frau momos minimalismus

Kreativ & produktiv schreiben mit Zeitbudgets

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Die Eieruhr als Perfektionismuskiller

Gerne arbeite ich so lange an einem Text, bis er wirklich perfekt ist. Bis bis sich selbst die Satzzeichen flüssig lesen. Ich schaffe dann im „Es dauert so lange wie es dauert“ – Modus. Dieser Modus ist mein persönliches Nonplusultra.

Das Gute an diesem Modus: Er macht mir irre viel Spass. Das Schlechte an diesem Modus: Er kostet irre viel Zeit. Und spätestens wenn man, wie ich, mit Schreiben einen Teil seines Einkommens bestreiten will, muss man zwingend auch weitere, andere Strategien zum Schreiben anwenden können – weil mein zeitintensives, persönliches und perfektionistisches Nonplusultra, das zahlt mir niemand.

Deshalb habe ich meine Arbeitsweise geändert. Wobei ich mir schon noch ein paar „Es dauert so lange wie es dauert“-Projekte zur reinen persönlichen Freude erhalte. Und dies ist die Geschichte davon, wie mir das gelungen ist.

Konzipieren mit der Eieruhr

Sommer 2014: Bei Gitte Härter, meinem Schreibcoach, mache ich einen Eintages-Online-Workshop. Und da soll ich mir für die Konzeption eines Textes tatsächlich die Eieruhr stellen und die Konzeption in nur 15 Minuten schreiben. In 15 Minuten – wo ich doch sonst gerne tagelang an einer Textidee herumbastle! Jedes Nackenhaar stellt sich bei mir einzeln auf.

Also stelle ich mir den Timer, beginne zu konzepieren, ignoriere den Timer geflissentlich, als er klingelt, hacke weiter wild auf meiner Tastatur herum und dann fragt Gitte auch schon nach: „Ich will ja nicht drängeln, aber Du müsstest mit deiner Konzeption doch schon fertig sein. Schick‘ mir mal, was du bis jetzt hast.“ Also sende ich ihr mein Werk zu. Und obwohl ich das Gefühl habe, alles in einem gewaltigen Schweinsgalopp erledigt zu haben, bei dem Vieles links und rechts liegen geblieben ist, ist das Ergebnis am Ende richtig gut.

Mir gefällt die Erfahrung, nicht so lange zu schreiben, wie ich schreibe, sondern mir ein Thema zu überlegen, die Eieruhr zu stellen und dann – zack! zack! zack! – mein Wissen dazu abzurufen. Auf den Punkt zu arbeiten. Ich merke, wie sich alles in mir alles sortiert, ich mich auf das Wesentliche konzentriere und dies kreativ aufs Blatt bekomme. Echt knorke!

Eieruhr-Prinzip Nr. 1:
Zeitbudgets helfen, Prioritäten zu bilden & Wissen punktgenau und kreativ abzurufen

Ein Zeitbudget setze ich mir zukünftig nicht nur für die Konzeption eines Textes, sondern für den gesamten Schreibprozess. Ausserdem übertrage ich das „Eieruhr-Management“, wie ich es nenne, auch auf andere Tätigkeiten und Bereiche … und mein Leben wird auf wundersame Weise leichter, weil mein Fokus klarer ist.

Perfektionsverführung in Form eines Fragebogen

Frühjahr 2015: Ich erhalte den Fragebogen einer Schülerin, die ihre Jahresarbeit zum Thema Minimalismus schreibt. Ich finde es gut, dass sich eine 17-jähre mit Minimalismus beschäftigt, das unterstütze ich. Also her mit dem Fragebogen, der aus elf offenen Fragen besteht.

Bereits bei der ersten Frage schreibe über 300 Wörter, recherchiere dazu noch im Netz und knabbere ewig an den Formulierungen herum. Meine Antwort soll verständlich und zugleich fundiert sein, ich will doch keinen Humbug schreiben. Ausserdem überlege ich, einen Blogpost daraus zu machen, deshalb soll es auch noch plaudertonmässig unterhaltend sein. Meine Soll-Ansprüche erreichen Rekordhöhen. (Ich bin natürlich – wen wundert’s – ganz eieruhrlos unterwegs).

Ich erzähle einem Freund davon. Der sieht mich an und sagt: Etwas zu kreieren ist wichtiger, als es perfekt zu machen. Sofort klingelt die Eieruhr in mir. Zuhause wieder angekommen setze ich mir ein Zeitbudget zur Beantwortung der Fragen und sende den Fragebogen flugs an die Schülerin zurück.

Es geht darum etwas Neues zu kreieren und damit einen Beitrag zu leisten, seinen Job zu machen, andere Menschen zu unterstützen oder zu inspirieren … und nicht darum, sich mit seinem Perfektionismus selbst im Weg herum zu stehen.

Eieruhr-Prinzip Nr. 2:
Etwas zu Neues zu kreieren ist wichtiger, als es perfekt zu machen

Ich mag dieses Prinzip sehr, es betont das Schöpferische & Kreative des Schreibens und es macht mir Mut, auf den „Senden“-Button zu klicken, auch wenn mein Perfektionisten-Ego dabei Amok läuft.

Beide Prinzipien sind mir in meinem neuen Job, in dem ich viel schreibe, äusserst hilfreich. Vor allem merke ich, wie ich die Dinge nach vorne bewege, indem ich ins Tun komme. Beide Prinzipien sind nicht neu – aber sie sind wirksam und zielführend. Und darauf kommt’s ja letzten Endes an.

