frau momos minimalismus

Ein vollkommener Moment

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Ich sitze in der S-Bahn. Mir gegenüber, am Fensterplatz, sitzt eine junge Frau. Sie trägt Kopfhörer in den Ohren, hört wahrscheinlich Musik, genau weiß ich es nicht. Sie schaut aus dem Fenster.

Da bemerke ich, dass der Frau die Tränen in die Augen steigen. Sie schaut weiterhin aus dem Fenster, bewegt sich nicht, sitzt einfach ruhig da. Nur in ihren Augen sehe ich prall, dick und glänzend Tränen. Ich schaue zweimal hin, um mich zu vergewissern, dass es wirklich Tränen sind.

Ich werde unruhig. Ich bin gerührt. Ich überlege, sie anzusprechen und zu fragen, ob ich etwas für sie tun kann, ob sie Hilfe braucht. Ich wühle in meiner Tasche und stelle erleichtert fest, dass ich Taschentücher dabei habe. Ich ziehe eines aus der Packung und halte es in meiner Hand parat, um es ihr geben zu können, sobald die Tränen sich aus den Augen lösen und die Wangen hinunter laufen.

Aber keine Träne löst sich. Die Frau sitzt nach wie vor ruhig da, fast gelassen scheint sie in sich zu ruhen, hat ihre Haltung nicht verändert. Ihr Blick wird wieder klar. Ein sind subtile, kaum erkennbare Veränderungen, die in ihrem Gesicht vorgehen. Auf einmal sind die Tränen nicht mehr da.

Auch meine Sicht auf die Situation wird klar: Dieser Augenblick ist vollkommen. So wie er ist. Ein Gefühl taucht auf, ist da und geht wieder. So einfach. Und ich brauche nichts zu tun.

2 Kommentare

  1. Liebe Barbara

    Habe soeben angefangen auf deiner Seite zu stöbern 🙂 Die Geschichte von der Frau im Zug ist wunderschön und hat mich in der Seele berührt! Freue mich auf weitere Texte!

    Herzlich, Pamela

    • Liebe Pamela

      Freut mich, dass dich mein Text berührt hat … es war auch ein wirklich berührender Moment.

      Herzlich, Barbara

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