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Begehrenswerte Dinge

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Begehrenswerte Dinge

„Wir können versuchen, selbst ausgeglichener zu werden, indem wir nur die Dinge auswählen, die wir wirklich begehren.“ John Naish

Aufgefallen ist mir das Wort „begehren“. John Naish schreibt nicht „brauchen“ oder „benötigen“, er schreibt „begehren“. Damit spricht er von Dingen, nach denen es uns verlangt, obwohl wir sie im engeren Sinne nicht zum Leben brauchen. Und das schreibt Naish, obwohl er ein Gegner der Überflussgesellschaft ist. Das Zitat stammt aus seinem Buch „Genug – wie Sie der Welt des Überflusses entkommen“.

Welche Dinge begehrst du?

Bei mir sind es Bücher. Es ist der Bereich meiner Wohnung, der wächst: Das Bücherregal. Mit eReadern kann ich nichts anfangen. Ebooks verstauben ungelesen auf meiner Festplatte. Ich liebe gedruckte Bücher, echte Papierseiten, abgenützte Einbände. Ich klebe kleine Zettelchen hinein, unterstreiche Stellen, die mir bedeutsam erscheinen, kritzle Notizen an den Rand. Es gibt Phasen, da sortiere ich meine Bücher thematisch. Dann nach Farbe der Einbände.

Bei einer Freundin von mir sind es Küchengeräte und Küchenzubehör. Stundenlang kann sie in der Küche stehen, frisch gehobeltes Gemüse in Tupperware verfrachten, Gerichte im Thermomix ausprobieren, mir von ihrer Le Creuset-Pfanne vorschwärmen.

Naish schreibt, dass wir zufriedener werden, wenn wir nur solche Dinge auswählen, die ein Begehren in uns auslösen.

Dinge, die wir begehren, nutzen wir

Dazu eine kleine Geschichte: Ich bin mit meiner oben genannten Küchengeräte-Freundin in der Stadt unterwegs. Plötzlich stößt sie einen Begeisterungsschrei aus. Sie hat ganz bestimmte kleine Gläschen zu einem angeblich unsäglich guten Preis entdeckt. Aus dem Stegreif nennt sie mir fünf Möglichkeiten, wie man diese Gläschen in der Küche verwenden kann. Ich lasse ich mich von ihrem Enthusiasmus anstecken, kaufe zwei von diesen Gläschen zu diesem unsäglich guten Preis – mit bunten Phantasien im Kopf, was ich mit denen anstelle werde.

Wochen später stehen diese Spontankaufresultate immer noch ungenutzt in meiner Küche herum. Weil ich sie weder brauche noch wirklich begehre. Ich packe sie ein und bringe sie meiner Freundin. Die freut sich, lacht und drückt mir – als verspätetes Geburtstagsgeschenk – ein Buch in die Hand, von dem sie wusste, dass ich es mir wünsche.

Zwei zufriedene Seelen.

Ich glaube, diese Inseln des Begehrens sind wichtig. Ob Bücher oder kleine Gläschen. Wenn wir unsere Insel des Begehrens gefunden haben und auf ihr leben, geht es uns gut. Und wir umgeben uns mit Dingen, die wir nutzen, auch wenn wir sie streng genommen nicht brauchen.

4 Kommentare

  1. Liebe Barbara,
    bei mir sind es auch Bücher! 🙂

    Ich leihe viel in der Bücherei und kaufe mir auch gerne Bücher, die ich nicht in der Bücherei finde. 🙂

    Liebe Grüße
    Annika

    • Liebe Annika

      Ich bin auch Stammkundin in der Bibliothek, genauer gesagt sogar in zwei Bibliotheken. Die sind richtig gut ausgestattet und erfüllen viele Kundenwünsche, es ist ein Vergnügen.

      Liebe Grüße

      Barbara

  2. Inseln des Begehrens – ganz wunderbar 🙂 Viele Grüße, Doris

  3. Pingback: Was brauchen wir denn nun wirklich? | Wo ist Philipp?

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