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Ein Kessel Minimalismus

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Nachlese zum Minimalismus-Treffen 2015 in Frankfurt

All die Menschen einmal kennenzulernen, die seit gut einem Jahr mit ihren Tweets und Blogbeiträgen mein Leben bereichern, das ist mein Hauptanliegen, um an einem sehr heissen Wochenende im Juli von Zürich nach Frankfurt und zurück zu hüpfen.

Die persönlichen Kontakte sind entscheidend

Ich reise am Freitagabend mit dem Fernbus an. Meine Stau-Erfahrung versüsst mir @sadfsh mit seinen Tweets und eine fünfköpfige Mädchengruppe, die hinter mir sitzt und giggelnd-prustend eine Ausgabe der BRAVO diskutiert. Hat schon Unterhaltungswert, das muss ich sagen.

Da mehrere TeilnehmerInnen des Treffens sich im gleichen Hotel eingebucht haben, findet schon Samstagmorgen ein ungeplantes Minimalisten-Frühstück satt. Dank der Medien-Präsenz von Michael kennen ihn viele vom Sehen und steuern automatisch seinen Tisch an. So lerne ich zwei Studentinnen kennen, denen das Treffen so wichtig ist, dass sie trotz Abschlussarbeits-Stress daran teilnehmen. Und ich erfahre etwas über das intermittierende Fasten – irgendwie ja auch eine Art des Minimalismus.

Das ist übrigens eines meiner persönlichen Highlights: Die vielen TeilnehmerInnen, die in dem Hotel übernachten, das praktischer Weise neben einem Biergarten liegt. Das ermöglicht rund um das Treffen herum einen regen Austausch und interessante Gespräche in entspannter Atmosphäre und bildet einen wichtigen Rahmen für mich. Wäre ich nur auf das Treffen im Kesselhaus gegangen, wäre das Wochenende wohl nicht so bereichernd gewesen.

Ein Kesselhaus voller Minimalisten

Es sind dann so 50 Menschen, die sich im dankbar schattigen Kesselhaus treffen. Ein paar TeilnehmerInnen fallen sich wiedererkennend herzlich grüssend in die Arme, andere stehen verlegend lächelnd da. Wie das nun mal so ist. Langsam bilden sich zufällige kleine Grüppchen, man kommt ins Gespräch.

Es gibt keine Leitung, keine offizielle Begrüssung oder Anmeldung. Svenja hat liebevoll selbstgebastelte Wascheklammer-Namenskärtchen mitgebracht. Finn, dem wir die Location verdanken, läuft erklärend hin und her. Ich picke mir die Leute heraus, die ich kennenlernen möchte und stelle mich vor.

Ich hab’s ja grundsätzlich lieber einen Tick organisierter, mit klarem Programm und so, aber für sechs Stunden halte ich das schon noch aus. Irgendwie ist dieses Unorganisierte ja auch ein wenig charmant. Und zugleich steckt ja dennoch viel Organisation in dem Treffen drin, das ein Grüppchen engagierter Minimalisten auf die Beine stellte.

Nostalgisches im Kesselhaus

Nostalgisches im Kesselhaus

Minimalisten in spontaner Aktion

Michael macht eine Ansage, dass zwei Teilnehmer Lust haben, einen Vortrag zu halten. Es wird kurz andiskutiert, ob wir nicht eine Vorstellungsrunde machen wollen, aber es wird klar, dass das bei 50 Leuten zeitlich ziemlich ausarten könnte.

Es folgt deshalb ein spontanes Stellen auf dem Hof – zunächst nach Regionen, damit man sich mit den Menschen aus seiner Stadt bzw. seinem Landstrich vernetzen kann. Dann stellen wir uns nach Bloggern und Nicht-Bloggern auf und die Blogger stellen sich kurz einzeln vor.

Es gibt ein Foto für das Magazin Restkultur (hier geht es zum Foto und zum Beitrag) und schliesslich beginnen die Vorträge zu den Themen „Digitales Arbeiten“ und „Leben ohne Kühlschrank“. Schlagartig wird der Vorraum leer und ich geniesse fortan mit ein paar anderen Leuten den Austausch im kleineren Rahmen.

