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Digitaler Minimalismus: Drei praxisbewährte Anregungen

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Smartphone & Co. achtsam nutzen. Vor allem: sich nicht benutzen lassen

Der Minimalismus-Stammtisch für die Region Süddeutschland/Schweiz fand in diesem Jahr dreimal statt. An allen drei Treffen wurden Fragen rund um die Handhabung von Smartphone, E-Mails & Co. ausgiebig diskutiert. Der Wunsch, kein „Smartphone-Junkie-Dasein“ zu fristen und dennoch am digitalen Leben teilzunehmen, ist unüberhörbar. Wir Stammtisch-Mitglieder haben diese Art von Gesprächen unter dem Begriff „Digitaler Minimalismus“ zusammengefasst.

Das Thema „Digitaler Minimalismus“ umfasst noch weitere Aspekte, wie beispielsweise die Digitalisierung von Andenken (Bilder, Briefe) oder die Gestaltung der digitalen Ablage.

In diesem Beitrag greife ich einfach mal drei Tipps für einen achtsamen Umgang mit dem Smartphone und mit E-Mails heraus. Sie funktionieren bei mir gut und bringen deutlich mehr Zentrierung in mein Tun.

Anregung 1: Im Flugmodus verweilen

Über weite Strecken des Tages schalte ich mein Smartphone in den Flugmodus. Und nachts sowieso. Während der Arbeit oder anderen Tätigkeiten, bei denen ich meine ungeteilte Aufmerksamkeit schätze, bin ich auf diese Weise frei von Benachrichtigungstönen. Zwischendurch checke ich in regelmässigen Abständen, ob SMS, Anrufe, private E-Mails oder WhatsApp/Threema-Nachrichten eingegangen sind.

Es gibt mittlerweile Tage, an denen mein Handy weitaus längere Zeit im Flugmodus geschaltet ist als im normalen Modus. Grundsätzlich gehe ich mit dem Flugmodus jedoch flexibel um, denn ich habe durchaus Zeiten, in denen ich erreichbar sein möchte oder in denen ich ausgiebig chatte. Primär ist mir wichtig, aus dem „Always on“ heraus zu kommen und spielerischen Umgang mit meiner Erreichbarkeit zu erproben.

Warum nutze ich den Flugmodus und stelle mein Smartphone nicht lautlos?

Das Gute am Flugmodus ist, dass mein Gegenüber bei WhatsApp oder Threema sieht, ob die Nachricht zugestellt wurde oder nicht. Damit gebe ich ein Zeichen meiner Kommunikationsbereitschaft und -möglichkeit.

Anregung 2: Social-Media-Apps vom Smartphone löschen

Die Social-Media-Netzwerke bediene ich alle vom heimischen MacBook Air aus. Ich weiß, das klingt für einige Menschen undenkbar. Ich habe die Twitter- und Facebook-Apps von meinem Smartphone gelöscht und bei Instagram die Benachrichtigungsoption ausgeschaltet. Meistens schaue ich abends in die Netzwerke, oft mit einer klaren Zeitbegrenzung und mit meiner vollen Aufmerksamkeit.

Dies ist ein probates Mittel gegen das Smombie-Dasein im Alltag. „Smombie“ setzt sich aus den Begriffen „Smartphone“ und „Zombie“ zusammen. Mit Smombies sind Menschen gemeint, die durch den ständigen Blick auf ihr Smartphone ihre Umgebung kaum noch wahrnehmen.

Zudem dient es meinem Zeitmanagement, denn der Aufenthalt bei Twitter, Facebook & Co. kann zeitintensiv und zerstreuend sein. Posts oder Tweets enthalten vielversprechende Links, ständig wird mir angezeigt, wer auf was reagiert hat, was in der Zwischenzeit passiert ist und was mich noch interessieren könnte. Wie ich früher beim Zappen vor dem TV hängen blieb, kann mir Ähnliches heute mit dem Klicken durch die Netzwerke passieren. Ein klarer zeitlicher und örtlicher Rahmen hilft mir, mich gezielter in der digitalen Welt zu bewegen und rechtzeitig auszusteigen.

