeth-und-sukey-novogratz/#respond Thu, 25 Apr 2019 06:28:15 +0000 https://fraumomosminimalismus.ch/?p=3724 Weiterlesen ]]> Zu diesem Buch muss ich gar nicht viel schreiben – außer: Lies dieses Buch!

Es geht um Meditation. Um Altare, Dharma-Talks, die großen drei Dämonen Sucht, Angst und Depression, Einfluss der Meditation auf Telomere, Stimmungsschwankungen, Glückstrigger, Mudras & Mantras, Kopfkino und die Frage, wer mit dir seine Geheimvorräte Schokolade an einem Retreat teilt.

Der eigentliche Bringer ist aber die Gestaltung des Buches: Bunt, fast comicartig, kurzweilig, unterhaltsam, sanft provozierend, wissend, locker-flockig und irgendwie etwas anmaßend – ohne abzugleiten in f*ck it-Botschaften.

Unter all den zahlreichen liebevoll aufbereiteten Informationen liegt eigentlich nur eine Botschaft:

Setz dich hin, fang mit dem Meditieren an und zieh es durch, egal was passiert!

Das Blättern und Lesen in dem Buch macht Lust. Lust auf Meditation. Es ist wie eine Speisekarte, bei der einem das Wasser im Munde zusammenläuft, wenn man sie liest.

Wer den letzten Anstupser zum regelmässigen Meditieren braucht und keine Bleiwüsten lesen möchte, ist mit diesem Buch gut beraten.

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Sein altes Ich einfach sterben lassen?  https://fraumomosminimalismus.ch/sein-altes-ich-einfach-sterben-lassen/ https://fraumomosminimalismus.ch/sein-altes-ich-einfach-sterben-lassen/#respond Thu, 11 Apr 2019 09:59:15 +0000 https://fraumomosminimalismus.ch/?p=3635 Weiterlesen ]]> „Wenn Sie Ihr Leben beenden wollen, dann beenden Sie doch Ihr Leben. Aber dafür müssen Sie doch nicht sterben. Beenden Sie Ihr Leben hier und gehen Sie weg.“

Das sagt in dem Film „Gegen die Wand“ der Arzt einer psychiatrischen Klinik zum lebensmüden Cahit Tomruk. Cahit reagiert zynisch: „Darf ich mal was sagen, Herr Doktor?! Sie haben doch voll den Knall, oder?“ Der Arzt lächelt darauf hin.

Sein Leben beenden. Indem man weggeht.

Meine Mutter arbeitete lange Zeit in einer leitenden Position. Wenn eine Mitarbeiterin kündigte, um ambitioniert woanders eine neue Stelle anzutreten (bei der dann natürlich alles viel besser sein sollte) pflegte sie lakonisch zu sagen: „Du kannst gehen wohin du willst, du nimmst dich selbst doch immer mit.

Ist das so? Verheddern wir uns immer wieder in den Fängen des „alten“ Ichs?  Oder können es zurück lassen wie eine Haut, die wir ein für alle Mal abstreifen? 

Fake it until you make it?

Auf der gymnasialen Oberstufe belegte ich „Psychologie“ als Wahlpflichtfach. In diesem Kurs lasen wir den Bericht einer Therapie, von der Therapeutin verfasst. Die Klientin ist eine verheiratete Lehrerin in ihren 30ern, die bulimisch ist. Laut der Therapeutin sind die Ess-Brech-Anfälle ihrer Klientin eine dysfunktionale Strategie, fehlendes Selbstbewusstsein zu kompensieren. Statt ihre Bedürfnisse zu leben, schlucke die Lehrerin diese hinunter. Das könne nicht funktionieren, deshalb müsse sie diese dann wieder erbrechen.

In Rahmen der Therapie bekommt die Lehrerin den Auftrag, einen Tag lang die selbstsichere Frau zu simulieren, die sie gerne wäre. Nach diesem Tag berichtet die Lehrerin enthusiastisch, wie sie mit einem Mal souverän vor ihrer Klasse stand. Ihre Schüler waren ruhiger und aufmerksamer. Sie selbst sprach im Unterricht freier, weil sie sich nicht mehr krampfhaft an ihren Unterrichtsvorbereitungen festhielt. Es wurde sogar ungezwungen gelacht – das hatte es so zuvor nicht gegeben. Und das war erst der Anfang eines Tages, an dem vieles anders verlief als sonst. 

Die Therapeutin ist erfreut, als ihre Klientin von diesem Tag berichtet. Und mahnt sogleich: Dies sei nicht die Realität, sondern nur ein Fake (wie man heute dazu sagen würde). Deshalb sei es nun wichtig, die vermeintlich selbstbewusste Frau wieder ziehen zu lassen. In naher Zukunft würden sie zunächst  an den Ursachen der Bulimie arbeiten, um dann step by step ein „echtes“ Selbstbewusstsein aufzubauen.

