frau momos minimalismus

Gedanken zu BookCrossing

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OBCZ im Café Gloria, Zürich

OBCZ im Café Gloria, Zürich

Oder: Warum ich nicht mehr Schlemihl spiele   

Lange bin ich noch nicht BookCrosserin. Genau genommen bin erst seit Mitte Juni diesen Jahres dabei. Entsprechend bescheiden sieht auch mein virtuelles Bücherregal  aus: Ganze 16 Bücher habe ich registriert.

Von diesen 16 entließ ich sechs Exemplare in die freie Wildnis, neun Stück fanden in einer OBCZ eine vorläufige neue Heimat und eines gab ich an eine Freundin weiter. Gefangen wurde bisher zwei Bücher, beide in der OBCZ, von den anderen fehlt bisher jedes Lebenszeichen.

Und wer jetzt nur Bahnhof verstanden hat, für den kommt eine kleine Einführung ins BookCrossing:

BookCrossing: Eine Bibliothek für die ganze Welt

Grundidee des BookCrossings ist das Loslassen und Teilen von Büchern. Anstatt die eigenen gelesenen Bücher im Regal verstauben zu lassen, kann man sie unter BookCrossing registrieren und sie so zu einer weltweiten Bibliothek beisteuern. Jedes Buch, das registriert wird, erhält einen unverwechselbaren Code, eine BookCrossing Identifizierungsnummer (BCID). Die BCID wird auf einem Aufkleber notiert, der Aufkleber kommt ins/ans Buch und dann wird das Buch freigelassen.

Die Wege des Freilassens sind:

  • Weitergabe an einen bekannten Menschen
  • Weitergabe in eine OpenBookCrossingZone (OBCZ), ein Bücherregal, das sich in der Regel an einem öffentlich zugänglichen Ort befindet, wie z.B. in einem Cafe
  • Das absichtliche Liegenlassen in der freien Wildnis, möglichst an trockenen Orten, wie z.B. öffentliche Verkehrsmittel, Wartebereiche in öffentliche Einrichtungen, Einkaufszentren und und und

Ein Mensch, der das Buch findet (= gefangen nimmt), kann das Buch entweder lesen und/oder selbst weiter geben. Anhand der BCID kann er sich bei BookCrossing melden und dort den weiteren Werdegang des Buches dokumentieren.

Freie Wildnis = bessere Müllhalde?

Zunächst bin ich besonders von der Idee des Loslassens in die freie Wildnis hellauf begeistert. Sofort mache ich mich daran, meine Bücher auf derart konspirative Art und Weise in die Freiheit zu entlassen. Ich deponiere sie in S-Bahnen und Einkaufzentren und mache mich dabei so unsichtbar wie nur möglich, so dass mir auch ja niemand mit einem „Hey, Sie haben da was vergessen“ nachläuft. Mit fehlt eigentlich nur noch ein Trenchcoat mit hochgezogenen Kragen sowie ein Hut, und mein Schlemihl-Outfit wäre perfekt. (Erinnert ihr euch?! Sesamstrasse! „Psst … möchtest du ein A kaufen?“ … öffnet Mantelseite). 

Doch zunehmend frage ich mich, ob ich mit dieser Art und Weise des Loslassens meinen „Mist“ nicht einfach nur in die Allgemeinheit verlagere. Ob dieses Verhalten nicht einem besseren Wegwerfen gleich kommt und damit keiner besonders verantwortungsvollen Form der Entsorgung.

Denn beim Freilassen in die Wildnis weiß ich nicht, ob die Person, die das Buch findet, den Aufkleber im/am Buch überhaupt bemerkt. Und ich weiss auch nicht, was der Finder schlussendlich mit dem Buch macht, ob er es nicht dennoch – Aufkleber hin oder her – einfach in die nächste Mülltonne donnert.

OBCZ als zukünftiges vorläufiges Zuhause meiner aussortierten Bücher

Beim Freilassen in eine OBCZ ist dies anders. Ich gehe davon aus, dass dort an Büchern interessierte Menschen in das Regal schauen und sich nur die Bücher nehmen, bei denen sie echten Lesehunger oder Wissensdurst empfinden. Meine bescheidene BookCrossing-Statistik scheint dies zu bestätigen: Rückmeldung gibt es nur über in der OBCZ gefangene Bücher.

Deshalb entlasse ich kein Buch mehr in die freie Wildnis, auch wenn damit die Anzahl meiner Schlemihl-Auftritte leider erheblich leidet. Ich gebe sie, wenn ich bookcrosse, nur noch in eine OBCZ oder an Freunde & Bekannte weiter.

Wie geht es dir mit BookCrossing? Und vor allem mit dem Freilassen in die Wildnis?

8 Kommentare

  1. Hallo Frau Momo,

    ähnliche Fragen habe ich mir damals auch gestellt, als ich das erste Mal mit BookCrossing in Kontakt gekommen bin und meine Lösung ist deiner ebenfalls sehr ähnlich.