6 Kommentare

  1. *lach* ich erkenne mich selbst…

    Vielleicht schaffen es deshalb andere so viele Blogposts zu schreiben und auch noch andere Dinge zu machen…

    lg
    Maria

    • Hallo Maria,

      dabei finde ich deine Produktionsmenge und -geschwindigkeit an Texten echt beachtlich. Vor allem, weil ich weiß, dass du noch anderen Hobbys wie z.B. Arbeiten nachgehst. Und: Deine Posts haben in der Regel einen Inhalt (DIY und so weiter), der ebenfalls recht zeitaufwendig ist. Hut ab!

      Herzlich, die Frau Momo

  2. Wie wunderbar! Toll, dass du auch so eine Eieruhr-Befürworterin bist! Ich freue mich immer, wenn ich Gleichgesinnte finde und war schon so begeistert, dass Gitte auch damit arbeitet. Und deine Eieruhr sieht ja wirklich fröhlich aus.

    Ich finde Eieruhren auch so toll!

    Am liebsten arbeite ich mit einer analogen Oma-Eieruhr, die so laut klingelt, dass ich mich erschrecke (wobei ich mich nicht wirklich gerne erschrecke). Das ist so eine Eieruhr, die früher zusammen mit einer Oma-Küchenuhr verkauft wurde. Da gabe es so ein Loch unterhalb der Küchenuhr, wo man die Eieruhr nach Bedarf rausnehmen und wieder reintun konnte.

    Dazu eine kleine Anekdote:
    Vor einigen Jahren gab ich einen zweitägigen Workshop zum Thema „Bekömmliche Selbstorganisation“ in einem relativ bodenständigen Konzern. Als ich später zur Eieruhr kam, gucke man schon leicht pikiert, so nach dem Motto: Eine Eieruhr soll eine Management-Methode sein? *augenroll*

    Der Seminarfeedbackbogen fiel im Großen und Ganzen sehr positiv aus, nur die Eieruhr wurde abgestraft. Die passte nicht ins Bild. Ist ja auch verständlich und sicher auch piepskomisch, wenn in den Fluren der Konzernzentrale Eieruhrklingeln die Stille zerreißt :oD

    Seitdem sage ich lieber „Sie können sich auch den Timer auf dem iPhone stellen.“ Das ist natürlich nicht so schön wie eine tickende Eieruhr, aber situativ angemessener.

    Ich dagegen bin ja Solo-Unternehmerin und lasse nach wie vor meine tolle Eieruhr ticken und schrillen, dass es eine Freude ist.

    In diesem Sinne: Herzliche Grüße von Eieruhr zu Eieruhr :o)

    • Hey, herzlichen Dank für deine Zeilen!

      „Bekömmliche Selbstorganisation“ – was für ein Titel! Nun bin ich am Studieren (= Schweizerdeutsch für „am Überlegen“), was unbekömmliche Selbstorganisation sein könnte. Ich nehm’s ja gerne wörtlich :-).

      Ich muss gestehen: Die abgebildete Eieruhr nutze ich nicht, das Ticken ist mir zu laut. Ich habe am Herd/Backofen einen Timer, den ich nutze, weil ich dann wirklich vom Schreibtisch aufstehen muss, um ihn auszuschalten und somit einen Unterbruch in meine Arbeit bekomme. Wenn ich den Timer meines Smartphones stelle, bleibe ich gerne sitzen und arbeite weiter. 😉

      Aber es geht ja ums Prinzip und den Begriff Eieruhr fand ich schöner als „Timer“. Die abgebildete Eieruhr ist zudem ein Geschenk meiner Mutter an mich und hat deshalb einen immateriellen Wert.

      Herzliche Grüsse von Backofentimer zu Oma-Eieruhr!

  3. Hallo Barbara,

    ich arbeite auch schon eine Weile mit Zeitbdugets – sprich: Ich versuche stets mit Zeitbudgets zu arbeiten, damit ich mich nicht verzettel. Tatsächlich hilft mir das auch beim Schreiben von Blogartikeln, die ich dann aber normal trotzdem noch mal gegenlese. Einmal reicht mir da auch. 🙂

    Trotz meiner Vorliebe für Analoges, wäre eine analoge Eieruhr nichts für mich. Ich mag keine störenden Geräusche um mich herum haben. Aus diesem Grund habe ich auch meinen analogen Wecker weiterverschenkt – wer soll denn bei der Geräuschkulisse einschlafen?

    Prinzip Nummer 2 habe ich neulich auch in Zusammenhang mit Perfektionismus gelesen, nur etwas knapper: „Lieber erledigt, als perfekt.“ – Das sage ich mir seitdem sehr oft.

    Lieber Gruß,
    Philipp

    • Hallo Philipp

      Die abgebildete Eieruhr nutze ich nicht, mir geht das Ticken ebenfalls auf die Nerven. Ich finde den Begriff „Eieruhr“ einfach nur viel schöner als „Timer“, deshalb habe ich ihn verwendet. Zudem hat – glaube ich – auch Gitte Härter damals beim Online-Workshop auch von einer Eieruhr gesprochen und ich habe das Wort dann übernommen.

      „Lieber erledigt als perfekt“ – dieses Prinzip ist gut! Vor allem bei sich wiederholenden Routineaufgaben wie Putzen.

      „Etwas zu kreieren ist wichtiger als es perfekt zu machen“ legt den Fokus mehr auf das Kreative und Schöpferische – deshalb mag ich ihn beim Schreiben sehr.

      Lieber Gruss in die Ferne!

      Herzlich, die Frau Momo

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