Es geht nicht nur ums Entrümpeln

Worüber quatschen denn Minimalisten nun so? Das lässt sich so pauschal natürlich nicht beantworten. Hier einfach ein paar Stichpunkte zu Diskussionen, an denen ich beteiligt war oder denen ich zuhörte.

Die Frage nach der ökonomischen Verwertbarkeit der eigenen Fähigkeiten, Stärken und Interessen. Auch Arbeiten genannt. Insbesondere die Studenten treibt die Frage: Quo vadis nach dem Studienabschluss?

Rationalisierung und Veränderung von Arbeitsplätzen aufgrund Digitalisierung und die Folgen für die Kunden – ausgiebig diskutiert am Beispiel von Bibliotheken. Denn unter unter Minimalisten befinden sich viele Leseratten, die intensiven Gebrauch von Bibliotheken machen und die die neusten Entwicklungen tagtäglich hautnah miterleben: Angefangen bei der Selbstausleihe von Medien, bei der die Kundin selbst prüfen muss, ob alle Beihefte, Booklets, CDs etc. vollständig enthalten sind und ob man sich korrekt wieder ausgeloggt hat, über die Selbstverwaltung der Ausleihen bis zur Rückgabe, bei der es manchmal ein reines Glücksspiel ist, ob die Maschine die Medien richtig erkennt. Bibliothekare sind von all diesen Aufgaben entlastet und ist zunehmend damit beschäftigt, Menschen dieses System zu erklären.

No Poo. Das steht dafür, kein Shampoo zu benutzen. Ausführlicher und sehr spannender Bericht einer Teilnehmerin mit zahlreichen Nachfragen der meist weiblichen ZuhörerInnen.

Leistung – Leistungsfähigkeit – Leistungsbereitschaft. Was ist eigentlich Leistung? Habe ich nur etwas geleistet, wenn ich abends erschöpft ins Bett sinke? Wer gilt in unserer Gesellschaft als leistungsfähig? (Es gab eine Teilnehmerin, in deren Organisation Mitarbeiter über 40 Jahren als nicht mehr leistungsfähig gelten). Zu welcher Leistung bin ich bereit?

Erfahrungen mit dem Bloggen. Wie rege ich als BloggerIn zu Austausch und Diskussion auf meinem Blog an? Wie gehe ich mit kritischen Kommentaren um? Was für E-Mails erhält man von seinen LeserInnen so? Lasse ich mich auf Produkttests und Werbung ein und welche Folgen hat das?

Ausklang

So langsam verläuft sich das Treffen. Ich lasse den Tag in minimalistischer Runde im Biergarten ausklingen und geniesse das gemeinsame Abschiedsfrühstück am nächsten Morgen.

Auf der Rückfahrt darf ich wieder eine Stau-Erfahrung machen. Ich lasse das Treffen im Geiste Revue passieren.

Was mir total gefallen hat: Der Eindruck, den ich vorher von einzelnen Personen via Twitter oder Blog-Beiträgen bekommen hatte, stimmt mit der Person überein, die ich dann kennenlernen durfte. Authentizität – ein arg strapazierter Begriff – ist offensichtlich ein klarer Pluspunkt der minimalistischen Netz-Gemeinde.

Was ich für mich mitnehme?

  • Ich habe so richtig Lust bekommen, endlich meinen Dachboden in Sachen Entrümplung in Angriff zu nehmen.(Dazu müssen die Temperaturen aber noch dauerhaft sinken).
  • Meine Lust auf persönlichen Austausch ist gestiegen und ich freue mich, wenn wir einen Stammtisch im Grenzgebiet Deutschland – Schweiz hinbekommen.

Mein Dank geht an Svenja, Marc, Anja, Inka, Pia, Michael, Mareike, Julia, Nele, Sascha, Finn, Ina, Gabi, Claudia und Andrea. You made my weekend!

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