Mir ist damals beim Lesen des Berichts klar geworden, dass wir in einer gewissen Hinsicht unsere Probleme jeden Morgen aufs Neue konstruieren, obwohl wir sie los werden möchten. Irgendwo habe ich gehört, dass der Entscheid, eine Psychotherapie zu machen, genau genommen der Plan ist, sein Problem erneut zu erleben.

Also, – heißt das nun für mich, jeden Morgen aufzustehen in dem festen Vorhaben, ab heute der Mensch zu sein, der ich sein will? Zunächst hatte ich damals den Eindruck, das könne funktionieren. Ausserdem unterstellte ich der Therapeutin, dass sie ihre Klientin aus Sorge um ihr eigenes Einkommen zurück pfeift.

Gewohnheiten und Routinen: Andocken an das Ich der Vergangenheit

Über die Jahre, in denen ich mich und andere Menschen besser kennen lernte, hat sich mir eine andere Interpretationsmöglichkeit für das Verhalten der Therapeutin eröffnet. Ich frage mich, ob sie ihre Klientin kurzfristig vor Enttäuschung und langfristig vor einem neuen Desaster schützen wollte. Weil sie um die Macht der Gewohnheiten weiß und weil sie sicherstellen will, dass ihre Klientin nicht ein destruktives Muster durch das nächste ersetzt. 

„Veränderung bedeutet, die Gewohnheit aufzugeben, man selbst zu sein.“ Dr. Joe Dispenza

Die Crux bei Veränderungen ist, dass wir quasi aus Gewohnheiten bestehen. Wir Menschen funktionieren zum allergrössten Teil in unbewussten Routinen, das ist für unser Gehirn energiesparend und effizient. Müssten wir über alles, was wir tun, bewusst nachdenken, kämen wir nicht vom Fleck. 

Eine innere Haltung – wie etwa „nicht selbstbewusst sein“ – ist eine miteinander verschaltete Gruppe von verschiedener Gedanken, die in uns in gewohnter Art und Weise emotionale Reaktionen und konditionierter Verhaltensweisen bewirkt. So eine Haltung mag destruktiv sein, es fühlt sich dennoch vertraut an und vermittelt damit eine spezifische Form der Sicherheit. Sie zu verändern heisst, einen Teil von vertrauten Gedanken, Emotionen und Handlungen aufzugeben und sich auf Neues einzulassen, das noch nicht bekannt ist. Wir haben in unserem Erfahrungsgedächtnis keine Referenz dazu abgespeichert und probieren etwas aus, von dem wir denken, es müsste sich so oder so anfühlen.

An dieser Stelle gilt es achtsam zu sein, welches neue Verhalten wir uns antrainieren, welche neue Gruppe von Gedanken wir als wahr anerkennen. Denn wer möchte – ich formuliere das überspitzt – vom sorgfältigen Mauerblümchen zum konzeptlosen Schwätzer mutieren?

Sein Leben an einem neuen Ort beenden 

Wenn das Ich zu einem großen Anteil aus Gewohnheiten besteht, dann können wir es nicht wie eine Haut abstreifen, ohne tatsächlich zu sterben. Das einzige was möglich ist, ist ein längerer Häutungsprozess. Und dieser Häutungsprozess wird an einem neuen Ort begünstigt. Denn wenn man sein Leben beendet und weggeht, dann werden alleine durch den Ortswechsel zahlreiche alte, eingefahrene Muster durcheinander gebracht. Es ist eine Chance, sie durch konstruktivere zu ersetzen.

In dem Sinne erscheint der Rat des Psychiaters nicht verkehrt. Vielleicht lächelt er deshalb still vor sich hin – er weiß, dass er keinen Knall hat.

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Bildnachweis: Pixabay.com

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Gedanken zur Sterbebegleitung

Sterben ist eine Erfahrung, der sich niemand entziehen kann. Wir sind alle Sterbende. Jeden Tag wachsen wir dem Sterben entgegen. Uns trennt nichts von Menschen, die sterben – außer dem Zeitpunkt (und selbst das ist gar nicht mal so gewiss). 

Der Journalist Roland Schulz schreibt: „Der moderne Mensch denkt über den Tod wie über den Weltraum: Er existiert zweifelsohne irgendwo da draussen – aber im tiefsten Herzen sind wir sicher, niemals durch seine Dunkelheit zu wandeln.“*

Das ist einer der Hauptgründe, mich mit Sterbebegleitung auseinanderzusetzen: Ich denke, dass wir diejenigen, die jetzt auf ihrer Reise in den intergalaktischen Raum sind, nicht alleine lassen sollten. 