    Sadfsh und ich gehen beim Aussortieren von Büchern immer in einem 3-Schritte-System vor:
    1. Möchte das Buch jemand aus unserem Bekannten/Verwandtenkreis haben? Dann verschenken wir es.
    2. Niemand hat Interesse? Ist das Buch sehr gut erhalten/neuwertig? Dann versuchen wir es zu verkaufen, denn als Studenten freuen wir uns über ein wenig zusätliches Kleingeld.
    3. Alle anderen Bücher stellen wir uns unseren lokalen Bücherschrank, der sehr rege genutzt wird. Fast immer treffe ich dort andere Leser und meist ist ein Großteil meiner Bücher schon wieder aus dem Schrank genommen worden, ehe ich fertig mit dem Auspacken meiner Tasche bin.

    Gut erinnern kann ich mich noch an die ersten „Lieferungen“ an die Stadtbücherei in der Kleinstadt, in der sadfsh und ich damals gelebt haben. Am Eingang gab es drei größere Holzsammelkisten, die man zum Verschenken von Büchern benutzen durfte. Nach dem Reinstellen habe ich ein paar Minuten hinter der nächste Ecke gewartet und den Besuchern dabei zugeschaut, wie sie sich freudestrahlend ein paar Bücher ausgesucht haben. Niemals hätte ich gedacht, dass meine alten Bücher noch so viel Begeisterung in die Gesichter anderer Menschen zaubern könnten.

    Liebe Grüße, Apfelmädchen/Svenja

    • Liebe Svenja

      Vielen Dank für deine Zeilen!

      Und ja, die Freude! So gut! Verschenken und Teilen bringt Freude – auf beiden Seiten. Ich merke, dass ich mich wie ein Schneekönig freue, wenn meine Bücher das Leben eines anderen Menschen bereichern.

      Liebe Grüsse

      Barbara

  2. Ich finde das ist so eine Sache mit dem loslassen der Bücher. Ich denke nicht, dass das Buch an genau den Empfänger gerät, der das Buch auch wirklich haben will. Ist es da nicht vielleicht sinnvoller, das Buch für ne Euro bei eBay einzustellen und es so an jemanden weiter zu geben, der damit auch etwas anfangen kann? Klar, man wird seine Bücher nicht sofort los, aber dafür weiß ich, dass es nicht in die Tonne kommt…

    • Hallo Daniel

      Ja, ich stimme dir grundsätzlich zu, dass mit dem Loslassen ist so eine Sache …

      Damit meine Bücher halt nicht in der Tonne landen lasse ich sie ausschliesslich nur noch in den Open Book Crossing Zones frei, das heisst, ich stelle sie in Bücherregale, die eigens für den Büchertausch / die Bücherweitergabe aufgestellt wurden. Diese werden von Bücherliebhabern gepflegt und genutzt. Ich gehe davon aus, dass bei so einem Regal sich jeder nur das Buch greift, das ihn wirklich interessiert.

      Mit dem Verkaufen ist das allerdings bei mir so eine Sache … Ich habe hier beispielsweise gerade 13 Bücher gestapelt, die ich ausgemistet habe. Mir erscheint es ehrlich gesagt viel zu aufwendig, diese 13 Bücher alle einzeln in Ebay (hier in der Schweiz: Ricardo) einzustellen, 13 Angebote zu verfolgen, ev. die Fragen von potentiellen Käufern zu beantworten, 13 mal checken, ob das Geld auf dem Konto ist, 13 mal ein Buch einpacken und zur Post bringen. Mit ganzen Bücherkisten, die ich zum Verkauf angeboten habe, habe ich auch keine gute Erfahrung gemacht. Und wenn dann wirklich nur ein oder zwei Franken dabei herum kommen, steht der Aufwand auch in keinem Verhältnis.

      Mich würde es wirklich interessieren, ob du (und auch das Apfelmädchen —–> siehe vorherigen Kommentar) es nicht auch als aufwendig erfahrt, die Bücher zu verkaufen.

      Herzlich

      Barbara

  3. Ich werde die Bücher, die ich nicht mehr brauche, in den nächsten Kostnixladen bringen.

    lg
    Maria

  4. Liebe Frau Momo,

    erstens: Deine Namensidee ist einfach super!
    Ich habe meine Bücher verkauft oder in der Bücherei abgegeben. Die verkaufen die dann wiederum und können durch das eingenommene Geld wieder Bücher neu anschaffen.
    Ich habe nur noch ganz wenige Bücher im Regal. Das sind Sachbücher, die ich noch ein zweites Mal lesen möchte. Dann werde ich entscheiden, was mit ihnen passiert. Mal gucken, vielleicht entscheide ich mich dann auch für Bookcrossing.

    Liebe Grüße Nanne

    • Liebe Nanne

      Und ich mag den Schriftzug auf deinem Blog oben.

      An die Bibliothek habe ich auch schon gedacht, denn meine macht es so wie deine: Sie verkaufen die Bücher und reinvestieren in neue Bücher. Ausserdem haben sie mir bisher jeden (!) Bücherwunsch erfüllt, den ich geäussert habe. Echt super.

      Liebe Grüsse

      Barbara

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