Auf diesem Weg überlege ich mir auch gründlicher, mit welchen eigenen Beiträgen ich meine Timeline beglücken will und mit welchen nicht. Denn die fehlenden Apps verhindern, dass ich das, was ich erlebe, sofort fotografiere und teile.

Anregung 3: Lernen, nicht immer sofort zu reagieren

In der Meditation lerne ich, Gedanken kommen und gehen zu lassen. Ich übe mich im „Nicht-Reagieren“. Im Yin Yoga lerne ich, Stellungen lange zu halten, auch entgegen dem Impuls, die Haltung zu wechseln. Genau so kann ich lernen, auf Benachrichtigungstöne und E-Mails nicht immer unmittelbar zu reagieren.

Wozu ist das nützlich? Ziel ist, bewusst eine als ungünstige erkannte Gewohnheit zu unterlassen. Zum Beispiel auf einen Benachrichtigungston hin nicht sofort das Handy in die Hand zu nehmen und die gewohnte Streichbewegung zu machen. Dieses Innehalten und bewusste Unterlassen ist eine Schlüsselfähigkeit für die Änderung von Gewohnheiten. Das beinhaltet das Wahrnehmen und Aus-Halten von eher unangenehm empfundenen Gedanken und Gefühlen wie „Was denkt der/die von mir, wenn ich nicht sofort reagiere?“ oder der Spannung des Noch-Nicht-Wissens, was da gerade ins Postfach flatterte.

Weiterhin ist es interessant zu erfahren, dass meine erste, spontane Reaktion auf eine Nachricht eine andere sein kann, als wenn ich mir mit der Antwort mehr Zeit lasse. Während die erste Reaktion eher eine emotionale ist, redet bei einer „verzögerten“ Antwort der Verstand noch ein Wörtchen mit. Das ist für manche Situation gar nicht verkehrt.

Dies sind meine drei Anregungen in puncto digitaler Minimalismus. Und eigentlich gibt es noch eine vierte, die ich nur kurz erwähnen möchte: Sei bereit, etwas zu verpassen und frage dich hinterher, wie schlimm das für dein Leben gewesen ist.

3 Kommentare

  1. Hey Barbara,
    ja ich kenn das gut mit dem Lernen, nicht sofort reagieren zu müssen. Leider hab ich den Dreh noch nicht so raus, aber ansonsten läuft es ganz gut nicht dauerhaft „online“ sein zu müssen, da ich einen Job habe, in dem ich eben dauerhaft online bin. Da könnte man eine Statistik drüber anfertigen wie schnell die Menschen eigentlich auf meine Mails reagieren. Ziemlich schnell. Das ist heftig! Danke für die Punkte, die du aufgezählt hast, da kann ich für mich nochwas lernen. 😀

    Liebe Grüße
    Saso

  2. Bisher löse ich all diese Probleme auf eine einfache Weise: Ich habe kein Smartphone.

    Ich klebe tagtäglich genug vor dem Rechner, und leider dort auch in den sog. sozialen Medien. Das auch noch unterwegs? Das wäre schlimm.

    Das Digitiale ist heimlich sowieso der Feind des Minimalismus. Was nützt mir ein zen-aufgeräumtes Zimmerchen mit weißen Wänden, wenn meine Festplatte zugemüllt ist? Dass man für nahezu alle Tätigkeiten heute nur noch einen Rechner braucht, ist nur vordergründig überschaubarer.

    Und was das verpassen angeht: Während man schwer was verpasst, wenn man offline ist, verpasst man gerne mal sein Leben, wenn man nur noch online rumhängt.

    • Hallo Niels, vielen Dank für deine Zeilen.

      Klar, minimalistisches Leben findet nicht nur im Materiellen statt. Überbordender Online-Konsum, ein übervoller/überaktiver Mind oder auch emotionaler Ballast … alles loslass-fähig und -würdig. 🙂

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