Andreas Heller, Professor für Palliative Care an der Universität in Graz, drückt es so aus (und von ihm habe ich mir die Überschrift zu diesem Beitrag ausgeliehen):

„Was uns alle angeht, müssen wir alle miteinander angehen.“

Werden Menschen nach ihren Ängsten bezüglich des Sterbens befragt, dann ist die Angst vor Einsamkeit eine der prägnantesten und am häufig genanntesten. Dabei geht es um den Wunsch nach spürbarer Nähe und Solidarität sowie nach der Bereitschaft, wahrhaftige Gespräche zu existenziellen Fragen führen zu können. Doch sich mit Sterbenden auseinanderzusetzen, ihnen mit Zuwendung letztendlich das zu geben, wovor man selbst Angst hat (nämlich keine Zuwendung am Lebensende zu erhalten), dazu sind viele Menschen nicht bereit. Das ist eine große, kollektive Ambivalenz im Umgang mit dem Thema Sterben. 

„Ich habe keine Angst vor dem Sterben. Ich möchte bloss nicht dabei sein, wenn es passiert.“ Woody Allen

Psychische und physische Stärke, scheinbar unendliche Möglichkeiten der Selbstverwirklichung und Autonomie sind zentrale Werte unserer heutigen Gesellschaft. Moderne Sterbebegleitung beinhaltet die Möglichkeit, eine Kultur zu entwickeln, die auch mit ihren Gegenteilen umgehen kann: Eine Kultur, die Schwäche, Endlichkeit und Abhängigkeit nicht per se als Defizit definiert. Eine Kultur, die das Sterben wieder als fassbaren, spürbaren, sichtbaren Teil des Lebens in den Alltag integriert. Darin zeigt sich die wahre Flexibilität und Agilität einer Gesellschaft.

Roland Schulz beschreibt die kollektive Hilflosigkeit und Verunsicherung im Umgang mit Sterbenden aus Perspektive eines Betroffenen:

„Du spürst, wie deine Stellung verrückt. Menschen beginnen, auf dich anders zu reagieren, in Worten, in Taten, besonders in Gedanken. Diese verstohlene Rücksicht. Dieses unterdrückte Unbehagen. Das hektische Überspielen. Es fühlt sich an, als hätten sie auf einem Schlag verlernt, auf natürliche Weise mit dir umzugehen. Du kannst dabei zusehen, wie deine Krankheit, den Kreis deiner Freunde und Kollegen verformt. Manche meiden dich. […] Manche bestürmen dich. […] Die meisten Menschen in deinem Umfeld sind sich jedoch überhaupt nicht sicher, wie sie mir dir umgehen sollen.“*

Experten der Palliative Care empfehlen eine innere Haltung der Wahrhaftigkeit im Umgang mit Sterbenden. Eine Wahrhaftigkeit, die nach Ehrlichkeit strebt und sich transparent macht. Die für das, was dann zum Vorschein kommt, einsteht. Sich selbst und dem anderem gegenüber.

Aus meiner Sicht beinhaltet dies, eine Direktheit oder Unmittelbarkeit im Umgang mit Menschen zu erlernen, die weder verletzend, unhöflich noch brachial ist. Sondern die sich aufrecht, fein und achtsam an dem orientiert, was gerade ist. Die die Freiheiten und Schönheiten entdeckt, die sich offenbaren, wenn keine unbehaglichen Spielchen des Beschönigens oder Zurechtbiegens mehr gespielt werden. 

In Kontakt mit Sterbenden zu sein, heißt gleichzeitig in Auseinandersetzung mit der eigenen Vergänglichkeit und Vulnerabilität zu sein. Die Lyrikerin Hilde Domain drückt dies so aus: 

Unterricht

Jeder der geht
belehrt uns ein wenig
über uns selber.
Kostbarster Unterricht
an den Sterbebetten.
Alle Spiegel so klar
wie ein See nach großem Regen,
ehe der dunstige Tag
die Bilder wieder verwischt.

Nur einmal sterben sie für uns,
nie wieder.
Was wüßten wir je
ohne sie?
Ohne die sicheren Waagen
auf die wir gelegt sind
wenn wir verlassen werden.
Diese Waagen ohne die nichts
sein Gewicht hat.

Wir, deren Worte sich verfehlen,
wir vergessen es.
Und sie?
Sie können die Lehre
nicht wiederholen.

Dein Tod oder meiner
der nächste Unterricht:
so hell, so deutlich,
daß es gleich dunkel wird.

Hilde Domin (1909 – 2006)

* Die Zitate stammen aus dem Buch So sterben wir – Unser Ende und was wir darüber wissen sollten von Roland Schulz

Bildnachweis: Pixabay (www.pixabay.com)

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